Bjørn Lomborg: „Ineffizient und zu teuer“

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(Foto: PR)
Schwäbische Zeitung

Global betrachtet zögert die deutsche Energiewende die Erderwärmung nur wenige Stunden hinaus. Das behauptet jedenfalls der dänische Politologe Bjørn Lomborg. Er plädiert stattdessen dafür, auf die Gasförderung durch Fracking zu setzen. Susanne Schulz hat mit ihm telefoniert.

Halten Sie die deutsche Energiewende für sinnvoll?

Ich gratuliere Deutschland zu seinem starken Willen, nicht nur über den Klimawandel zu reden, sondern tatsächlich etwas dagegen zu tun. Aber die Deutschen erreichen nur sehr wenig und bezahlen dafür zu viel. Das dient anderen Ländern als Abschreckung. Mit der Investition von etwa 100 Milliarden Euro in Solaranlagen, verzögert man den Klimawandel nur um 37 Stunden und verteuert nur den Strom. Das wiederum aber macht Ihre Produktion teurer und bedroht somit Arbeitsplätze. Außerdem macht der hohe Energiepreis in Deutschland den ärmeren Menschen zu schaffen. Fazit: Sie zerstören Ihre wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, erreichen fast nichts in Sachen Klimawandel, inspirieren niemanden zur Nachahmung und Sie schaden der ärmeren Bevölkerung. Die Intention ist richtig, aber die Methode ist falsch.

Die Intention ist, dem Markt der Erneuerbaren einen Anschub zu geben, sodass sie sich ökonomisch bald selbst tragen können.

Es sollte tatsächlich so sein, dass grüne Energie so billig produziert werden kann, dass jeder sie kaufen möchte – und zwar nicht nur reiche, gutmeinende Deutsche, sondern auch Chinesen und Inder. Denn wir werden den Klimawandel nicht stoppen können, wenn nicht zumindest die Chinesen und Inder ihre CO-Emissionen reduzieren. Und das wird nur dann geschehen, wenn es ein billiges Angebot an grüner Energie gibt. Es gibt nur einen Weg, das zu erreichen: Innovation. Sehen Sie sich das Fracking-Wunder der USA an. Durch die neue Gasförderungsmethode stand plötzlich viel billiges Gas zur Verfügung. Die US-Wirtschaft hat durch den Energiepreisverfall eine Wiederbelebung im Wert von 125Milliarden US-Dollar pro Jahr erlebt. Gleichzeitig haben die USA ihren CO-Ausstoß massiv verringert, da von Kohle auf Gas umgestiegen wurde. Damit haben die USA wesentlich mehr erreicht, als Deutschland.

So ineffizient sind die Wind- und Solaranlagen nicht – das EEG-Vergütungssystem ist es.

Ja, Sie haben eine Fixkostenvergütung. Es gibt da definitiv Verbesserungsmöglichkeiten, das Fördersystem ein bisschen weniger phänomenal teuer zu machen. Dennoch bleibt es so, dass Sie Energie viel zu teuer produzieren wollen und dann obendrein noch Stromreserven kaufen müssen, für den Fall, dass der Wind mal nicht bläst oder die Sonne nicht scheint. Dies führt dazu, dass die Akzeptanz in der Gesellschaft, überhaupt etwas gegen den Klimawandel zu tun, sinkt.

Es wäre also besser, direkt in die Entwicklung günstigerer erneuerbarer Energie zu investieren?

Ja. Natürlich werden die Wind- und Solarkraftwerke auch effizienter dadurch, dass sie jetzt am Markt sind. Aber wenn Sie 100 Milliarden Dollar an Subventionen investieren, dann fließen sicherlich drei bis fünf Milliarden davon in die Forschung und Entwicklung (F&E) besserer Technologien. Warum in aller Welt investieren wir dann nicht gleich die ganzen 100Milliarden in die F&E? Oder noch besser: Warum investieren wir nicht 50 Milliarden Dollar in F&E? Dann haben wir immer noch zehnmal mehr für das Klima getan und gleichzeitig 50 Milliarden Dollar gespart. Geld für Subventionen auszugeben ist ineffizient, Geld für Forschung und Entwicklung auszugeben ist effizient.

Sind Unternehmen nicht eher in der Lage, effiziente Technologie zu entwickeln, als Forschungseinrichtungen?

Wenn Sie eine Milliarde Euro in die Forschung stecken, wird sicherlich nicht jeder Cent zu verwertbaren Ergebnissen führen. Wenn Sie aber eine Milliarde Euro in Subventionen stecken, werden davon nur drei bis fünf Prozent für F&E ausgegeben und der Rest für Dinge verschwendet, die wir bereits als ineffizient identifiziert haben. Das produziert nur glückliche Gesichter in der Wind- und Solarbranche.

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