Das Gold in der Garage: Classic Cars als Geldanlage

Lesedauer: 11 Min

Dieser Ferrari 250 GTO von 1962 gehört zu den Fahrzeugen, die ihren Wert immens gesteigert haben.
Dieser Ferrari 250 GTO von 1962 gehört zu den Fahrzeugen, die ihren Wert immens gesteigert haben. (Foto: dpa)
Gerd Hübner

Seit Beginn der expansiven Geldpolitik der Notenbank ist auch die Nachfrage nach Sachwerten wie Kunst, Uhren oder Oldtimern gestiegen. Keine Anlageklasse hat sich aber so gut entwickelt wie Classic Cars. Sie sind in den vergangenen Jahren rasant an Wert gestiegen. Und ein Kauf kann sich auch jetzt noch lohnen – wenn man ein Faible für solche Fahrzeuge hat. Es gilt aber genau abzuwägen, ob und für wen sich der Einstieg lohnt. Es gibt vieles, worauf es beim Oldtimerkauf unbedingt zu achten gilt.

„Oldtimer haben schon ihre Faszination“, schwärmt Rainer Laborenz Geschäftsführer der azemos vermögensmanagement GmbH in Offenburg. „Da können Sie noch die Technik verstehen, fahren wirklich selbst ohne Einparkhilfe oder ähnliches und Sie haben Fahrzeuge in wunderbarer Ästhetik mit viel Chrom, Leder oder Holz.“

Werte von Wein, Münzen und Uhren stark gestiegen

Tatsächlich hat die Begeisterung der Investoren für Sammlerobjekte wie alte Autos, Kunst oder Wein in den vergangenen Jahren stark zugenommen und deren Preise nach oben getrieben. Das beweist ein Blick auf den Coutts Passion Index. Zwischen 2005 und Ende 2017 haben sich Sammleruhren um knapp 105 Prozent verteuert, bei Wein waren es 153 Prozent und bei Münzen 224,6 Prozent. Ein Bereich aber beeindruckt besonders: Classic Cars. Hier legte der Teilindex fast 332 Prozent zu.

"Alternativlosigkeit" der Anlieger kommt zum Tragen

„Natürlich kommt darin die Alternativlosigkeit der Anleger angesichts extrem niedriger Zinsen zum Ausdruck“, erläutert Pia Bölingen von der FiNUM.Private Finance AG in Biberach. „Sie waren in den vergangenen Jahren verzweifelt auf der Suche nach alternativen Investments, die ihnen die Chance auf eine stärkere Portfoliodiversifikation, realen Werterhalt und eine zusätzliche Rendite bieten.“ Eigenschaften, die auf Classic Car zuletzt zutrafen. Im Vordergrund sollte das dabei aber nicht stehen. „Ich rate nur demjenigen zum Kauf eines Oldtimers, der auch eine gewisse Leidenschaft dafür mitbringt“, sagt Bölingen weiter. Denn in der Tat muss man sich, um ein gutes Fahrzeug zu finden, mit dem Thema schon sehr gründlich auseinandersetzen.

„Jemand, der echtes Interesse an dem Thema mitbringt, sollte zunächst eine Vorstellung davon haben, welche Art Oldtimer er möchte“, so Laborenz. Denn es gibt eine Vielzahl verschiedener Classic Cars: Solche aus den Vorkriegsjahren, Limousinen, den klassischen Sportwagen oder Youngtimer, die jünger als 30 Jahre sind, um nur einige zu nennen. Und längst nicht alle werden gleichermaßen stark nachgefragt. „Derzeit“, informiert der Experte, „sind zum Beispiel Limousinen aus der Zeit vor dem Krieg weniger stark in Mode, eher dagegen offene Sportwagen.“

Unterstützung vom Gutachter

Wichtig ist auch, wie viele Einzelstücke es von einem Fahrzeug noch gibt. „Während Autos aus der Massenproduktion kaum im Wert steigen, ist die Chance dazu umso größer, je weniger Exemplare es von einem Wagen gibt“, erklärt Bölingen. Von den 254 gefertigten Exemplaren des BMW 507 aus dem Jahr 1959 gibt es beispielsweise noch 220 Exemplare. Spitzenexemplare erzielen Preise von zwei Millionen Euro. Ein entscheidendes Kriterium für die Qualität eines Classic Cars ist dann der Zustand eines Wagens. „Je näher er am Originalzustand ist, umso besser“, sagt die Expertin weiter.

Allerdings ist nicht immer einfach festzustellen, ob es sich um Originalteile handelt. Wer das nicht selbst entscheiden kann, sollte sich Unterstützung von einem Gutachter oder unabhängigen Experten holen, beispielsweise von einem Oldtimer-Club. Zu einem vermeintlich günstigen Oldtimer zu greifen, davor warnt Bölingen: „Echte Qualität und Seltenheit haben einfach ihren Preis.“

Classic Cars müssen gepflegt und gefahren werden

Bedenken müssen Oldtimer-Käufer schließlich, dass Classic Cars, anders als eine Aktie, die man sich ins Portfolio legt, gehegt, gepflegt, und gefahren werden muss und Nebenkosten mit sich bringt. Unterbringung, Versicherung und Ausgaben für Ersatzteile und Reparaturen können teuer werden. Deshalb können neben Leidenschaft auch gewisse technische Kenntnisse und Fertigkeiten wichtig sein. Wer selbst Hand anlegen kann, spart Geld.

Ist das alles gegeben, kann sich ein Oldtimer-Investment auszahlen. „Zwar können auch Preise von Oldtimern einbrechen“, sagt Laborenz, „anders als bei Aktien haben Sie aber immer noch etwas zum Anfassen, zum Fahren, zum Genießen. Und wenn der Wert langfristig steigt, ist das ein schöner Nebeneffekt.“

Die Teuersten:

Fahrzeuge aus Filmen, die bekannte Rennen gewonnen haben oder berühmten Persönlichkeiten gehörten, sind begehrt. Das spektakulärste Beispiel ist der Ferrari 250 GTO. Ein Fahrzeug dieser Baureihe aus dem Jahr 1963 soll Medienberichten zufolge in diesem Jahr für 60 Millionen Dollar den Besitzer gewechselt haben. Es ist damit das teuerste Auto aller Zeiten. Aber auch unter den Top 5 der wertvollsten Classic Cars sind laut dem Auktionshaus Barneby’s vor allem Ferraris: Der Ferrari 335 Sport Scaglietti aus dem Jahr 1957, der bei einer Versteigerung 35,7 Millionen Dollar brachte, der Ferrari 290 MM Scaglietti von 1956 mit 28 Millionen Dollar und der Ferrari 275 GTB Spider von 1967 mit 27,5 Millionen Dollar. Auf Rang 3 rangiert der einzige Wagen, der nicht vom italienischen Sportwagenbauer kommt: der Mercedes-Benz W196, Baujahr 1954, der für 29,7 Millionen Dollar den Besitzer wechselte. (gh)

Alternativen:

Nicht jeder hat ein paar Millionen für einen Oldtimer übrig. Aber es gibt günstigere Alternativen. „Sie können sich zum Beispiel bei Youngtimern umschauen, die noch keine 30 Jahre alt sind, aber auf dem Weg vom Gebraucht- zum Liebhaberfahrzeug sind“, erklärt Holger Lüttke, Vermögensverwaltung Gies & Heimburger. Vor ein paar Jahren war hier der Porsche 911 interessant, jetzt könnte dies für den Audi Quattro von Anfang der 1980er-Jahre gelten oder für die frühen Modelle des BMW Z3 oder Fahrzeuge aus der ersten Baureihe des Mercedes SLK R170. Auch ein Blick in die Fahrzeuglisten der Oldtimerindizes des Verbands der Automobilindustrie (VDA) oder des Südwestbank kann interessant sein, wo sich eine Reihe von Classic Cars finden.

Zwar werden solche Fahrzeuge nicht mit den spektakulären Wertsteigerungen eines Ferraris 250 GTO mithalten, in den vergangenen Jahren entwickelten sich aber auch deren Preise ganz ordentlich. So legte der Oldtimerindex der Südwestbank, der 20 Klassiker süddeutscher Hersteller enthält, zwischen Anfang 2005 und 2017 über 302 Prozent zu. (gh)

Laupheimer restauriert ein Auto aus den 1920ern
„Schwäbische Bugattis“ – diesen Spitznamen haben die Autos, die zwischen 1918 und 1925 bei der Firma Steiger in Burgrieden im Landkreis Biberach hergestellt wurden. Nur noch zwei dieser Oldtimer gibt es heute noch – einen davon hat Michael Schick aus Laupheim.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen