Deutsche Presse-Agentur

Nach einem erfolgreichen Jahr 2008 blicken die deutschen Reiseanbieter angesichts der Wirtschaftskrise mit gedämpften Erwartungen in die neue Sommersaison. Eine Prognose für das Reisejahr 2009 sei vorerst nicht möglich.

Das sagte der Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), Klaus Laepple, vor Beginn der Internationalen Tourismus-Börse (ITB).- Die , die weltgrößte Reisemesse wurde am Abend in Berlin eröffnet. Zu Jahresbeginn hätten viele ihren Sommerurlaub zögerlich gebucht. Dennoch gebe es teils weiter Zuwächse, etwa bei Kreuzfahrten. Inzwischen laufe das Geschäft insgesamt wieder besser.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) nannte die ITB ein positives Zeichen. Sie stehe angesichts der weltweiten Konjunkturflaute für Optimismus. Die Tourismusbranche habe mehrfach gezeigt, dass man sich von Krisenszenarien erholen und gestärkt daraus hervorgehen könne. Er warnte vor einer Abschottung nationaler Märkte, die auch für den Tourismus „eine Katastrophe“ wäre. Bei der 43. Auflage der ITB präsentieren sich von diesem Mittwoch bis Sonntag 11 098 Aussteller aus 187 Ländern. Die Präsenz ist damit nach 11 147 Aussteller im Vorjahr stabil. Partnerregion der ITB ist diesmal das Ruhrgebiet als europäische Kulturhauptstadt 2010.

DRV-Präsident Laepple sagte, die Deutschen verzichteten nicht generell auf das Reisen. Auch der seit Jahren anhaltende Trend zum klassischen Badeurlaub am Mittelmeer ändere sich nicht wesentlich. Beliebtestes ausländisches Ziel bleibe Spanien. Urlauber seien aber preisbewusster geworden und wollten ihre Ausgaben verlässlich planen. Deshalb hätten viele Veranstalter ihre Alles-inklusive-Angebote weiter ausgebaut. Zurückhaltung gebe es vor allem in Regionen, wo möglicherweise im Zuge der Wirtschaftskrise Jobs in Gefahr sind.

Im Reisejahr 2007/2008 erzielten die deutschen Veranstalter nach DRV-Angaben ein Umsatzplus von 5,5 Prozent auf 21,4 Milliarden Euro. Die Reisebüros legten um fast drei Prozent auf 21,8 Milliarden Euro zu. Die Deutschen hätten ihren Titel Reiseweltmeister auch 2008 verteidigt, sagte Laepple. Nach Angaben der Welttourismusorganisation UNWTO haben die Deutschen für Auslandsreisen rund 61,5 Milliarden Euro ausgegeben, laut DRV ein Rekord.

Und auch für dieses Jahr gelte: „Deutschland sitzt auf gepackten Koffern“, sagte Laepple. Trotz aller Hiobsbotschaften seien die Bedingungen für Reiseentscheidungen nicht schlechter geworden, erläuterte er mit Blick auf gesunkene Energiepreise und vielfach höhere Einkommen.

Zu den Wachstumssegmenten gehört nach Erkenntnissen der DRV- Marktforscher neben den Kreuzfahrten und dem Deutschland-Tourismus auch das Geschäft mit Flugtickets. Das boomende Einzelplatzgeschäft unterstreiche den Trend der Urlauber, ihren Flug mit Hotelangeboten der Veranstalter zu Paket- oder Bausteinreisen zu kombinieren. Flugtickets sind im vergangenen Jahr allerdings wegen der hohen Ölpreise deutlich teurer geworden. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, lagen die Preise für private Individualreisen im Schnitt um 10,3 Prozent höher als ein Jahr zuvor.

In der deutschen Hotellerie bleiben wegen der Krise immer mehr Betten und Veranstaltungsräume leer. Nach einem Absturz bei der Zimmerauslastung zum Jahreswechsel seien vor allem in Tagungs- und Großstadthotels mit internationalen Geschäftsreisenden weitere Einbußen zu erwarten, teilte der Hotelverband Deutschland mit. Ferienhotels könnten die Rückgänge voraussichtlich nicht ausgleichen. In diesem Jahr seien angesichts der Krise womöglich bis zu 20 000 Arbeitsplätze bedroht. 2008 war die Beschäftigtenzahl leicht um 0,2 Prozent auf 360 000 gestiegen.

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