Deutsche Presse-Agentur

Der deutsche Aktienmarkt hat am Montag bis zum Mittag seine Verluste abgebaut und ist ins Plus gedreht. Marktteilnehmer sprachen von dünnen Umsätzen wegen der geschlossenen US-Börsen.

Der Leitindex DAX arbeitete sich um 0,04 Prozent in die Gewinnzone vor auf 4.415,12 Punkte. In der Vorwoche hatte der deutsche Leitindex fast fünf Prozent verloren. Der MDAX legte mit plus 0,19 Prozent auf 5.262,48 Zähler etwas deutlicher zu. Der TecDAX kletterte, getrieben von starken Solarwerten, um 0,92 Prozent auf 493,19 Punkte. Die Börsen in den USA bleiben wegen des Feiertages "Presidents Day" geschlossen.

Der Leiter für den Wertpapierhandel bei Hauck & Aufhäuser, Fidel Helmer, sagte: "Die Umsätze sind extrem dünn, unter anderem, weil in den USA Feiertag ist. Daher ist die DAX-Richtung heute nicht ernsthaft aussagekräftig." Ab Dienstag werde es allerdings wieder interessant. "Da stehen die ZEW-Konjunkturerwartungen auf der Agenda und die Jahresberichte der Commerzbank und der Postbank sowie von Continental und Daimler", sagte er.

Die Papiere der Aareal Bank setzten sich an die MDAX-Spitze und verteuerten sich um 13,46 Prozent auf 4,30 Euro. Damit konnte sich der Immobilienfinanzierer dem Branchentrend widersetzten. Trotz schwarzer Zahlen 2008 schlüpft der Immobilienfinanzierer vorsorglich unter den Bankenschirm der Bundesregierung.

Der Finanzmarktstabilisierungsfonds (SoFFin) habe eine Stille Einlage in Höhe von 525 Millionen Euro sowie einen Garantierahmen für neue Emissionen im Volumen von bis zu vier Milliarden Euro gewährt, hatte die Aareal Bank am Sonntag mitgeteilt. Ein Händler sagte, die Zahlen seien besser als erwartet ausgefallen. Auch die Vereinbarung mit dem SoFFin sei positiv zu bewerten, da sie nicht aus einer Schwächeposition heraus getroffen wurde.

Die übrigen Bankenwerte verloren unterdessen großteils. HRE büßten im MDAX 1,77 Prozent auf 1,11 Euro ein, während Commerzbank, Deutsche Bank und Postbank im DAX zwischen 0,97 und 4,35 Prozent verloren. Analyst Konrad Becker von Merck Finck verwies für die HRE vor allem darauf, dass die Pläne der Bundesregierung konkreter würden und so Spekulationen auf ein Übernahmeangebot überschatteten. Insgesamt habe es zudem negative Sektor-Nachrichten gegeben und es gebe wieder mehr Skepsis, nachdem vor kurzem Hoffnungen auf eine "Bad Bank" eine kleine Rally unter den Bankentiteln ausgelöst hatten. Becker verwies darauf, dass die Verluste bei der HBOS als negatives Omen für die Branche weltweit gesehen würden. "Zudem sind in den USA an diesem Wochenende drei weitere Banken pleite gegangen."

Die Aktien von Premiere fielen mit Abschlägen von 11,91 Prozent auf 2,44 Euro an das MDAX-Ende. Der Bezahlsender ist bei Umsatz und Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Für das laufende Jahr sagte Premiere zudem einen "erheblichen" EBITDA-Verlust voraus. "Die Zahlen sind durch die Bank weg schlechter als erwartet", sagte ein Börsianer.

Linde setzten sich nach positiv aufgenommenen Zahlen des Wettbewerbers Air Liquide an die Spitze des DAX und legten um 3,28 Prozent auf 57,06 Euro zu. Der französische Gasehersteller steigerte im Gesamtjahr 2008 trotz Finanzkrise seinen Umsatz und Gewinn. Ein Börsianer sagte: "Air Liquide hat schlichtweg exzellente Ergebnisse vorgelegt." Das treibe die Aktien von Linde mit nach oben.

Die Papiere der Münchener Rück sind laut einem Bericht des US-Anlegermagazins "Barron's" kurzfristig die "bessere Wette". Mit einem Plus von 1,22 Prozent auf 105,88 Euro schlugen sie sich besser als der Gesamtmarkt. Die beiden führenden europäischen Rückversicherer Münchener Rück und Swiss Re sollten nach dem Bericht von steigenden Preisen profitieren.

Allerdings könnten dabei die Papiere der Münchener kurzfristig gesehen die bessere Wette sein, so das Magazin. Das sei zwar keine große Überraschung für europäische Anleger, könnte aber eine Neuigkeit für US-Investoren sein, sagte der Händler.

K+S gehörten mit plus 1,67 Prozent auf 43,12 Euro ebenfalls zu den größten Gewinnern im Leitindex. Händler verwiesen auf eine Hochstufung durch Goldman Sachs von "Sell" auf "Neutral". Sein Kursziel für die Aktien hob Analyst Andrew Byrne von 30 auf 45 Euro. Die Hochstufung begründete er mit der günstigen Bewertung der Aktien und der verbesserten langfristigen Marge.

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