Bargeld in Krisenzeiten

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 Kassenlade mit Bargeld: Von Banknoten und Münzen geht Virologen zufolge keine Gefahr aus.
Kassenlade mit Bargeld: Von Banknoten und Münzen geht Virologen zufolge keine Gefahr aus. (Foto: Daniel Reinhardt/dpa)
Deutsche Presse-Agentur
Friederike Marx und Jörn Bender

Die Tresore der Deutschen Bundesbank sind prall gefüllt – die Versorgung der Menschen mit Scheinen und Münzen ist nach Angaben der Notenbank auch in der Coronavirus-Krise gesichert. „Das Bargeld wird in Deutschland nicht ausgehen“, sagte Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann am Dienstag in Frankfurt. „Wir haben mehr Scheine gedruckt als gebraucht werden. Die Logistik stimmt.“ Das gelte auch für den Fall, dass sich das Virus weiter ausbreite und zusätzliche Maßnahmen deswegen getroffen würden. Beermann betonte zugleich, von Scheinen und Münzen gehe kein besonderes Ansteckungsrisiko aus.

„Das auf dem Geldstück klebende Virus würde ich mal weitgehend vergessen“, sagte dazu der Virologe Christian Drosten in einem NDR-Podcast. Der Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité erläuterte, bei Corona- und Influenzaviren handele es sich um behüllte Viren. Diese seien gegen Eintrocknung „extrem empfindlich“.

Anders sei es bei Schnupfenviren, die unbehüllt seien und weniger empfindlich gegen Eintrocknung. Diese würden eher mit den Fingern in die Nase gebracht und könnten dort für Infektionen verantwortlich sein. Bei Coronaviren erfolge eine Infektion dagegen meist über den Rachen – „und wir stecken uns den Finger nicht in den Hals“, so Drosten.

Hauptübertragungsweg des Coronavirus seien Tröpfcheninfektionen durch Husten, Niesen, aber auch Sprechen, ergänzte der Infektiologe und Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes, René Gottschalk. Wenn das Virus über Geldscheine oder beispielsweise Lappen übertragen würde, wären die Fallzahlen höher. „Über Geldscheine geht keine Gefahr aus. Ich würde auch keinen Tisch unter Quarantäne stellen“, sagte der Experte. Für Münzen gelte das ohnehin. „Metallische Oberflächen mag das Virus nicht“, erklärte Gottschalk.

Beermann wies darauf hin, dass die häufig verwendeten 10- und 20-Euro-Scheine mit einem Lack gegen Verschmutzung versehen seien. Grundsätzlich würden verschmutzte oder beschädigte Banknoten ausgetauscht.

Die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) hatte bereits versichert, die Bevölkerung könne darauf vertrauen, dass sie „mit Bankdienstleistungen wie gewohnt versorgt wird“: Der Zahlungsverkehr mit allen Bezahlmöglichkeiten werde unverändert aufrecht gehalten, Geldautomaten würden ausreichend mit Bargeld bestückt. Die Bankmitarbeiter sollen für ihre Kunden weiter erreichbar seien – gegebenenfalls im Home-Office.

Die Präsidentin des Bankenverbandes BVR, Marija Kolak, versicherte am Dienstag: „Da können wir auch als DK-Federführer bestätigen, dass alle Banken flächendeckend die Bargeldversorgung bereitstellen. Da muss sich keiner Sorgen machen.“ Auch im Fall der zeitweisen Schließung einzelner Filialen wegen des Coronavirus werde „überall eine adäquate Präsenz sichergestellt“, sagte Kolak.

Die Commerzbank teilte mit, alle Bankdienstleistungen seien trotz der Corona-Krise weiterhin rund um die Uhr verfügbar. Die Selbstbedienungszonen seien an allen etwa 1000 Standorten des Instituts in Deutschland geöffnet. Ein Teil der Filialen werden zwar vorsorglich für den persönlichen Kundenverkehr geschlossen. Berater in diesen Filialen seien aber weiterhin telefonisch oder per E-Mail erreichbar. Welche Filialen für den Kundenverkehr geöffnet sind, darüber informiert die Commerzbank auf ihrer Internetseite.

Die Hypovereinsbank (HVB) hatte am Montag mitgeteilt, knapp ein Drittel (101) ihrer bundesweit 337 Filialen vorübergehend zu schließen. Um Kunden in allen Regionen Deutschlands weiterhin persönlich beraten zu können, will die HVB die Filialen im wöchentlichen Rhythmus wechselweise öffnen.

Im Schnitt nutzen die Menschen Bargeld im Euroraum 1,2 Mal täglich, wie Beermann unter Verweis auf Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) berichtete. Allerdings zahlen auch die Verbraucher in Deutschland inzwischen häufiger ohne Scheine und Münzen. Im Jahr 2018 gaben sie im stationären Einzelhandel einer Untersuchung des Handelsforschungsinstituts EHI zufolge erstmals mehr Geld per Giro- und Kreditkarte aus als in bar. Drei Viertel aller Einkäufe im Handel werden demnach allerdings weiterhin bar beglichen.

Der Infektiologe Gottschalk sieht auch in der aktuellen Viruskrise keinen Grund, sich von Schein und Münze fernzuhalten: „Ich ziehe das Bargeld vor und ich werde es auch nicht ändern.“

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