Einzelhandel zeigte sich 2008 robust

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Deutsche Presse-Agentur

Der deutsche Einzelhandel erwartet trotz milliardenschwerer Konjunkturprogramme eine schwächere Kauflaune in diesem Jahr.

Der Umsatz dürfte sich nominal „in einem Korridor von Null bis minus ein Prozent“ bewegen und damit leicht sinken, teilte der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) am Dienstag in Berlin mit. Nach einem zufriedenstellenden Weihnachtsgeschäft und recht stabilen Umsätzen im Januar sei in den ersten sechs Monaten das Vorjahresniveau noch zu halten. Die Entwicklung im zweiten Halbjahr hänge dann aber entscheidend davon ab, wie die Wirtschaftsflaute auf den Arbeitsmarkt durchschlage. Im vergangenen Jahr blieb die Branche mit rund 2,7 Millionen Beschäftigten von Umsatzeinbrüchen verschont.

Der Handel habe sich in der aufziehenden Krisenstimmung „recht widerstandsfähig“ gezeigt, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts stiegen die Erlöse im vergangenen Jahr nominal um 2,1 Prozent. Um Inflationseffekte bereinigt, resultierte daraus aber ein Minus von 0,4 Prozent. Wie der HDE ergänzend mitteilte, ergab sich im Einzelhandel im engeren Sinn - also ohne Kfz-Handel, Tankstellen, Brennstoffe und Apotheken - ein Jahresumsatz von 399,6 Milliarden Euro, das entsprach einem nominalen Plus von 1,1 Prozent. Im wichtigen Weihnachtsgeschäft im November und Dezember 2008 wurden 73,3 Milliarden Euro umgesetzt. Damit wurde die Erwartung von gut 74 Milliarden Euro fast erreicht.

Die Chancen für den privaten Konsum stünden in diesem Jahr nicht schlecht, sagte Genth. Dazu trügen sinkende Preise für Energie und einige Lebensmittel bei. Auch im Einzelhandel könnten die Kunden mit einem voraussichtlichen Anstieg der Ladenpreise von weniger als ein Prozent eine moderate Entwicklung erwarten. Die Konjunkturpakete brächten Handel und Verbrauchern jedoch wenig, kritisierte der HDE. Um die Binnenkonjunktur anzukurbeln, seien vielmehr kräftige Steuern- und Abgabensenkungen erforderlich. Sogar als Bumerang erweisen könne sich die Abwrackprämie, wenn durch mehr Autokäufe bis zu zehn Milliarden Euro Kaufkraft gebunden würden, die anderswo fehlten.

Kräftige Zuwächse prognostizierte der Verband beim Einkaufen über das Internet. Der Umsatz dürfte in diesem Jahr um zehn Prozent auf rund 22 Milliarden Euro zulegen. Ein Stützpfeiler bleibe zudem der Lebensmittelhandel, der für ein Drittel des Branchenumsatzes steht. Bei der Beschäftigung rechnet der HDE wie bereits 2008 mit einer stabilen Entwicklung. Angesichts hoher Mietbelastungen und häufiger Liquiditätsprobleme dürfte die Zahl der Pleiten auf etwa 5000 nach 3500 im Vorjahr steigen.

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