Geschlossene Fonds setzen Erfahrung voraus

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 Containerschiffe im Hafen von Hamburg: In den vergangenen Jahren sind Schiffsfonds reihenweise in die Insolvenz gesegelt und vi
Containerschiffe im Hafen von Hamburg: In den vergangenen Jahren sind Schiffsfonds reihenweise in die Insolvenz gesegelt und viele Anleger hatten den Totalverlust ihres Kapital zu beklagen. (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur
Sabine Meuter

Immobilien, Flugzeuge, Schiffe: Manche Projekte kosten viel Geld. Zur Finanzierung legen Anbieter mitunter geschlossene Fonds auf. Das bedeutet: Es kann sich nur eine begrenzte Zahl von Anlegern an dem Fonds beteiligen. Ist das Kapital beisammen, wird der Fonds geschlossen und das Geld investiert.

Generell bleibt das Kapital der Anleger im Fonds, bis die vereinbarte Laufzeit zu Ende ist, wie ein Sprecher des Fondsverbands BVI in Frankfurt am Main erläutert. Laut BVI gab es zum Stichtag 31. Dezember 2019 insgesamt 254 geschlossene Fonds, die unter das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) fallen. Diese Fonds hatten ein Fondsvermögen von 9,4 Milliarden Euro.

Endet für die Anleger die vereinbarte Laufzeit für den jeweiligen Fonds, erfolgt dessen Abwicklung. Das heißt: Die Anlagen werden wieder verkauft. Der Anleger bekommt den aktuellen Gegenwert seines Anteils – plus die Rendite. Ob es aber tatsächlich die Rendite ist, die anfangs in Aussicht gestellt wurde, ist offen.

„Anleger dürfen nicht vergessen, dass es sich nicht um eine sichere Rendite handelt, sondern um ein Renditeversprechen“, sagt Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale NRW. Wer einen geschlossenen Fonds kaufen will, sollte deshalb immer kritisch hinterfragen, ob die Höhe der in Aussicht gestellten Rendite in einer vernünftigen Relation zum Risiko einer unternehmerischen Beteiligung steht.

Was Anlegern klar sein muss: Es besteht immer die Möglichkeit, dass das Projekt scheitert und die Gelder der Anleger ganz oder zumindest teilweise verloren sind. Während der Laufzeit, die nicht selten mehrere Jahrzehnte beträgt, ist eine Rückgabe der Fondsanteile oft nicht möglich. „Beziehungsweise maximal unter dem Vorbehalt, dass die Finanzierung des Projekts nicht gefährdet sein darf“, erklärt David Riechmann, Referent für Bank- und Kapitalmarktrecht bei der Verbraucherzentrale NRW. Ein alternativer Verkauf an der Börse ist bei geschlossenen Fonds in der Regel nicht möglich. „Bestenfalls findet sich ein Interessent auf dem Zweitmarkt.“

Vor diesem Hintergrund raten Verbraucherschützer unerfahrenen Anlegern, eher die Finger von einem solchen Investment zu lassen. „Es ist schon für Profis schwer abzuschätzen, ob ein Projekt am Ende erfolgreich sein kann und ob die kalkulierten Zahlen realistisch sind“, sagt Scherfling.

Wer sich dagegen nicht wirklich mit geschlossenen Fonds auskennt, steht vor einer besonderen Herausforderung. Schließlich sind geschlossene Fonds trotz der sogenannten Prospekthaftung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) und das seit 2013 geltende KAGB gesetzlich kaum geregelt.

Hinzu kommt: In geschlossene Fonds investiert man oft mit hohen Einmalbeträgen. Institutionelle und professionelle Anleger verfügen nicht selten über ausreichende finanzielle Mittel, um ihr Vermögen zu streuen – und können eventuell auch Verluste verkraften, ohne daran finanziell zugrunde zu gehen.

„Bei unerfahrenen Privatanlegern ist dies indes oft nicht der Fall“, sagt Riechmann. Das ist aus Sicht der Verbraucherzentrale NRW ein weiterer Grund, warum diese Produktklasse nichts für Unerfahrene ist. Wer ungeachtet dessen in einen geschlossenen Fonds investiert, sollte hinterfragen, ob die Ziele des Projekts erreicht werden können.

Dies gilt gerade in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Die Fragen, die sich Anleger stellen sollten, sind etwa: Können Gewerbeimmobilien wie erhofft vermietet werden? Bekommt man für Flugzeuge oder Schiffe eine ausreichende Auslastung?

Falls Kleinanleger trotz der Risiken in einen geschlossenen Fonds investieren wollen, sollten sie dies nur mit Geld tun, auf das sie im Zweifel verzichten können.

Wichtig ist auch, die Bedingungen des Fonds genau unter die Lupe zu nehmen. So kann es beispielsweise sein, dass über den Anlagebetrag hinaus weitere Risiken bestehen. Das kann etwa eine Nachschusspflicht sein. Das heißt, dass Anleger bei finanziellen Schwierigkeiten verpflichtet sind, weiteres Geld zu investieren.

Ein weiteres Risiko: Die Fondsgesellschaft bekommt die benötigte Kapitalsumme durch Ausgabe der Anteile nicht wie erwartet zusammen – mit der Folge, dass das geplante Projekt nicht zustande kommt. Dennoch sind Kosten entstanden, die auf die Anleger abgewälzt werden: Sie bekommen weniger Kapital als investiert zurück.

„All das zeigt, dass geschlossene Fonds wirklich nichts für unerfahrene Anleger sind“, so Scherflings Fazit.

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