Daf-Trucks sind künftig mit E-Antrieben von ZF unterwegs

Auf der IAA Nutzfahrzeugmesse präsentiert ZF zusammen mit Daf einen Truck, in dem der E-Antrieb Cetrax2 von ZF verbaut ist.
Auf der IAA Nutzfahrzeugmesse präsentiert ZF zusammen mit Daf einen Truck, in dem der E-Antrieb Cetrax2 von ZF verbaut ist. (Foto: Dominik Gigler)
Wirtschaftsredakteur
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Mit einem Auftrag für seinen neuen E-Antrieb Cetrax2 hat der Zulieferer ZF seine Präsenz auf der Nutzfahrzeugmesse IAA eröffnet. Wie das Unternehmen vom Bodensee mitteilte, wird der niederländische Lkw-Hersteller Daf den elektrischen Antriebsstrang von ZF künftig in seinen Trucks verbauen. Die Serienproduktion soll im nächsten Jahr starten.

Der Antrieb soll sich laut Wilhelm Rehm, im ZF-Vorstand unter anderem für Nutzfahrzeugtechnik zuständig, einfach in bestehende Fahrzeugplattformen integrieren lassen und es den Herstellern ermöglichen, sowohl konventionell als auch elektrisch angetriebene Trucks auf den Markt zu bringen. Zumindest die erste Serie der Cetrax2-Antriebe wird am Konzernsitz in Friedrichshafen gefertigt – genau wie Cetrax1, das vor allem in Busse und kleine Lastwagen eingebaut wird.

Heterogene Antriebswelt

Bei schweren Lkw rechnet ZF mit einer längeren Laufzeit der Verbrennertechnologie, weil die Herausforderungen mit Blick auf Batteriekapazitäten und Ladeinfrastruktur hier noch größer seien als beim Pkw. Vorstand Rehm geht davon aus, dass im Jahr 2025 etwa 30 Prozent der Fahrzeuge in diesem Segment elektrisch angetrieben werden, bis zu 20 Prozent mit einer Brennstoffzelle und mindestens die Hälfte mit einem konventionellen Motor.

Darüber hinaus gab der Manager in Hannover die Serienproduktion seines Supercomputers ZF ProAI bekannt. Der Hochleistungsrechner, der ZF zufolge bis zu einer Billiarde Rechenoperationen pro Sekunde verarbeiten kann, werde ab 2023 zunächst in China und später in den USA eingeführt und soll in schweren Nutzfahrzeugen zur Unterstützung des autonomen Fahrens eingesetzt werden. ZF geht davon aus, dass hochautomatisiertes bis autonomes Fahren zunächst im Nutzfahrzeug kommt, weil es sich dort schneller amortisiert.

Nach der Übernahme des Bremsenspezialisten Wabco 2020 und der Vereinigung des belgisch-amerikanischen Konzerns mit der eigenen Nutzfahrzeugsparte im Januar dieses Jahres gilt ZF als größter Zulieferer für Lkw- und Bushersteller der Welt. Die neue Division Commercial Vehicle Solutions (Nutzfahrzeug-Lösungen) beschäftigt rund 25 000 Mitarbeiter weltweit und trägt nach ZF-Angaben 18 Prozent zum Umsatz des Gesamtkonzerns bei, der 2021 bei 38,3 Milliarden Euro lag. Ergebniszahlen nennt ZF zwar nicht, aus Branchenkreisen ist jedoch zu hören, dass die Nutzfahrzeugsparte überdurchschnittlich zur Marge beiträgt.

Schwierige Rahmenbedingungen

Kurzfristig, so Rehm, blieben die Rahmenbedingungen in der Branche zwar schwierig. In wirtschaftlichen Schwächephasen wie jetzt in Europa geht die Nachfrage nach Lkw zurück, einfach, weil weniger Gütertransporte anfallen. Die Margen seien daher auch „signifikant unter Druck“.

Doch habe ZF in den vergangenen zwei Jahren bewiesen, dass es Krisen managen könne. Perspektivisch rechnet sich ZF in dem Geschäftsfeld einiges aus, weil der Trend zur Automatisierung, Digitalisierung und Elektrifizierung für die Truckhersteller einen enormen Aufwand bei den Entwicklungskosten bedeutet. Mit seinen Produkten biete das Unternehmen Kunden die Chance, den Entwicklungs- und Transformationsaufwand zu reduzieren.

Verstärkt in den Blick nehmen will ZF künftig auch den Trailer, also den Anhänger großer Zugmaschinen. Dank Elektrifizierung und Digitalisierung sollen hier bis zu 18 Prozent der Kosten eingespart werden. ZF Scalar heißt eine digitale Plattform für Nutzfahrzeugflotten, die vollautomatische, auf künstlicher Intelligenz basierende Planungs-, Routing- und Dispositionslösungen anbietet. Zudem stellt der Konzern ein intelligentes Notbremssystem für schwere Lkw vor.

Nachfolger für Finanzchef Sauer bestätigt

Offiziell bestätigt hat ZF am Montag auch noch eine Personalie: Michael Frick wird zum Jahresbeginn Finanzchef Konstantin Sauer beerben, der in den Ruhestand geht. Frick kommt vom Autozulieferer Mahle, wo er in gleicher Position tätig ist und zurzeit auch interimistisch das Amt des Vorstandschefs ausübt.

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