Die schwache Konjunktur und die Inflation wirken sich auf die Banken aus

 Stimmungsvoller Blick auf die Frankfurter Skyline: Die Zeiten für die Banker werden herausfordernder.
Stimmungsvoller Blick auf die Frankfurter Skyline: Die Zeiten für die Banker werden herausfordernder. (Foto: Frank Rumpenhorst/dpa)
Korrespondentin

Es ist ein schwieriges Umfeld für die Finanzwirtschaft. Die nachlassende Konjunktur, die hohe Inflation, die deutliche Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB) – all diese Herausforderungen wirken sich auf das Geschäft der Banken aus.

Nicht alle sind zum Nachteil der Kreditinstitute: Denn sie profitieren davon, dass sie nun Kredite wieder zu höheren Zinsen vergeben können, während sie bei der Weitergabe der Zinserhöhungen an die Kunden bei Spareinlagen noch Zurückhaltung walten lassen.

Doch höhere Kreditzinsen bei gleichzeitig schwächerer Konjunktur lassen viele Unternehmen und Privatleute auch vorsichtiger werden bei der Aufnahme neuer Kredite. Mit dem Abschwung steigt für die Banken zudem die Gefahr von Kreditausfällen. Noch sei dieses Risiko nicht gegeben, versicherten die Banken auf dem „European Banking Congress“ in Frankfurt, einem jährlichen Treffen von Notenbankern und Finanzmanagern. Aber das könnte mit jeder weiteren Zinserhöhung durch die EZB steigen.

Zinssteigerungen noch nicht am Ende

Die Geldpolitik aber sieht sich bei den Zinssteigerungen noch nicht am Ende, im Gegenteil. EZB-Präsidentin Christine Lagarde gab sich bei ihrer Rede auf dem Bankenkongress entschlossen, die Zinsen weiter zu erhöhen. Die EZB müsse so handeln, damit sie die Inflationserwartungen weiter verankere, sie müsse also die nötigen Maßnahmen ergreifen, damit die Inflationsrate bald wieder sinke auf das mittelfristig angestrebte Ziel, also zwei Prozent.

Warum das so wichtig sei, das machte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel klar. So hätten viele junge Menschen noch nie Inflation in diesem Ausmaß erlebt. „Je länger wir mit hohen Inflationsraten leben, desto mehr formt das die Lebenserfahrungen der Menschen.“ Deshalb geht nach Ansicht Nagels kein Weg an einer entschiedenen Bekämpfung der Inflation vorbei.

Noch seien die Zinsen nicht so hoch, dass sie die Wirtschaft lähmten: „Wenn wir jetzt nicht entschieden handeln, riskieren wir, die Geldpolitik später noch stärker straffen zu müssen“, warnte er. Seit Juli versucht die EZB nach langem Zögern mit kräftigen Zinserhöhungen die Inflation einzudämmen. Der Leitzins im Euroraum liegt inzwischen bei 2,0 Prozent.

Deshalb hält Nagel es für „falsch, aus Angst vor einem Abschwung mit weiteren entscheidenden Schritten zu warten.“ „Die Inflation ist eine harte Nuss, die es zu knacken gilt. Wenn wir sie knacken wollen, muss auch die Geldpolitik hart sein“, so Nagel.

Bankenbranche begrüßt die entschiedene Inflationsbekämpfung

EZB-Ratskollege Klaas Knot, Chef der niederländischen Zentralbank, sieht im Dezember bei der nächsten Ratssitzung die Halbzeit erreicht. Dann sei ein Punkt erreicht, an dem die EZB die Wirtschaft weder anschiebe noch sie verlangsame. Dann dürfte die Notenbank die Zinsen wiederum um mindestens 50 Basispunkte anheben. Beobachter halten inzwischen auch einen Zinsschritt um 75 Punkte nicht für ausgeschlossen.

Die Bankenbranche begrüßt die entschiedene Inflationsbekämpfung der Zentralbank zwar. Allerdings fragen sich viele Banker, wie sie die anstehenden Herausforderungen bewältigen sollen, vor allem, wie sie die Umgestaltung hin zu einer klimafreundlichen Wirtschaft finanzieren sollen. Die Banken wollten auch hier Teil der Lösung sein, sagte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing. Doch sie könnten diesen Wandel zur Nachhaltigkeit nicht allein stemmen. Auch die Staatshaushalte könnten nur einen geringen Teil zu dem enormen Finanzbedarf beisteuern.

900 Milliarden Euro jährlich für Wandel zur Nachhaltigkeit

Sewing verwies auf die Studie einer großen Unternehmensberatung, bis 2050 müssten jedes Jahr 900 Milliarden Euro in diese Transformation fließen. Selbst wenn man diese Zahl für zu hoch halte: Hunderte Milliarden müssten dennoch jährlich aufgebracht werden. „Wir brauchen privates Kapital, dass aus anderen Teilen der Welt nach Europa fließt“, sagte Banker Sewing.

Und das werde durch eine Kapitalmarktunion in Europa erleichtert. Die sei deshalb nicht nur für die Banken wichtig, sondern vor allem für die Unternehmen. Denn ohne Kapitalmarktunion, die den Zufluss auch von Geldern außereuropäischer privater Investoren erleichtere, steige ansonsten das Risiko der De-Industrialisierung in Europa.

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