Deutsche Winzer setzen auf Exporte

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 Weinberg im rheinland-pfälzischen Piesport: Exporte sind für die heimischen Winzer eine lukrative Sache, der Durchschnittspreis
Weinberg im rheinland-pfälzischen Piesport: Exporte sind für die heimischen Winzer eine lukrative Sache, der Durchschnittspreis pro Weinflasche aus Deutschland steigt seit langem kontinuierlich. (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur
Wolf von Dewitz

Wer heimische Winzer nach den Anfängen deutscher Weinexporte befragt, bekommt erstmal Stirnrunzeln zu sehen. Von einer „Liebfrauenmilch-Phase“ ist die Rede, die im vergangenen Jahrhundert den Export vor allem nach Großbritannien lange bestimmte. Liebfrauenmilch ist ein süßer Weißwein, der nicht nur von Kennern in seiner damaligen Qualität als Fusel und Kopfschmerz-Garant beschrieben wird. Es gebe inzwischen zwar auch sehr gute Liebfrauenmilch, aber – nun ja, „das Image des deutschen Weins hat darunter gelitten“, sagt ein Kenner, der zu diesem düsteren Kapitel deutscher Weinausfuhren nicht namentlich genannt werden will.

Keine unproblematische Geschichte ist das also, der Export von deutschem Wein. Inzwischen jedoch haben sich die Sorgenfalten geglättet – Mitte der 1990er-Jahre brach die Nachfrage nach dem Süßgetränk ein, trockene Weine waren gefragt. Die Ausfuhren sind heutzutage vom Riesling bestimmt, das Billig-Massengeschäft von einst entwickelte sich zum Qualitätsverkauf.

Diesen Trend zeigen Zahlen des Deutschen Weininstituts: Seit dem Jahr 2000 stieg der im Ausland erzielte Durchschnittspreis pro Liter – ohne Steuern und Zoll. Wurden im Jahr 2000 nur 1,38 Euro gezahlt, so waren es zehn Jahre später 2,07 Euro. Bis 2018 schnellte der Wert auf 3,04 Euro in die Höhe.

„Exporte lohnen sich, auch weil auf manchen Märkten gute Preise erzielt werden können“, sagt ein Sprecher des Weininstituts. Qualitativ habe der deutsche Rebensaft zugelegt, daher habe man auch höhere Preise erzielen können. Starke Abnehmer sind die USA, die Niederlande, Großbritannien und Norwegen. Der Exportumsatz blieb zuletzt aber konstant – 2018 nahmen die heimischen Winzer 307 Millionen Euro ein und damit etwa so viel wie 2017. Die Menge sank wegen einer schwachen Weinernte, der Preis aber stieg.

Der deutsche Markt ist gesättigt

Die Perspektiven seien gut, sagt Joachim Binz, Vize-Vorsitzender des Verbandes Deutscher Weinexporteure. „Der deutsche Markt ist weitgehend gesättigt, Absatzwachstum ist hierzulande für heimische Winzer nur noch schwer machbar.“ Im Ausland gebe es hingegen noch viel Potenzial. Binz ist auch Geschäftsführer des Handelshauses Wineconsale, das den Export von etwa zehn verschiedenen Weingütern übernimmt – aus der Pfalz, Rheinhessen, Baden und anderen Weinbaugebieten. Das Image deutscher Weine jenseits der Grenze habe sich geändert – die Rebsäfte würden als Qualitätsware wahrgenommen. So gelte Deutschland in den USA als „Rieslingland“.

Die Weingüter, die Binz vertritt, verkaufen inzwischen bis zu 30 Prozent ihrer Produktion ins Ausland, zu Beginn der Zusammenarbeit im Jahr 2000 machten diese Winzer ihr komplettes Geschäft noch im Inland. Drei Viertel des von dem Handelshaus verkauften Weins seien Riesling. Inzwischen spielten aber auch Grauburgunder, Weißburgunder und Rotweine eine stärkere Rolle.

Besonders Nordeuropa sieht Binz als attraktiven Markt, auch weil das Preisniveau dort höher sei und die Verbraucher demzufolge tiefer in die Tasche griffen. Zwar muss man bei den höheren Preisen auch die Inflation bedenken. Dennoch: „Das Ausland ist ein lukrativer Markt“, betont Binz.

Ein ähnlicher Zusammenschluss ist die „German Wine Group“, die vier Genossenschaften aus Baden, Württemberg, Franken und der Pfalz vertritt. Seit der Gründung 2017 sei der Exportumsatz stark gestiegen, sagt die zuständige Managerin Nicola Blanchard. In diesem Jahr habe man neue Kunden aus China und Südkorea gewonnen. Riesling, aber auch Silvaner, Lemberger und Spätburgunder seien gefragt.

Ein Grund für das stärkere Interesse an Auslandsgeschäften ist ein Generationswechsel in der Branche. Junge Winzer haben oft Auslandserfahrungen, reisen gern und sind übers Internet vernetzt mit Menschen in aller Welt. Ein gutes Beispiel dafür ist Jens Windisch vom Weingut Werther Windisch in Rheinhessen. Der 32-Jährige hat Weinbau studiert und ein Praktikum in Neuseeland gemacht, er reist viel. In einem sozialen Netzwerk lernte er einen Weinhändler aus Wien kennen, der wiederum neue Kontakte in China vermittelt hat.

Über andere, bereits bestehende Handelskontakte in China exportiert Windisch einen Teil seines Weins in das asiatische Land. Ganz unproblematisch ist das nicht. „Das Geschäft ist volatil – es wird viel gesprochen, es geht hin und her – und es ist lange unklar, wie viel Menge wirklich gewollt wird.“ Beim Export brauche man einen langen Atem. „Man muss sich erst etablieren als Lieferant und die dortigen Handelsstrukturen verstehen“, sagt Windisch.

Black Forest statt Schwarzwald

Heimatverbunden und etwas kreativ ist man beim Export beim Badischen Winzerkeller in Breisach. Die Genossenschaft will ihren langjährigen Auslandsanteil beim Umsatz von nur einem Prozent endlich erhöhen. Das Unternehmen schuf vor zwei Jahren eine neue Marke namens „Black Forest“. Der heimische Schwarzwald wurde übersetzt für die ausländische Kundschaft – inklusive Hirschgeweih und dunklen Tannen-Silhouetten oder nebliger Berge auf dem Etikett.

Wer auf lange Sicht mit seinem heimischen Riesling in Restaurants rund um den Globus rechnet, dürfte aber enttäuscht werden: Nur etwa zwei Prozent der weltweiten Weinproduktion kommen aus Deutschland.

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