Erleichterung nach EU-Einigung treibt Dax weiter voran

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Dax
Der Dax ist der wichtigste Aktienindex in Deutschland. (Foto: Fredrik von Erichsen / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Dank des anhaltenden Konjunkturoptimismus der Anleger hat der Dax seinen Corona-Einbruch fast vollständig überwunden. So hatte der deutsche Leitindex am Dienstagvormittag erstmals seit Februar wieder die Marke von 13 300 Punkten übersprungen.

Unterstützung kam durch die Einigung der Europäischen Union auf das größte Haushalts- und Finanzpaket ihrer Geschichte.

Bis zum Handelsschluss bröckelten die Gewinne zwar etwas ab, doch am Ende stand immer noch ein Plus von 0,96 Prozent auf 13 171,83 Punkte zu Buche. Ein wenig Gegenwind kam am Nachmittag von dem anziehenden Eurokurs; für Exporteure können sich damit die Wettbewerbschancen verschlechtern.

Das ebenfalls im Februar erreichte Rekordhoch des Dax von gut 13 795 Punkten ist damit wieder ein kleines Stuck näher gerückt. „Der Dax feiert die Ergebnisse des EU-Gipfels und die Marktteilnehmer schieben alle Bedenken beiseite“, kommentierte Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect Bank die Entwicklung. „Bargeld und liquide Mittel müssen nun angelegt werden und somit dürfte es zu weiteren Kurssteigerungen bei Aktien, Anleihen und Edelmetallen kommen.“ Der Index der mittelgroßen Werte MDax rückte um 0,43 Prozent auf 27 234,98 Zähler vor.

Nach mehr als viertägigen Verhandlungen nahmen die 27 EU-Mitgliedstaaten den Kompromiss im Kampf gegen die Corona-Wirtschaftskrise am frühen Dienstagmorgen an. Das Paket über 1,8 Billionen Euro umfasst mehr als eine Billion Euro für den nächsten siebenjährigen Haushaltsrahmen und 750 Milliarden Euro für ein Konjunktur- und Investitionsprogramm gegen die Folgen der Pandemiekrise.

Unter den Favoriten im Dax zogen die Aktien von Continental um 3,5 Prozent an. Der Autozulieferer und Reifenhersteller hatte am Vorabend mit seinem vorläufigen Bericht zum zweiten Quartal überrascht. Der Umsatz war zwar abgesackt und ein Verlust eingefahren worden, doch Händler und Analysten hatten überwiegend noch Schlimmeres befürchtet. Tagesgewinner waren die stark schwankenden Papiere des inzwischen insolventen Zahlungsdienstleisters Wirecard, die um gut 16 Prozent stiegen.

Einziger Verlierer im Dax waren die in diesem Jahr bereits sehr gut gelaufenen Anteilscheine der Deutschen Bank, die um mehr als vier Prozent fielen. Die harte Kernkapitalquote der Bank hatte sich zwar besser entwickelt als von Analysten und der Bank selbst gedacht. Ähnliches gilt offenbar auch für weitere Geschäftszahlen des zweiten Quartals. Nach den überwiegend sehr starken Quartalszahlen der US-Konkurrenz aber sei die positive Überraschung seitens der Deutschen Bank sehr mäßig ausgefallen, sagte ein Börsianer.

An der Spitze des Nebenwerte-Index SDax sprangen die Aktien von Wacker Chemie nach Berichten über Produktionsausfälle bei der chinesischen Konkurrenz um rund zehn Prozent hoch. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg aus informierten Kreisen gemeldet hatte, könnte es in einem Werk von GCL-Poly Energy, einem der weltweit größten Anbieter des Solarindustrie-Grundstoffs Polysilizium, nach Beschädigungen durch Explosionen zu einem längeren Produktionsausfall kommen.

Der EuroStoxx 50 legte um 0,50 Prozent auf 3405,35 Punkte zu. Der Pariser Cac 40 und der Londoner FTSE 100 schlossen jeweils weniger deutlich im Plus. In New York stieg der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss um mehr als 1 Prozent.

Der Euro zog nach dem EU-Gipfel an und notierte zuletzt bei 1,1496 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs auf 1,1443 (Montag: 1,1448) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8739 (0,8735) Euro. Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von minus 0,46 Prozent am Vortag auf minus 0,48 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,04 Prozent auf 145,20 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,05 Prozent auf 176,35 Zähler zu.

© dpa-infocom, dpa:200721-99-867699/7

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