Wer Chancengleichheit ernst nimmt, muss beim Spielzeug anfangen

Chancengleichheit beginnt im Spiel
Chancengleichheit beginnt im Spiel
Ressortleiter Wirtschaft
Benjamin Wagener

Wer in deutschen Kleidergeschäften schon einmal Kinder-T-Shirts kaufen wollte, der weiß genau, was den spanischen Verbraucherschutzminister Alberto Garzón antreibt.

In der Regel sind entweder rosa und türkise Oberteile in der Version Prinzessin oder Katzen-Mami zu haben oder Hemden in Blau, Rot und Grün mit Handwerkern, Schleppern oder Raketen auf der Brust. Die Motive weisen Kindern typische Rollenbilder zu: die Frau entweder als passive, sich versorgen lassende Prinzessin oder als pflegende, sich kümmernde Mutter, der Mann als aktiver, zupackender Arbeiter, Landwirt oder Astronaut.

Was im Kleiderschrank zu verschmerzen wäre, ist im Spielzeugregal fatal. Denn im Spiel werden Fähigkeiten trainiert, auf die Kinder in ihrem ganzen Leben zurückgreifen. Und da macht es einen Unterschied, ob Kinder einen Lego-Roboter mit einfachen Codes zu einer fernsteuerbaren Maschine umprogrammieren oder ob sie mit Puppen in einem Ballkleid Traumhochzeit spielen.

Dabei geht es nicht um richtige oder falsche Spielzeuge: Kinder lernen im Spiel mit Puppen wie mit Technikbausätzen, in der Beschäftigung mit Spiel-Bügelbrettern wie mit Modellflugzeugen. Es geht aber darum, dass bestimmtes Spielzeug jeweils nur einem Geschlecht zugeschrieben wird.

Spaniens Regierung wendet sich zu Recht dagegen, dass Barbies als Spielzeug ausschließlich für Mädchen und Laubsägekasten als Spielzeug ausschließlich für Jungen beworben werden. Wer das Ziel der Chancengleichheit ernst nimmt, hat darauf zu achten, dass nicht bereits im kindlichen Spiel Ungleichheiten für das gesamte Leben manifestiert werden – vor allem vor dem Hintergrund, wie wirkmächtig die Fernsehwerbung am Sonntagmorgen für das nächste Wunschgeschenk ist.

Was die wichtigen Fertigkeiten im Zeitalter der Digitalisierung sein werden, ist klar: Es sind die Programmierfähigkeiten der Software-Ingenieure. Auch vor diesem Hintergrund sollte eine Gesellschaft die Expertise, die Kinder beim Bau von Lego-Robotern aufbauen, nicht nur einem Geschlecht zukommen lassen.

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