Deal perfekt: Dow Chemical schluckt Rohm & Haas

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Deutsche Presse-Agentur

Die Mega-Fusion in der US-Chemieindustrie zwischen Branchenführer Dow Chemical und dem Spezialchemie-Anbieter Rohm & Haas ist nach wochenlangem Streit besiegelt. Dow Chemical wird die Übernahme von Rohm & Haas zum 1. April abschließen.

Das gaben die Unternehmen bekannt. Die Konzerne waren Ende Januar aneinandergeraten, nachdem Dow die bereits im vergangenen Juli vereinbarte rund 15 Milliarden Dollar schwere Übernahme unter Hinweis auf die Finanzmarktkrise auf unbestimmte Zeit verschoben hatte.

Rohm & Haas verklagte Dow Chemical daraufhin, um eine Umsetzung des Geschäfts zu erzwingen. Kurz vor dem für Anfang dieser Woche angesetzten Gerichtstermin hatten die Unternehmen ihre Gespräche wieder aufgenommen. Die Klage von Rohm & Haas sei mit der Einigung hinfällig, hieß es.

Dow hatte in den vergangenen Wochen behauptet, ein Vollzug der Übernahme hätte das Unternehmen in den Ruin getrieben, vor allem durch eine Herabstufung des Kreditratings. Teil des neuen Deals ist, dass sich die bisherigen Aktionäre von Rohm & Haas mit bis zu drei Milliarden Dollar an Dow beteiligen werden. Das erleichtert Dow die Finanzierung der Übernahme.

Mit einem Jahresumsatz von 58 Milliarden Dollar und 46 000 Beschäftigten weltweit ist Dow Chemical viel größer als Rohm & Haas. Doch der Spezialchemie-Anbieter mit seinen 9,6 Milliarden Dollar Umsatz entwickelt neue Materialien, die eine große Zukunft haben könnten, unter anderem im Elektronik-Bereich. Deshalb war auch der deutsche BASF-Konzern an Rohm & Haas interessiert.

Der Chemieriese Dow hoffte ursprünglich, den Kauf zum Teil mit Einnahmen aus einem Gemeinschaftsunternehmen mit Kuwait zu bezahlen, doch dieser Deal platzte. Rohm & Haas argumentierte in der Klage allerdings, dass Dow auch ohne das Geld aus Kuwait die Übernahme bezahlen könne.

Dow fand schließlich zusätzliche Ressourcen für die Finanzierung. Die Banken verlängerten vergangene Woche den Großteil einer Kreditlinie für den Kauf von Rohm & Haas um ein Jahr - es geht um 8 von 12,5 Milliarden Dollar. Der Verkauf von Teilen der beiden Unternehmen soll rund vier Milliarden Dollar bringen. Schließlich wurde das Volumen der geplanten Einsparungen im Zuge der Fusion von 910 Millionen auf 1,3 Milliarden Dollar hochgeschraubt. Wie ursprünglich geplant, bekommt der Chemieriese auch eine Investition von drei Milliarden Dollar vom legendären US-Investor Warren Buffett.

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