Bei einer Gasnotlage könnte erneut das Toilettenpapier knapp werden

Auslage in einem Discounter: Rechnerisch benötigt jeder Bundesbürgen laut Verband 134 Rollen Toilettenpapier im Jahr.
Auslage in einem Discounter: Rechnerisch benötigt jeder Bundesbürgen laut Verband 134 Rollen Toilettenpapier im Jahr. (Foto: Michael Gstettenbauer/IMAGO)
Korrespondent

Spätestens mit dem Beginn der Pandemie hat sich gezeigt, auf welche Produkte Verbraucher gar nicht verzichten wollen. Leere Regale gab es in den Supermärkten dort, wo sonst in rauen Mengen Nudeln, Mehl oder Toilettenpapier auf Kunden warteten.

Auch als der Krieg in der Ukraine losging, legten Konsumenten sich erst einmal einen Sicherheitsvorrat dieser Waren an. Inzwischen hat sich die Nachfrage zwar wieder normalisiert. Doch der Blick auf die Preise zeigt, dass der Krieg nicht ohne Folgen blieb. Toilettenpapier ist so teuer wie noch nie.

Und es könnte noch dicker kommen. Denn die Papierindustrie gehört zu den besonders großen Energieverbrauchern und die Unternehmen der Branche nutzen für die Erzeugung in der Regel Gas. So schlug der Verband der Papierindustrie schon im Sommer Alarm.

Unsicheres Fahrwasser

„Im Hygienepapier-Produktionsprozess sind wir besonders auf Gas angewiesen“, warnt der Vize-Präsident des Verbands und Chef des großen Herstellers Wepa, Martin Krengel, „bei einem Wegfall können wir die Versorgungssicherheit nicht mehr gewährleisten.“

Mit konkreten Aussagen halten sich die Firmen zurück. Aber die Insolvenz des bekannten Markenunternehmens Hakle ist ein Indiz dafür, dass die Unternehmen in unsicherem Fahrwasser unterwegs sind. Sie kämpfen nicht nur mit hohen Energiekosten. Auch die Rohstoffe sind teurer geworden.

Die Folgen spüren die Kunden an der Kasse der Geschäfte. Doch knapp sind derzeit weder Energie noch Rohstoffe. So gehen Kenner der Branche derzeit nicht von der Stilllegung von Produktionsanlagen aus. Allerdings kann sich dies ändern, wenn es tatsächlich zu einer Gasnotlage oder extremen Energiekosten kommen sollte.

Preisanhebungen erwartet

Von einer weiterhin sicheren Versorgung geht auch Branchenriese Essity aus. Zum schwedischen Unternehmen gehören bekannte Marken wie Zewa oder Tempo. Die Versorgungssicherheit habe hohe Priorität, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Bisher sei es gelungen, die Kostensteigerungen bei einer anhaltend hohen Qualität der Produkte zu kompensieren.

„Dennoch wird Essity, wie alle anderen Hersteller, aufgrund der enorm gestiegenen Kosten seine Preise nach oben anpassen müssen“, kündigte eine Sprecherin an. Auch Wepa, dass Hygienepapier für Handelsmarken herstellt, rechnet mit Preisanhebungen.

Der Verbrauch an Toilettenpapier in Deutschland ist enorm. 750 000 Tonnen verlassen jährlich die Papierfabriken. Rechnerisch benötigt jeder Bundesbürger laut Verband 134 Rollen im Jahr. Etwa die Hälfte der Produktion besteht aus Recyclingpapieren.

Schwere Folgen für andere Branchen

Und die Unternehmen experimentieren mit der Beimischung anderer Naturfasern. So setzt Wepa zum Beispiel Miscanthus-Fasern ein, ein Schilfgras. Auch Stroh kommt als Alternative zu frischen Holzfasern in Betracht.

Doch derlei Innovationen ändern nichts an den gegenwärtigen Problemen der Branche. Denn der hohe Energiebedarf wird zum Produktionsrisiko. Im Gegensatz zu den ersten Monaten der Pandemie ist auch Hilfe aus dem Ausland im Falle eines Produktionsstopps nicht in nennenswertem Umfang zu erwarten.

125 000 Tonnen werden jährlich importiert, die gleiche Menge jedoch auch ausgeführt. Wenn Anlagen in großem Stil stillgelegt werden müssten, hätte dies auch für viele andere Branchen weitreichende Folgen. Der Versandhandel stünde ohne Verpackungskartons da, Zeitungen und Zeitschriften ohne Papier.

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