Finanzchef soll das Image von Hugo Boss aufpolieren

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 Mark Langer soll Hugo Boss auf Vordermann bringen.
Mark Langer soll Hugo Boss auf Vordermann bringen. (Foto: dpa)
Simone Hett

Die Suche nach einem Nachfolger beim Modekonzern Hugo Boss ist beendet. Der bisherige Finanzchef Mark Langer soll das Unternehmen in Metzingen künftig leiten. Der Boss-Anzug ist schon seit mehr als 13Jahren seine Arbeitskluft. Aufgaben gibt es genügend. Dem schwäbischen Edelschneider fehlen Kunden, es mangelt an Gewinn und auch die Marke hat an Glanz verloren.

Die Erwartungen an den Neuen bei Boss sind hoch. „Es muss eine Menge getan werden, um den Konzern wieder auf Wachstumskurs zu bringen“, sagt Analyst Mark Josefson von der Equinet Bank. Der schwäbische Traditionskonzern war im vergangenen Jahr wie viele andere Modeunternehmen in die Bredouille geraten. Eine übereifrige Expansion mit teuren Läden rund um den Globus wurde dem Unternehmen zum Verhängnis, als die Kunden fernblieben. Für dieses Jahr ist daher mit wesentlich weniger Profit zu rechnen.

Wirtschaftskrise, Terrorgefahr, leere Innenstädte, der Siegeszug der Onlinehändler – all das bekam am Ende auch Hugo Boss zu spüren. Nach mehreren Gewinnwarnungen wurde es dem Aufsichtsrat Ende Februar zu bunt und Langer-Vorgänger Claus-Dietrich Lahrs musste schließlich nach acht Jahren an der Spitze des Unternehmens seinen Hut nehmen.

Dabei war der Konzern lange Zeit ein Fels in der tosenden Brandung, die so einige Unternehmen der deutschen Modebranche wegzureißen droht. Zum schwierigen Umfeld gesellen sich hausgemachte Fehler. Sei es, dass man zu spät mit einem eigenen Onlineauftritt am Start war, Trends zu spät erkannt oder die Kundenwünsche vernachlässigt hat.

Die Vernachlässigung der Herrenmode ist aus Sicht von Aktionärsvertreter Filippo Siciliano von der Deutschen Schutzbereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) der schwerwiegendste Fehler: „Hugo Boss hat den Bezug zu den Wurzeln verloren.“ Auch die Hinwendung zu mehr Luxus sei nicht geglückt. Statt „Champions League-Niveau“ biete Boss hier noch „zu viel Kreisliga“, insbesondere bei der Verarbeitung der Waren.

Es brauche eine schlaue betriebswirtschaftliche Steuerung aller kreativen Prozesse, glaubt Oliver MacConnell von der Berliner Fashion Practice Academy. Allerdings: „Hugo Boss darf nicht wieder zu einem langweiligen Mittelständler gemacht werden.“ Einiges hat das Management von Boss bereits in die Wege geleitet. 50 Millionen Euro will der Konzern 2016 einsparen, indem er Mietverträge nachverhandelt oder Marketingausgaben kürzt. Investitionen werden gestrichen, Läden geschlossen. Dass der Aufsichtsrat sich gegen eine externe Lösung entschieden hat, zeigt laut Experten auch, wie schwer es offenbar ist, jemand für diese Aufgaben zu finden.

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