Billigflieger Germanwings will teurer werden

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Deutsche Presse-Agentur

Der Lufthansa-Billigflieger Germanwings will trotz der Probleme in der Luftfahrtbranche höhere Ticketpreise durchsetzen.

„Für 2009 erwarten wir zwei bis drei Prozent weniger Passagiere“, sagte Germanwings-Chef Thomas Winkelmann in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa auf der Reisemesse ITB in Berlin. „Durch einen gestiegenen Durchschnittspreis soll der Umsatz trotzdem steigen.“

Bereits im vergangenen Jahr erzielte die Lufthansa-Tochter ein Umsatzplus von fast sechs Prozent auf rund 660 Millionen Euro. Zugleich sank die Passagierzahl von 7,9 auf 7,6 Millionen Gäste. Die Auslastung der Flieger stieg leicht auf 82,4 Prozent. „Die Zeiten der Null-Euro-Schreihals-Preise sind vorbei“, sagte Winkelmann. Die Flugtickets seien in den vergangenen Jahren immer billiger geworden. „Das Fliegen ist enorm preiswert.“

Germanwings war 2002 zunächst als Tochter der Lufthansa- Beteiligung Eurowings an den Start gegangen und gehört inzwischen komplett zur größten deutschen Fluggesellschaft. Germanwings schreibt nach Angaben von Winkelmann unter dem Strich schwarze Zahlen. Trotz einer reduzierten Kapazität habe sich das wirtschaftliche Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Konkrete Zahlen nannte er nicht.

Nach einer um rund acht Prozent ausgedünnten Winterkapazität soll in diesem Sommer wieder die Kapazität des Vorjahres angeboten werden, sagte Winkelmann. „Wir haben früher als andere gemerkt, dass die Wintersaison sehr hart wird.“ Für den Sommer zeigte er sich vorsichtig optimistisch: „Wir sehen eine Stabilisierung auf sehr hohem Niveau.“

Kurzarbeit ist bei Germanwings laut Winkelmann bislang kein Thema. Im Winter hätten die Mitarbeiter Urlaubstage abgebaut. Auch für 2009 zeigte er sich zuversichtlich, die Zahl der zuletzt 1033 Arbeitsplätze halten zu können.

Positiv wirke sich für Germanwings aus, dass Geschäftsreisende sehr preissensibel geworden seien. „Davon profitieren wir.“ Auch die Urlaubsnachfrage bleibe stabil. Winkelmann erwartet wegen der Wirtschaftskrise in diesem Jahr kräftige Rabatte der Hotels. „Die Hotels werden spätestens nach der ITB merken, dass sie im Sommer leer sind.“ Dies werde zu Preissenkungen führen, und Urlauber würden sich vermehrt Hotel und Flug selbst im Internet zusammenstellen.

Zur Expansionsstrategie von Germanwings äußerte sich Winkelmann verhalten. „Wir begehen kein Harakiri beim Wachstum.“ Es seien schon viele Airlines durch ein zu schnelles Wachstumstempo in die Pleite getrieben worden. „Das Geschäftsmodell muss so sein, dass es auch ohne Wachstum funktioniert.“

Gespräch: Rochus Görgen, dpa und Steffen Weyer, dpa-AFX

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