Bald gibt es Internet in allen Fernzügen

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 Ein Intercity 2 der Deutschen Bahn im Hauptbahnhof in Stuttgart: Bis Ende 2021 sollen alle IC-Züge für insgesamt 30 Millionen E
Ein Intercity 2 der Deutschen Bahn im Hauptbahnhof in Stuttgart: Bis Ende 2021 sollen alle IC-Züge für insgesamt 30 Millionen Euro mit der gleichen Internet-Technik ausgerüstet werden. (Foto: dpa)

Bald werden auch die Bahnfahrer im Intercity während der Fahrt kostenlos im Internet surfen können. Die ersten testweise umgerüsteten Wagen der Deutschen Bahn (DB) sind bereits seit Mitte März unterwegs. Insgesamt werden in den kommenden drei Jahren 1000 Intercity-Wagen umgerüstet. „WLAN steht auf der Wunschliste unserer Kunden ganz oben“, sagt der zuständige Bahnvorstand Berthold Huber. Dafür nehme die Bahn nun 30 Millionen Euro in die Hand.

„Ab Ende 2021 wird es in allen DB-Fernverkehrszügen WLAN geben, ohne jede Ausnahme“, verspricht der Vorstand. Die verwendete Technik entspricht der im ICE eingesetzten. Bei der sogenannten Multiprovider-Technik werden die Funkkapazitäten der drei großen Netzbetreiber gebündelt. Die Daten werden über die jeweils gerade vorhandenen Netze gesendet. Dadurch können die Fahrgäste vergleichsweise schnelle Internetzugänge nutzen.

Auch Unterhaltungsangebote wie im ICE sind vorgesehen. Über ein bahneigenes Entertainmentportal sind Nachrichten, Hörbücher, Spiele oder Filme abrufbar. Start für den Umbau ist in diesem Sommer bei den Zügen des Intercity 1. Bei den 70 Doppelstockzügen des Intercity 2 geht die Umrüstung Anfang nächsten Jahres los. Die ältere erste Flotte wird zudem bereits seit dem vergangenen Jahr renoviert. Neue Sitzbezüge und Polster sowie sanierte Toiletten sollen die Waggons wieder auf einen modernen Stand bringen.

Modernisierungsoffensive

Unterdessen geht auch die Debatte um die Modernisierung des maroden Schienennetzes weiter. In Rede steht ein Betrag von 50 Milliarden Euro für die kommenden zehn Jahre. Entschieden ist aber noch nichts, da die Verhandlungen über die sogenannte Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung (LUV) zwischen Bund und Bahn noch nicht abgeschlossen sind. Die letzte LUV sah jährliche Ausgaben des Bundes von vier Milliarden Euro vor. Es käme also noch einmal eine Milliarden Euro oben drauf. Der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Alexander Kirchner, hält diese Summe für zu wenig. Die Bundesregierung habe über Jahre hinweg viel zu wenig investiert. „Das Netz ist mittlerweile so marode, dass 50 Milliarden Euro nicht ausreichen werden“, sagt er,

Die EVG warnt zudem vor einer kleinen Falle bei dem auf zehn Jahre angelegten Finanzierungsplan. Es gebe damit zwar eine langfristige Planungssicherheit. Doch würden Preissteigerungen am Bau nicht berücksichtigt. „Am Ende steht wieder weniger Geld als unbedingt notwendig zur Verfügung“, warnt Kirchner und fordert mehr Geld für das Schienennetz. Es brauche jetzt den großen Wurf für ein leistungsfähigeres Netz.

Für die Deutsche Bahn beginnt eine spannende Woche. Am Mittwoch tagt der Aufsichtsrat des Konzerns. Dabei geht es unter anderem um die Finanzierung der anstehenden Investitionen. In diesem Jahr braucht die Bahn noch zwei Milliarden Euro zusätzlich dafür. Das Geld könnte durch den Verkauf der britischen Tochter Arriva kommen. Ob der Aufsichtsrat dazu schon eine Entscheidung treffen wird, ist ungewiss. Dem Vernehmen nach wird der Vorstand nur aufgefordert, mögliche Szenarien für einen kompletten oder teilweisen Verkauf der Anteile zu entwerfen.

Personalquerelen

Ein zweites wichtiges Thema hat es erst gar nicht auf die Tagesordnung der Kontrolleure geschafft. Vorstandschef Richard Lutz will den Vorstand des Konzerns von sechs auf acht Ressorts erweitern. Damit soll sich ein Vorstand allein um die kränkelnde Gütersparte kümmern, ein anderer ausschließlich um den Nahverkehr. Derzeit sind die Vorstände jeweils für mehrere Sparten zuständig. Im Gegenzug will Lutz Manager der zweiten Ebene einsparen und damit eine kostenneutrale Umstrukturierung erreichen.

Doch der Bahnchef wird vom Aufsichtsrat ausgebremst. Dort gibt es Streit um die Besetzung des Postens für den Regionalverkehr. Lutz würde dafür gerne die aus Österreich stammende Managerin Evelyn Palla einsetzen, die SPD-Vertreter im Aufsichtsrat wollen dagegen die Berliner BVG-Chefin Sigrid Nikutta durchsetzen, die schon einmal bei der Bewerbung um einen Führungsposten bei der Bahn abgeblitzt ist. Nun wurde das Thema erst einmal vertagt.

Am Donnerstag legt Lutz schließlich noch die Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahres vor. Sie dürfte gemischt ausfallen. Einerseits konnte das Unternehmen einen neuerlichen Fahrgastrekord verzeichnen. Andererseits ist die Verschuldung mit rund 20 Milliarden Euro nahe der gesetzlichen Obergrenze angelangt und die Pünktlichkeitsstatistik für 2018 miserabel ausgefallen.

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