„Eigentlich muss man jetzt investieren“

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Iris Ege (Foto: PR)
Schwäbische Zeitung

Biberach - Die Energieagenturen in Baden-Württemberg und Bayern sind die unabhängigen Ansprechpartner bei Fragen zum Energiesparen in den eigenen vier Wänden.

 

Nadine Wahl hat Iris Ege, Gebäudeenergieberaterin und Leiterin der Energieagentur Biberach, zum Thema Gebäudesanierung befragt.

 

 

Frau Ege, für wen lohnt sich eine Gebäudesanierung?

 

Um abzuwägen, ob saniert werden soll, können vor allem zwei Gesichtspunkte betrachtet werden: Das eine ist die Frage, ob sich eine Sanierung finanziell lohnt. Das andere ist der Wohnkomfort – das ist der Faktor, der beim Endergebnis viel spürbarer wird. Interessant wird eine Sanierung vor allem dann, wenn ohnehin Maßnahmen anstehen, wie ein neuer Putz oder eine Dachsanierung. Teilweise wird die Sanierung dann sogar durch die Vorgaben der Energieeinsparverordnung zur Pflicht. Spätestens jedoch bei einem anstehenden Heizungstausch oder wenn die Heizung schon mehr als 15 Jahre läuft, sollte über eine Gebäudesanierung nachgedacht werden.

 

 

Was raten Sie Hausbesitzern, die sanieren möchten?

Die Grundlage einer Sanierung sollte immer eine unabhängige und kompetente Beratung sein. Man muss das ganze Haus betrachten und einen Gesamtüberblick vom Keller bis zum Dach bekommen.

 

 

Daraus sollten dann ein Maßnahmenplan erstellt und schließlich Prioritäten gesetzt werden. Viele Hausbesitzer kommen bei mir in die Beratung, weil sie ihre Heizung austauschen möchten. Es lohnt sich zu überprüfen, ob Dämmmaßnahmen möglich sind. Diese können dann nicht nur die Heizkosten senken, sondern die neue Heizung kann direkt kleiner und günstiger ausfallen. Die Förderlage ist im Moment sehr gut. Eigentlich muss man jetzt investieren.

 

 

Was sind die häufigsten Probleme bei der energetischen Gebäudesanierung?

Die Kommunikation ist ein nicht zu unterschätzender Faktor: Bauherr, Planer und Handwerker reden öfter mal aneinander vorbei. Es herrscht zudem oft Verunsicherung bezüglich der Vorgaben des Gesetzgebers und der Auflagen der Förderprogramme. Das kann zu Fehlern führen, die nachher ausgebessert werden müssen. Beim Thema Schimmelbildung ist wichtig, dass der Bauherr ausführlich darüber aufgeklärt wird, wie in seinem sanierten Haus gelüftet werden muss. Eine automatische Lüftung sollte in Betracht gezogen werden. Vergessen Sie auch nicht den Hitzeschutz: Wo im Winter große Fensterflächen die Wärme der dann tiefer stehenden Sonne einfangen, muss im Sommer für ausreichend Verschattung gesorgt werden. Das kann durch ein Vordach, einen Baum oder auch eine Photovoltaik-Anlage passieren.

 

 

Was hat es mit den verschiedenen Effizienzhausstandards auf sich?

Grundsätzlich ist zu sagen: wenn man schon Geld und Arbeit investiert, dann sollte auch versucht werden, das möglichst beste Ergebnis rauszuholen. Das Ziel, auch von politischer Seite, ist ganz klar der Niedrigstenergiestandard. Ab 2020 ist das für Neubauten bereits Pflicht. Dennoch müssen natürlich Ökologie und Ökonomie zusammenpassen.

 

 

Was müssen Hausbesitzer beim Gebäudeenergieausweis beachten?

Es gibt zwei verschiedene Ausführungen des Energieausweises: Die erste Variante bezieht sich auf das Gebäude als solches, die zweite rechnet mit dem gemessenen Verbrauch. Letztere ist weiter verbreitet, jedoch stark vom Nutzerverhalten im betrachteten Zeitraum abhängig. Ab 1. Mai müssen Vermieter den Energieausweis vorlegen und einsehbar machen. Auch muss bei Neuvermietung oder Verkauf in der Anzeige die Effizienzklasse angegeben werden – bei der Besichtigung ist dann der Energieausweis direkt vorzulegen.

 

Außerdem werden die Gebäude ab Mai auf Basis der Verbrauchskennwerte in Energieeffizienzklassen zwischen „A+“ und „H“ eingeteilt – was ja schon seit einiger Zeit von verschiedenen Elektrogeräten bekannt ist.

 

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