Bayerische Wirtschaft findet das Bayern bessere Standortbedingungen hat als Deutschland

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Drei Männer bei Arbeiten an einem Auto
Arbeiter im BMW-Werk in München. (Foto: DPA)
Ralf Müller

Allen Klagen der Wirtschaft über hohe Unternehmenssteuern sowie Arbeits-, Bürokratie- und Energiekosten zum Trotz belegt Bayern im Vergleich von 45 Industriestandorten den zweiten Platz. Das hat eine aktuelle Studie der IW Consult GmbH im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) ergeben, die der Verband am Freitag in München vorgestellt hat. Danach bieten lediglich die USA bessere Standortbedingungen als der Freistaat. Die Bundesrepublik als Ganzes folgt hinter der Schweiz und Schweden auf Platz fünf.

Anhand von 61 Einzelindikatoren haben die Forscher die Standortqualität Bayerns mit den 45 wichtigsten Wettbewerber-Ländern verglichen. Neben Deutschland finden sich auch die Hochlohnländer Schweiz und Schweden in der Spitzengruppe.

Deutschland schneidet besonders gut – besser als Bayern – im Bereich Infrastruktur ab: „Zwar punktet der Freistaat gegenüber Deutschland mit einer besseren Internetversorgung sowie leistungsfähigeren Logistiksystemen und einer höheren Lebenserwartung“, heißt es in der Studie. Aber in Deutschland sei der Zugang zu Flug- und Schiffshäfen insgesamt besser als in Bayern. Auch die Bereiche Staat und Wissen seien besondere Standortvorteile der Bundesrepublik – also Ordnungsrahmen und Bürokratie einerseits sowie Bildungssystem, Fachkräftenachwuchs und Innovationsumfeld andererseits.

Standortnachteile haben demnach sowohl Bayern als auch Deutschland bei der Kostenentwicklung. Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer des vbw, sieht darin einen massiven Nachteil für Bayern. „Hohe Steuern und Arbeitskosten belasten unseren Standort.“

Die Bewertung der Wettbewerbsintensität ergibt ein ganz anderes Bild. Danach ist China der härteste Wettbwerber Bayerns gefolgt von Kanada, Mexiko, den USA und Japan. In dieser Kategorie wurde gemessen, wie aktiv die einzelnen Länder auf den wichtigsten Exportmärkten Bayerns sind. Als besonders harte Konkurrenten gelten die USA, Kanada und Japan, weil diese Länder im Gegensatz zu China und Mexiko auch eine hohe Standortqualität aufweisen.

Gewinner USA, die 2018 noch auf Platz drei lagen, punktet dieses Jahr vor allem mit der günstigen Entwicklung des Kapitalmarkts, was wohl eher nicht auf die Politik von US-Präsident Donald Trump zurückgeht. Die US-Unternehmen profitierten zwar kurzfristig durchaus von der Unternehmenssteuerreform. Auch hätten sich in den USA in den vergangenen Jahren „Innovationsumfeld und Humankapital“ verbessert. „Doch das ist kein Verdienst Trumps“, sagte Brossardt. „Langfristig wirkt sich die Politik des Protektionismus negativ auf den Aspekt der Offenheit der Märkte aus.“

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