Experten: Politik soll Tourismus fördern

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Deutsche Presse-Agentur

Die Politik sollte den Tourismus nach Meinung von internationalen Experten stärker fördern und Investitionen in diesen Sektor unterstützen.

Angesichts der globalen Wirtschaftskrise forderte die Welttourismusorganisation UNWTO die 20 größten Industrie- und Schwellenländer auf, die Reisebranche in ihre nationalen Konjunkturpakete aufzunehmen. „Der Tourismus kann und wird eine wichtige Rolle spielen, um die Wirtschaft anzukurbeln“, sagte der amtierende UNWTO-Generalsekretär Taleb Rifai am Donnerstag auf der Reisemesse ITB in Berlin. Auch in Ostdeutschland gibt es nach Einschätzung von Fachleuten Nachholbedarf bei touristischen Angeboten.

Tourismus bedeute Arbeitsplätze, Entwicklung, Handel, Export und Frieden, sagte Rifai. „Wir müssen die Entscheidungsträger dazu bringen, in den Tourismus zu investieren.“ Am 2. April kommen in London die Führer der 20 größten Industrie- und Schwellenländer zusammen, um über die Folgen der Krise zu beraten. Die Staatsoberhäupter der G20 sollten dabei nicht nur den Automobil- oder Bankensektor im Blick haben. „Das Reisen muss jetzt erleichtert werden“, forderte Rifai. „Das hilft auch anderen Wirtschaftszweigen.“

Für 2009 rechnet die UNWTO mit einer Stagnation und schlimmstenfalls mit einem Minus von etwa zwei Prozent für die globale Reisebranche. Dies wäre der erste Rückgang seit 2003. Verlässliche Voraussagen seien nicht möglich, sagte Rifai. „Trotzdem, wir blicken optimistisch in die Zukunft.“ Der Deutsche ReiseVerband (DRV) hatte auf der Messe keine Prognose zur Entwicklung in Deutschland abgeben wollen.

Europas zweitgrößter Tourismuskonzern Thomas Cook betonte in einer Börsenmitteilung, obwohl die Marktlage weiterhin schwierig bleibe, sei das Management zuversichtlich, seine Ziele für 2009 zu erreichen. Zuvor war die Aktie des an der Londoner Börse notierten Konzerns zeitweise um mehr als 14 Prozent abgestürzt. Meldungen, wonach das Unternehmen kommendes Jahr eine noch trübere Lage erwarte, hatten für Unruhe gesorgt.

Zu den Sektoren, die trotz Krise noch hervorragend laufen, gehört das Geschäft mit Kreuzfahrten. Das geht aus einer Analyse des Deutschen ReiseVerbandes (DRV) hervor. Auch für dieses Jahr erwarten die Experten erneut kräftiges Wachstum. Rund 70 Prozent der Kapazitäten für Hochseekreuzfahrten seien bereits ausgebucht. Gemessen an den Passagierzahlen in anderen Ländern gebe es in Deutschland noch riesiges Potenzial.

Bei den Hochseekreuzfahrten brachte das Jahr 2008 einen Zuwachs an Passagieren um 18,9 Prozent auf 906 000 Gäste aus Deutschland. Das bedeute eine Verdreifachung in zehn Jahren, berichtete der Chef von Aida Cruises, Michael Thamm. Die Preise seien um ein Prozent auf einen durchschnittlichen Tagessatz von 199 Euro gesunken. In diesem Jahr wollen die Anbieter noch einmal mindestens zehn Prozent zulegen und die Millionenmarke bei den Gästezahlen überschreiten. Zum Umsatz, der 2008 um 17,8 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro gestiegen war, gab der ReiseVerband keine konkrete Prognose ab.

Starkes Wachstum erreichten im vorigen Jahr auch die Flusskreuzfahrten. 383 000 Passagiere machten 2008 Urlaub auf einem Flussschiff, 14,8 Prozent mehr als im Jahr davor. Der Umsatz nahm um 12,3 Prozent auf 442,9 Millionen Euro zu.

Als Profiteur der Krise sieht sich die Online-Branche. Der Anteil der Buchungen im Internet am Gesamt-Reiseumsatz sei 2008 von 20 auf 24 Prozent gewachsen, teilte der Verband Internet Reisevertrieb (VIR) mit. Insgesamt hätten 25 Millionen Menschen das Internet zur Information oder zur Buchung ihrer Urlaubsreise genutzt. Nach Einschätzung der Forschungsgruppe Urlaub und Reisen (FUR) werden die Internet-Buchungen weniger unter der Krise leiden, weil besonders Schnäppchenjäger auf das Online-Angebot setzten.

Die Tourismuswirtschaft in den neuen Ländern hat sich in der Finanzkrise nach einer Analyse des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) gut behauptet. Die Stimmung sei im Moment aber abwartend. Nachholbedarf gebe es noch bei touristischen Angeboten, wie etwa Ferienwohnungen und -häusern. Solche Offerten seien gefragt, heißt es im Tourismusbarometer des OSV. Ein Aufenthalt dort werde nicht mehr als preiswerte Alternative zum Hotelaufenthalt gesehen, sondern zunehmend als Möglichkeit für eine individuellere Atmosphäre.

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