Die grüne Branche wächst: IBO zeigt Trends

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Schwäbische Zeitung

Es gibt immer was zu tun. Dieser bekannte Werbespruch der Baumarktkette Hornbach spricht den Deutschen aus der Seele. Selbst zu sägen, zu schaufeln oder zu schleifen und dabei den ein oder anderen Cent zu sparen, lieben nicht nur Schwaben. Bauen und Basteln steht überall im Land der Heimwerker hoch im Kurs. So steigerten die deutschen Baumärkte ihren Umsatz 2016 um anderthalb Prozent auf knapp 18 Milliarden Euro. Fast ein Viertel davon verdienten sie mit Möbeln, Geräten und Pflanzen aus ihren Gartensortimenten. Denn im Trend liegt besonders die Gestaltung des eigenen Gartens. Die grüne Branche freut sich über volle Auftragsbücher.

Sehnsucht nach der grünen Oase

Zum achten Mal in Folge verzeichneten die knapp 17000 Betriebe des Garten-, Landschafts- und Sportplatzbaus einen Umsatzrekord. Nach Angaben ihres Bundesverbands erwirtschafteten sie im vergangenen Jahr rund 7,48 Milliarden Euro – 4,7 Prozent mehr als im Vorjahr, trotz widriger Wetterbedingungen. Es sind vor allem Privatleute, die das Geschäft mit dem Grün beleben. Sie geben immer mehr Geld aus, um ihre Gärten mit intelligenter Technik, Wasserspielen oder Mobiliar aufzuwerten. Der Verband spricht von einer Sehnsucht nach grün gestalteten Außenanlagen, die durch das niedrige Zinsniveau noch befeuert wird.

„Der eigene Garten als Rückzugsort hat ein sehr gutes Image. Wir können uns über mangelnde Nachfrage nicht beklagen“, sagt Andreas Baranski vom Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg. Selbst die Finanzkrise vor acht Jahren sei spurlos an der Branche vorübergegangen. Die investitionsfreudigen Gartenliebhaber sorgen auch im Südwesten dafür, dass sich immer mehr Unternehmen gründen, die Hecken und Zäune anlegen, Bäume und Blumen pflanzen und Flächen aufhübschen. Die meisten sind eher klein, haben im Schnitt zehn Mitarbeiter. Aktuell beschäftigen alle 2000 Floristik-, Garten- und Landschaftsbaubetriebe in Baden-Württemberg rund 12900 Mitarbeiter, mit denen sie im vergangenen Jahr mehr als 1,4 Milliarden Euro umsetzten.

IBO zeigt aktuelle Trends

Einige von ihnen sind zurzeit auf der Friedrichshafener Verbrauchermesse IBO vertreten, wo sie in zwei Hallen die neuesten Trends ihrer Branche präsentieren. Die Besucher erwarten beispielsweise kreativ gestaltete Traumgärten, Gartengeräte mit austauschbaren Akkus und wetterfeste Möbel mit Stoffbezug.

„Der Garten entwickelt sich immer mehr zum Wohnzimmer im Grünen. Und es gibt eine Tendenz zur Zweit- oder Dritt-Terrasse“, sagt Frank Liewig von der Ravensburger Firma Wohnraum Garten. Angesagt seien hochwertige, aber pflegeleichte Outdoormöbel, die gerne mehr kosten dürften. Außerdem plätschere es immer öfter: „Beliebt sind Wasserspiele, Teiche für Koikarpfen und Bachläufe, aber auch strukturierte Trennwände aus Beton und Natursteine aus Europa“, bestätigt Marco Gropper vom gleichnamigen Garten- und Landschaftsbaubetrieb aus Waldburg. „Auch wir bekommen immer mehr Aufträge“, sagt er.

Erstaunlich sind die schwebenden Gärten des Gartengestalters Michael Cerny, der nur wenige Zentimeter große, lebendige Landschaften inszeniert. Sehenswert ist auch der Rollsammler von Gardena, mit dem sich mühelos Obst und Nüsse aufsammeln lassen. Der Ulmer Gartengeräte-Hersteller wirbt zudem für vernetzte Rasenmäher, Wasserventile und -pumpen, die per Smartphone ferngesteuert werden können.

Den Garten- und Landschaftsbaubetrieben im Land geht es zurzeit zwar ausgesprochen gut, doch auch sie haben drängende Probleme zu lösen: „Der Fachkräftemangel nimmt in der Branche weiterhin zu und die Suche nach Nachwuchskräften wird für unsere Betriebe immer schwerer“, erklärt Landesverbandsvorsitzender Thomas Heumann.

Neben der Aus- und Fortbildung deutscher Arbeitnehmer setzen die Unternehmen daher auf die große Zahl der Flüchtlinge, um den Nachwuchsmangel abzufedern. Wenn Firmen sie beschäftigten möchten, können sie die Hilfe sogenannter Willkommenslotsen in Anspruch nehmen. „Wir stehen den Betrieben bei allen Fragen zur Seite, etwa was Formulare oder Förderungen angeht“, erklärt Andreas Haupert, Lotse des Landesverbands. Zurzeit hätten bei den baden-württembergischen Mitgliedern 58 Flüchtlinge Arbeit gefunden – zwei Drittel seien fest angestellt. „Sie machen einen sehr guten Job und sind hochmotiviert. Wir sind mit ihrer Arbeit sehr zufrieden “, sagt Andreas Haupert. Er hoffe, dass sich noch mehr Unternehmen anschließen und Flüchtlinge beschäftigen. Er sehe darin ein großes Potential.

Die rund 3700 im Bundesverband organisierten Betriebe klagen ferner über bürokratische Auflagen wie die Rußpartikelfilterpflicht für Baumaschinen und das drohende Fahrverbot für Dieselfahrzeuge. Außerdem falle es ihnen vor allem in Ballungsräumen schwerer, neue Standorte zu finden, um die wachsende Nachfrage nach professionell gestalteten Gärten bedienen zu können.

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