Allgäu Airport Memmingen: Nach Informationen des Flughafens fallen wegen des Pilotenstreiks am Freitag sechs Ryanair-Flüge aus.
Allgäu Airport Memmingen: Nach Informationen des Flughafens fallen wegen des Pilotenstreiks am Freitag sechs Ryanair-Flüge aus. (Foto: OH)

Am kommenden Wochenende gehen in etlichen Bundesländern die Schulferien zu Ende. Zahlreiche Urlauber wollen zurück nach Hause fliegen. Andere sind auf dem Weg in die schönsten Wochend des Jahres. Für viele allerdings wird das nicht ohne Komplikationen klappen. Denn am Freitag sollen die in Deutschland stationierten Piloten der irischen Billigfluglinie Ryanair streiken – zum ersten Mal. Dazu hat sie die Vereinigung Cockpit am Mittwoch aufgerufen.

Der Streik wird 24 Stunden dauern. Er beginnt am Freitagmorgen um drei Uhr nachts. Wie viele Piloten mitmachen, weiß man nicht. Die Unterstützung der bundesdeutschen Flugkapitäne bei der Urabstimmung von Cockpit war aber wohl groß. Nach Angaben der Gewerkschaft sprachen sich 96 Prozent der rund 400 Flieger für den Streik aus. 250 Flüge von und nach Deutschland hat Ryanair nun abgesagt.

Die in Irland beheimatete Firma hat Maschinen auf zehn bundesdeutschen Flughäfen stationiert, darunter Frankfurt, Berlin und Hahn. Insgesamt werden hierzulande 19 Städte angeflogen, darunter Suttgart und Memmingen. Auf der Website des Allgäu Airports war zu erfahren, dass am Freitag insgesamt sechs Flüge ausfallen werden.

Nicht nur in der Bundesrepublik bleiben am 10. August Ryanair-Maschinen am Boden. Gestreikt wird auch in Belgien, Schweden, Irland, eventuell den Niederlanden. Deshalb wurden weitere 146 von rund 2400 geplanten Flügen innerhalb Europas abgesagt.

Ryanair erklärte am Mittwoch: Die betroffenen „Kunden werden heute Nachmittag per E-Mail oder SMS kontaktiert und über ihre Optionen aufgeklärt: eine Rückerstattung, eine kostenlose Umbuchung auf den nächsten verfügbaren Flug oder einen vergleichbaren Ersatzflug.“ Ab kommenden Samstag werde wieder normal geflogen. Entschädigungen, die über den Flugpreis hinausgehen, zahlt das Unternehmen nicht.

Verhärtete Fronten

Die Vertretungen der Beschäftigten und die Firma verhandeln seit Monaten. Während die Gewerkschaften in mehreren Staaten europaweite Tarifvereinbarungen für Bezahlung, Urlaub und Arbeitsbedingungen der Piloten und Flugbegleiter durchsetzen wollen, versucht Ryanair, solche Verträge möglichst lange hinauszuzögern. Ohne festgelegte Rahmenbedingungen kann die Fluglinie ihre Beschäftigten so einstufen, wie es ihr passt. Das ist ein Mittel, um Gehälter und Kosten niedrig zu halten und die Flugtickets billiger anzubieten als die Konkurrenz. Erst 2017 erklärte sich die Airline grundsätzlich bereit, Gewerkschaften überhaupt anzuerkennen.

Laut Cockpit liegt das durchschnittliche Grundgehalt von Ryanair-Piloten bei rund 77 000 Euro brutto jährlich, etwa 6400 monatlich. Vergleichbare Fluggesellschaften wie Eurowings und Tuifly zahlten dagegen mindestens 100 000 Euro pro Jahr, etwa 8300 pro Monat. Kopiloten erhielten bei Ryanair beispielsweise 40 000 Euro jährlich, bei Eurowings dagegen 57 000 Grundgehalt. Die Gewerkschaft legt Wert auf die Feststellung, dass sie nicht in einem Schritt eine derartige Gehaltserhöhung verlange. Man wolle sich aber „in die Richtung“ einer Bezahlung bewegen, die auch bei anderen Unternehmen üblich sei.

Ryanair müsse sich vom bisherigen Umgang mit dem Personal verabschieden, sagte Cockpit-Vizechef Markus Wahl am Mittwoch in Frankfurt: „Sie machen jedes Jahr Milliardengewinne, und das Durchschnitts-ticket kostet um die 40 Euro. Irgendwer muss dafür bezahlen. Das Personal wird es nicht mehr tun.“ Ryanair veröffentlicht andere Zahlen als Cockpit. Demnach verdient ein Flugkapitän in Deutschland beispielsweise 16 600 Euro monatlich, etwa 190 000 pro Jahr. Die Gewerkschaft bezweifelt das. Er kenne keinen Ryanair-Piloten mit einem so hohen Gehalt, so Cockpit-Sprecher Janis Schmitt. Die Fluglinie hält den Streik für unnötig, weil man Cockpit vor wenigen Tagen ein verbessertes Angebot gemacht habe.

Um wirksamer verhandeln zu können, haben die Piloten eine internationale Koordinationsstelle gegründet, die Ryanair Transnational Pilot Group (RTPG). Diese will eine Rahmenvereinbarung durchsetzen. Eine wichtige Forderung ist beispielsweise, dass die Flugzeugführer direkt bei Ryanair angestellt werden sollen. Heute haben viele von ihnen Arbeitsverträge mit Drittfirmen, werden also quasi an die Fluglinie ausgeliehen. Auch das ist ein Mittel, um die Bezahlung billig zu halten.

Wie es jetzt weitergeht, ist unklar. Cockpit droht, man könne durchaus abermals streiken, wenn Ryanair nicht kompromissbereit sei. In Irland hat das Unternehmen der dortigen Gewerkschaft angekündigt, 20 Prozent der Flotte samt 300 Arbeitsplätzen nach Polen zu verlegen. Für Deutschland schließt die Linie einen solchen Schritt bisher aus.

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