EZB: Konjunkturschwäche im Euroraum hält an

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Deutsche Presse-Agentur

Die Konjunkturschwäche im Euroraum wird sich nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) in den kommenden Quartalen fortsetzen. Grund seien die Spannungen auf den Finanzmärkten, die sich weiterhin auf die Welt- und die Binnenwirtschaft auswirken.

Das schreibt die Notenbank in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht: „Insgesamt bleibt der Grad der Unsicherheit außerordentlich hoch.“ Allerdings stützten in den kommenden Monaten die seit Mitte 2008 stark gefallenen Rohstoffpreise das verfügbare Einkommen und damit den Konsum. Zugleich gebe es aber erste Anzeichen einer Stabilisierung - wenngleich „auf historisch niedrigem Niveau“.

Im Kampf gegen die Rezession in vielen europäischen Ländern hatten die Währungshüter den Leitzins seit Oktober 2008 in vier Schritten um insgesamt 2,25 Prozentpunkte auf 2,0 Prozent gesenkt. Nach der Zinspause in der vergangenen Woche deutete EZB-Präsident Jean-Claude Trichet an, dass die Bank schon im März erneut an der Zinsschraube drehen könnte: „Ich schließe im Moment nicht aus, dass wir die Rate bei unserem nächsten Treffen senken könnten.“ Niedrige Zinsen verbilligen Kredite für Unternehmen und Verbraucher und können so die Wirtschaft anschieben. Angesichts der Wirtschaftskrise und des nachlassenden Preisdrucks erwarten etliche Ökonomen weitere Zinssenkungen auf 1,5 bis 1,0 Prozent.

Wie die EZB in ihrem Monatsbericht bekräftigte, überwiegen in Bezug auf das Wirtschaftswachstum derzeit die Abwärtsrisiken. Diese stünden hauptsächlich im Zusammenhang mit potenziell größeren Auswirkungen der Finanzmarktturbulenzen auf die Realwirtschaft. Aber auch zunehmende protektionistische Bestrebungen könnten bremsend wirken. Nach einer im Monatsbericht veröffentlichten Studie wurden zwar bisher „keine bedeutenden Hinweise auf eine Zunahme tatsächlicher protektionistischer Maßnahmen“ gefunden. Gleichzeitig gebe es aber in einigen Regionen der Welt eindeutige Anzeichen für einen Anstieg des protektionistischen Drucks. Die EZB warnt vor diesen Tendenzen, weil Protektionismus mit „umfangreichen Wohlfahrtsverlusten“ einhergehen würde.

Hoffnung machen nach Ansicht der Notenbank die politischen Maßnahmen der vergangenen Monate zur Bewältigung der Turbulenzen an den Finanzmärkten. Die Euro-Länder würden bald von diesen Konjunkturprogrammen profitieren, schreibt die EZB: „Diese Maßnahmen sollten zur Wiederherstellung des Vertrauens in das Finanzsystem beitragen und zu einer Lockerung der Beschränkungen des Kreditangebots für Unternehmen und private Haushalte führen.“

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