Eine Arbeitswelt des Sports: Adidas bezieht neue Konzernzentrale

Lesedauer: 5 Min
 Das neue Bürogebäude „Arena“ von Adidas. In den Weg sind Trampoline für die Mitarbeiter eingearbeitet. Im 70. Jahr seines Beste
Das neue Bürogebäude „Arena“ von Adidas. In den Weg sind Trampoline für die Mitarbeiter eingearbeitet. Im 70. Jahr seines Bestehens hat der Sportartikelhersteller den neuen Campus und das wie ein Stadion errichtete Hauptgebäude, die „Arena“, an seinem Hauptsitz in Herzogenaurach bezogen. (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur
Herbert Mackert

Was würde wohl Firmengründer Adolf Dassler darüber denken? Stumm sitzt der Schuhmacher als Bronze-Skulptur vor der mächtigen neuen Konzernzentrale bescheiden auf einer Holzbank. In der linken Hand einen Fußballschuh, die rechte auf das Knie gelegt, den Blick auf alle gerichtet, die über die rote Tartanbahn in die „Arena“ strömen – dem Herzstück des neuen Unternehmenscampus von Adidas in Herzogenaurach.

Wie durch einen Tunnel laufen sie durch die Eingangshalle an Umkleidekabinen und Duschen vorbei ins Innere, wo eine fulminante Treppenkonstruktion die Stockwerke verbindet und Blickbeziehungen durch das gesamte Gebäude ermöglicht. Sechs Lichthöfe sorgen zwischen gigantischen, v-förmig angeordneten Stahl-Beton-Säulen für Tageslicht.

„Wir wollen ungeplante Begegnungen schaffen und damit die Kommunikation der Mitarbeiter fördern. Dadurch kann man sich einen Anruf sparen oder sogar ein Meeting“, sagt Christian Dzieia, der Leiter des globalen Immobilienmanagements bei Adidas. Außerdem erinnere die Treppe die Mitarbeiter daran, dass sie in einem „sportlichen Unternehmen“ arbeiten. „Wer die 136 Stufen an jedem Arbeitstag hoch und runter läuft, verbraucht in einem Jahr so viele Kalorien wie bei einem Marathonlauf“, hat er ausgerechnet.

Die in 34 Monaten errichtete Konzernzentrale erinnert optisch an ein Fußballstadion und bietet auf 52 000 Quadratmetern rund 2000 Mitarbeitern Platz. Das vom Architekturbüro Behnisch entworfene Gebäude wurde mit dem Ingenieurpreis des Deutschen Stahlbaus ausgezeichnet. Gekostet hat es 350 Millionen Euro. Insgesamt entstand im Stadtteil Herzo Base, dem ehemaligen Kasernengelände der US-Armee im Nordosten der Stadt, seit 1999 ein weitläufiger Firmencampus für alle 5600 Mitarbeiter am Stammsitz mit zahlreichen Laufbahnen, Trampolins, Fußball-, Beachvolleyball- und Tennisplätzen, einer Boulder- und Kletteranlage.

Untergebracht sind hier auch das Adidas-Archiv mit 80 000 Produkten und Dokumenten aus der 70-jährigen Firmengeschichte und das geheime Adidas-Forschungslabor. Dort untersuchen Sportwissenschaftler, Maschinenbauingenieure, Biomechaniker und Robotikexperten das Deformationsverhalten von Fußbällen und tüfteln am Laufschuh von morgen, der dem Sportler mit der neuen Dämpfungstechnologie Boost aus theroplastischem Polyurethan-Granulat oder einer Sohle aus dem 3-D-Drucker noch mehr Leistung ermöglichen soll.

Alles in allem investierte der Sportartikelhersteller in seine „World of Sports“ eine Milliarde Euro. „Es ist ein hohes Investment, aber wir bekommen dafür auch mehr Leistung“, ist Dzieia überzeugt. Leistungsfördernd soll auch ein flexibles Arbeitsplatzkonzept sein: Die Mitarbeiter können täglich neu entscheiden, welchen Schreibtisch sie nehmen – ob im offenen Großraumbüro oder für konzentrierte Tätigkeiten und Besprechungen in einer der Telefonzellen ähnelnden Arbeitsboxen.

Auf dem Weg aus der Waschküche der Mutter, in der Adi Dassler laut Unternehmenschronik seine ersten Schuhe nähte, bis zum heutigen Weltkonzern hat die Marke mit den drei Streifen zahlreiche Innovationen hervorgebracht: von den „Rennschuhen“ mit Spikes über die auswechselbaren Schraubstollen, mit denen die Fußballweltmeisterelf von 1954 den Titel gewann, und den nach dem Satelliten Telstar benannten legendären Fußball-WM-Ball von 1970 bis zu Schuhen mit Obermaterial aus recycelten Plastikflaschen.

Einer der vielen Gründe dieser Erfolgsgeschichte ist Unternehmenshistorikerin Sandra Trapp zufolge auch der von Adis Bruder Rudolf gegründeten Herzogenauracher Rivale Puma. „Die Herzogenauracher sagen sich, wenn es die Konkurrenz hier am Ort nicht gegeben hätte, wären beide Marken nicht an die Weltspitze gekommen.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen