Dürre-Versicherung für Bauern meist zu teuer

Lesedauer: 8 Min

Viele Landwirte in Deutschland müssen in diesem Jahr erhebliche Dürreschäden verkraften. Während in anderen EU-Ländern Versicherungen einen Teil der Ernteausfälle kompensieren, sind die Bauern hierzulande auf sich allein gestellt. Warum das so ist und was sich in der Agrarversicherung ändern muss erklärt Rainer Langner, Vorstandschef der Vereinigten Hagelversicherung, im Gespräch mit Andreas Knoch.

Herr Langner, die Hitze und Trockenheit der vergangenen Wochen werden teils zu erheblichen Ernteausfällen führen. Wie hoch schätzen Sie die Schäden, auf die sich die Landwirte einstellen müssen?

So, wie sich die Lage zurzeit darstellt müssen die Landwirte wohl mit Schäden von mehr als zwei Milliarden Euro rechnen. Inwieweit sich die Ausfälle durch höhere Preise zumindest teilweise kompensieren lassen, können wir aktuell noch nicht abschätzen.

Ist das Jahr 2018 ein Extremjahr?

Ja, 2018 ist was Dürreschäden angeht ein Extremjahr. Wir hatten 1993 und 2003 zwar auch Jahre mit schweren Dürreschäden. Doch damals lagen die Preise für die betroffenen Feldfrüchte 20 bis 30 Prozent niedriger als heute. Im Durchschnitt der vergangenen 25 Jahre haben Wetterrisiken – also Sturm und Starkregen, Hagel, Trockenheit oder Überschwemmungen – jährlich Ernteausfälle von gut 500 Millionen Euro in Deutschland verursacht. Dieses Jahr ist also ein krasser Ausreißer nach oben. Einen ähnlich hohen Schaden gab es zuletzt 2003.

Lassen sich die Ereignisse auf den Klimawandel zurückführen?

Ich bin kein Klimaforscher, doch die Anzeichen dafür sind nicht ganz unerheblich. Die Landwirte werden nicht umhinkommen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Viele Bauern versichern ihre Ernte gegen Hagelschäden, nicht aber gegen Trockenheit. Warum ist das so?

Zum einen sind die Ernteausfälle bei Dürre nicht so hoch wie bei Hagel. Hagelschäden können zu einem Totalverlust führen, während es bei Dürreschäden maximal 70 Prozent sind. Zum anderen sind die Prämien und Selbstbehalte tatsächlich so hoch, dass sich diesen Versicherungsschutz im Augenblick kaum ein Landwirt leisten kann.

Woran liegt das?

Trockenheit ist ein sogenanntes Kumulrisiko. Das heißt, sie kommt zwar nicht allzu häufig und regelmäßig vor. Wenn es dann aber mal für längere Zeit nicht regnet, sind davon gleich mehrere Regionen betroffen und der Schaden ist entsprechend groß. Dafür müssen Versicherer entsprechend viel Kapital vorhalten, und das schlägt sich in vergleichsweise hohen Prämien nieder. Es gibt kein Wetterrisiko, das so große monetäre Schäden anrichtet, wie Dürre. So kommt es, dass drei Viertel der Ackerflächen oder fünf Millionen Hektar gegen Hagelschäden versichert sind, aber nur rund 5000 Hektar gegen Dürreschäden.

Wie hoch sind denn die Prämien in der Dürreversicherung?

Das ist von Region zu Region unterschiedlich und hängt unter anderem von der Niederschlagsmenge und der Bodenqualität ab. Sandböden, wie sie etwa in Brandenburg anzutreffen sind, leiden eher unter Trockenschäden als Lößböden. Entsprechend höher sind dort die Prämien. Unter dem Strich kann man sagen, dass die Prämien zwischen drei und neun Prozent des Hektarwerts ausmachen.

Wie viel ist das in Euro?

Nehmen wir Getreide. Die durchschnittlichen Erlöse pro Hektar – wir nennen das Hektarwert – liegen bei einer Erntemenge von acht Tonnen und Preisen von 180 Euro je Tonne bei rund 1500 Euro. Ein Prämiensatz von neun Prozent hieße 135 Euro je Hektar. Das will kaum ein Bauer zahlen, zumal im Schadensfall von der Versicherungssumme auch noch Selbstbehalte abgezogen werden.

Bauern in anderen EU-Ländern können sich einen Versicherungsschutz gegen Dürreschäden sehr wohl leisten ...

In diesen Ländern – aktuell sind es 19 EU-Staaten – werden Mehrgefahrenpolicen, die mehrere Wetterrisiken, zum Teil auch Trockenheit, einschließen, aber auch bezuschusst – und zwar um bis zu 70 Prozent der Prämiensumme. Die Zuschüsse kommen entweder aus EU-Mitteln oder, wie im Fall Österreichs, aus den nationalen Bund- und Länderhaushalten. Dadurch werden die Policen für die Bauern erschwinglich.

Brauchen wir in Deutschland eine Bezuschussung?

In Deutschland werden die EU-Gelder, mit denen das Risikomanagement der Bauern unterstützt werden könnte, für die Entwicklung des ländlichen Raums verwendet. Das ist angesichts der Schäden in der Landwirtschaft in den vergangenen Jahren zu hinterfragen. Eine umfassende Risikoabsicherung braucht eine Bezuschussung, damit sie interessant und langfristig stabil akzeptiert wird. Zu hinterfragen ist auch die hohe Versicherungssteuer von 19 Prozent, die die Prämien zusätzlich verteuert.

Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk hat angekündigt, auf der Agrarministerkonferenz der Länder im September einen solchen Zuschuss für eine Mehrgefahrenpolice durchzudrücken. Wie hoch sind die Chancen, dass das gelingt?

Angesichts der Wetterextreme der vergangenen Jahre besteht Handlungsbedarf: Wir haben hohe Dürreschäden in diesem und hatten hohe Frostschäden im vergangenen Jahr. Ich glaube, die Bereitschaft der Bundesländer, eine Mehrgefahrenversicherung für die Bauern zu bezuschussen, ist da – auch in den Bundesländern, die bei dem Thema bislang gemauert haben. Ich glaube aber auch, dass der Bund einen Teil der Kosten übernehmen muss.

 

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen