Holz ist ein wichtiger nachwachsender Heizrohstoff. (Foto: Roland Rasemann)
Nadine Wahl

Während es bei den Diskussionen über die Energiewende hauptsächlich um den Strompreis und die EEG-Umlage geht, wird einer der wesentlichsten Teile des Energiemarktes beinahe vergessen: die Erzeugung von Wärme. Denn: In jedem Haushalt wird geheizt, Hochöfen und Backöfen in Industrie und Handwerk müssen zum Laufen gebracht werden.

Dabei machte 2010 der Anteil der Wärmeerzeugung im Vergleich zum gesamten Energiebedarf in Deutschland mit 55 Prozent mehr als die Hälfte aus. Der Anteil für die Stromerzeugung war mit knapp zehn Prozent dagegen gering. In der Industrie macht die Wärme beim Energiebedarf sogar 73 Prozent und bei den Privathaushalten gar 92 Prozent aus.

Beim Blick auf den Anteil erneuerbarer Energien am Strom- und Wärmemix zeigt sich ebenfalls ein Ungleichgewicht: Er lag im Jahr 2012 beim Strom bei 23 Prozent, bei der Wärme bei 12,5 Prozent. Bis 2020 soll der Ökoanteil an der Stromproduktion bis auf 35 Prozent steigen, bei der Wärme nur auf 14 Prozent. Nicht nur der aktuelle Anteil erneuerbarer Energien ist bei der Wärme also geringer, auch die politischen Ziele sind weniger ambitioniert.

Das liegt wohl auch daran, dass es bei der Wärmebereitstellung größere Schwierigkeiten beim Einsatz erneuerbarer Energien gibt – vor allem für Industriezweige, die mit sehr hohen Temperaturen arbeiten, wie zum Beispiel die Stahlindustrie.

Einfacher sind dagegen die Einsparmöglichkeiten bei Bau und Sanierung: Effizienzhaus- und Passivhausstandards helfen, die benötigte Wärmemenge von Gebäuden enorm zu reduzieren. Das klappt nicht nur bei Privathaushalten, sondern auch bei Produktionsstätten. Ziel der neuen Bundesregierung ist es laut Koalitionsvertrag, bis 2050 einen „nahezu klimaneutralen Gebäudestand zu haben“. Die Treibhausgas-Emissionen sollen zudem bis 2020 um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 reduziert werden. Eine umfassende Energiewende kann folglich nicht ohne die Berücksichtigung des Wärmemarktes funktionieren. Er ist schließlich für 40 Prozent der energiebedingten CO2-Emissionen in Deutschland verantwortlich.

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