Ernsthafte Alternative zum Zins

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Mit Dividenden ist heutzutage gutes Geld zu machen. Allein im vergangenen Jahr bekamen die Anteilseigner in Deutschland rund 37
(Foto: dpa)
Anke Leuschke

Rekordgewinn, Rekorddividende, Rekordbonus. Der Autobauer Daimler gibt richtig Gas. Der operative Gewinn stieg 2014 im Vergleich zum Vorjahr um beinahe 30 Prozent auf über zehn Milliarden Euro. Das beste Jahr in der Unternehmensgeschichte zahlt sich für Mitarbeiter und Aktionäre aus: Etwa 135000 Angestellte erhalten eine Erfolgsbeteiligung von jeweils 4350 Euro, die Anteilseigner 2,45 Euro Dividende pro Aktie. Das sind 20 Cent mehr als im Vorjahr.

Nicht nur Daimler verdiente gut im vergangenen Jahr. Der Deutschen Zentral-Genossenschaftsbank zufolge dürften die 110 Unternehmen aus dem Dax, MDax und TecDax in den nächsten Wochen rund 37 Milliarden Euro ausschütten. Für Aktionäre ist der Geldregen eine gute Nachricht. Vor allem in Zeiten, in denen man Zinsen bei Tagesgeldern oder Anleihen mit der Lupe suchen muss.

Ein Grund für die Dividendenschwemme liegt in der Nullzinspolitik der Notenbanken. Die Konzerne konnten sich mit Anleihen billig Geld beschaffen und sitzen auf hohen Bargeldbeständen. „Dieses Geld können Unternehmen in neue Produktionsanlagen oder andere Unternehmen investieren, damit eigene Aktien zurückkaufen oder an ihre Aktionäre verteilen“, sagt Rainer Laborenz von Privatinvestor Vermögensmanagement in Offenburg.

„Wenn das unternehmerische Umfeld von Unsicherheit geprägt ist und Investitionen vielleicht zu teuer sind, wählt man als Aktiengesellschaft eben das Instrument der Dividende“, erklärt der unabhängige Vermögensverwalter. Zumal Unternehmen schon fast gezwungen werden, einen Teil ihrer Reserven auszuschütten. Einige Banken verlangen inzwischen Negativzinsen, sodass Bargeldbestände kaum gewinnbringend angelegt werden können. Für Christian Fischl von der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung in München sind die hohen Dividendenzahlungen keinesfalls Ausdruck von Fantasielosigkeit. „Viele deutsche Unternehmen haben im letzten Jahr gut verdient. Da ist es nur logisch, dass mehr an die Aktionäre gezahlt wird“, so der Vermögensverwalter.

Ausschlaggebend sei, so Fischl, dass die Dividendenzahlung in einem gesunden Maß zum erwirtschafteten Gewinn stehe und dafür nicht der Unternehmenswert verbrannt werde. Eine Kennzahl, auf die er achtet, ist die Dividendendeckungsquote. Sie gibt Aufschluss über die Fähigkeit eines Unternehmens, seine Dividende aus dem Gewinn zu zahlen. Daimler beispielsweise hat eine Quote von rund 2,8. Das heißt, dass der Gewinn fast dreimal so hoch ist wie die Ausschüttungssumme. Damit kann der Großteil des Gewinns für künftige Investitionen zurückgelegt werden. Bei der Wahl der Dividendentitel achten Rainer Laborenz und Christian Fischl außerdem darauf, wie sich das Unternehmen in Krisenzeiten schlägt, ob es Produkte für den Konsum herstellt oder die Macht besitzt, auch in schwierigen Zeiten seine Preise zu halten.

Privatanleger scheuen den Kauf von Aktien

Vergleicht man die Dividendenrendite der 30 Mitglieder im deutschen Leitindex Dax mit den Renditen, von Anleihen der gleichen Unternehmen, ist der Abstand mittlerweile beträchtlich. Während die Dividendenrendite im Dax aktuell durchschnittlich 2,6 Prozent beträgt, rentieren die Anleihen der Unternehmen im Schnitt mit weniger als einem Prozent. Dennoch scheuen viele Privatanleger den Kauf von Aktien und damit die direkte Investition in ein Unternehmen. Für Christian Fischl ist das unverständlich: „Wer eine Anleihe kauft, sitzt auf dem Rücksitz. Wenn ich aber schon ins Auto einsteige, dann doch besser vorne.“

Hier bekomme man für das eingegangene Risiko eine höhere Prämie. Vor der Gleichung, dass Dividenden-Aktien die neuen Anleihen seien, warnt dagegen Rainer Laborenz. Aktien schwanken stärker im Kurs und sind mit Tagesgeldern oder Anleihen nicht vergleichbar. Wer das nicht aushalte, solle auch in Zeiten geringer Zinsen die Finger von Aktien lassen. „Nicht jeder ist zum Rennfahrer geboren“, so Laborenz.

 

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