Carthago-Chef gründet Familienstiftung

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Karl-Heinz Schuler ist Chef und Gründer von Carthago. Er strukturiert den Reisemobilhersteller derzeit um.
Karl-Heinz Schuler ist Chef und Gründer von Carthago. Er strukturiert den Reisemobilhersteller derzeit um. (Foto: oh)
Schwäbische Zeitung
Steffen Range
Redakteur

Der Reisemobilhersteller Carthago soll dauerhaft selbstständig und unabhängig bleiben. Dafür hat der Inhaber des Unternehmens, Karl-Heinz Schuler, eine Familienstiftung gegründet.

Bereits im Dezember 2014 übertrug der 61-Jährige Anteile der Carthago-Gruppe an die „Karl-Heinz Schuler Familienstiftung“. Damit hat sich der Firmengründer festgelegt, Carthago als eigenständiges Familienunternehmen über Generationen hinweg zu erhalten: Die Gruppe wird weder zerstückelt noch an einen Konzern verkauft. „Verbunden ist hiermit eine eindeutige Überordnung der Unternehmensinteressen Carthagos und ihrer Mitarbeiter“, teilte der Reisemobilbauer mit. „Unternehmensinteressen stehen vor Familieninteressen“, sagte Schuler der „Schwäbischen Zeitung“.

Schuler sieht die Arbeitsplätze an allen Standorten nun langfristig gesichert. Carthago betreibt Werke in Aulendorf (Kreis Ravensburg) und Slowenien und beschäftigt 870 Mitarbeiter. „Den Mitarbeitern wird mit diesem Vorgehen die Planungssicherheit für ihre eigene Zukunft gewährleistet“, sagte Schuler.

Die Familienstiftung besteht aus zwei Vorstandsmitgliedern und einem Stiftungsrat. Schuler selbst ist Stiftungsvorstand, das andere Vorstandsmitglied eine nicht näher benannte Vertrauensperson Schulers. Aus dem Alltagsgeschäft bei Carthago zieht sich der Firmengründer aber nicht zurück: Schuler wird nach eigenen Angaben „weiterhin eine aktive Rolle übernehmen“. Er leitet Carthago zusammen mit Bernd Wuschack, der für Vertrieb und Marketing verantwortlich ist. Ein technischer Geschäftsführer soll noch dazu kommen. Schuler sagte: „Die Bedeutung dieses Führungsteams wird in den nächsten Jahren immer größer und wichtiger.“

Lebenswerk soll erhalten bleiben

Unternehmern, denen der Erhalt ihres Lebenswerks am Herzen liegt, entscheiden sich bisweilen für die Gründung einer Familienstiftung. „Hauptkriterium ist der Schutz des Unternehmens“, erläutert Rechtsanwalt Christoph Philipp, Fachmann für Familienstiftungen in der Kanzlei P+P Pöllath + Partners in München. „Eine Stiftung kann nicht sterben und muss den Stifter-Willen postum weiterverfolgen.“ Eine untergeordnete Rolle spielt – anders als in der Öffentlichkeit oft behauptet – das Motiv, Steuern zu sparen: Wer Firmenanteile an eine privatrechtliche Stiftung überträgt, muss ebenso Erbschaftsteuer zahlen, wie wenn er seinen Besitz direkt vererbt. Steuerlich begünstigt sind nur gemeinnützige Stiftungen.

Eine Stiftung ist theoretisch auf Ewigkeit angelegt, die Entscheidung lässt sich nicht zurücknehmen. Schuler hat bisher einen Anteil im niedrigen zweistelligen prozentualen Bereich an die Familienstiftung abgegeben.

Carthago ist einer der führenden Reisemobilhersteller im Premiumsegment ab 80000 Euro angesiedelt. Dort hat das Unternehmen aus Aulendorf einen Marktanteil von 15 Prozent. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Carthago einen Umsatz von 190 Millionen Euro nach 182 Millionen im Vorjahr; der jährliche Auftragseingang liegt bei 3100 Fahrzeugen. Nach Ansicht Schulers ist das Wachstum im Premiumsegment allerdings weitgehend ausgereizt. „Viel weiter kommen wir nicht mehr.“

Neues Segment geplant

Deshalb zielt die Carthago-Gruppe jetzt auch auf weniger betuchte Kunden. Schuler spricht von einem „neuen Segment unterhalb von Carthago“. Die Hoffnung ruht auf dem vor zwei Jahren wieder aufgelegten Malibu, der in Slowenien gebaut wird. Dafür wird die Malibu-Familie vergrößert: Künftig soll es neben dem Kastenwagen auch integrierte und teilintegrierte Modelle geben. Der Malibu bekommt sozusagen zwei größere Geschwister. Wohnmobile unter der Marke Malibu könnten nach Schätzung Schulers rund 10000 Euro weniger kosten als die kleinsten Carthago-Modelle. Für den Malibu wird ein eigenes Vertriebsnetz aufgebaut, Carthago will neue Händler gewinnen. Schuler sagte: „Die Marke Malibu soll für einen deutlichen Schub sorgen.“

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