Arcandor zieht Prognose zurück

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Deutsche Presse-Agentur

Angesichts der Finanz-und Wirtschaftskrise hat der Handels-und Tourismuskonzern Arcandor seine Prognose für das laufende Jahr zurückgezogen.

Vorstandschef Thomas Middelhoff hatte noch Ende vergangenen Jahres für das Geschäftsjahr 2008/2009 (30. September) ein Ergebnis im operativen Geschäft (EBITDA) von 1,1 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

Vor dem aktuellen Hintergrund sei eine Prognose derzeit weder „sinnvoll“ noch „seriös“, sagte Middelhoff am Donnerstag bei der Vorlage der Quartalszahlern in Düsseldorf. „Keiner von uns kann vorhersagen, was nächste oder übernächste Woche passiert“, sagte er. Nach fast vier Jahren im Amt an der Spitze des Essener Konzerns zog der Manager eine gemischte Bilanz.

„Nicht alles, was wir erhofft haben, konnten wir auch erreichen“, sagte er. Er könne das Unternehmen seinem Nachfolger, dem ehemaligen Telekom-Finanzchef Karl-Gerhard Eick, „nicht besenrein“ übergeben. Im Vergleich zum Zeitpunkt seines Amtsantritts im Geschäftsjahr 2004/2005 sei der Konzern nun jedoch „wohlgeordnet und aufgeräumt“. Eick soll seinen Posten bei Arcandor am 1. März antreten.

Im operativen Geschäft (EBITDA) erwirtschaftete der Konzern in den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres ein um 18 Prozent auf 180 Millionen Euro erhöhtes Ergebnis. Vor Steuern und Zinsen (EBIT) rutsche das Unternehmen mit 19 Millionen Euro in die Verlustzone. Unterm Strich lag das Minus unter anderem durch Restrukturierungsaufwendungen bei den Konzerntöchtern Tourismus (Thomas Cook) und Versandhandel (Primondo) bei 58 Millionen Euro und damit um 20 Millionen Euro höher als noch im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der bereinigte Konzernumsatz erhöhte sich im ersten Quartal leicht um 1,1 Prozent auf 4,79 Milliarden Euro.

Middelhoff bescheinigte der Warenhaustochter Karstadt nach hohen Verlusten in der Vergangenheit im wichtigen Weihnachtsgeschäft eine Trendumkehr. Vor allem in den Bereichen Mode und Sport hätten die Umsätze gesteigert werden können. Von den Ende vergangenen Jahres umgesetzten Kostensenkungsmaßnahmen seien künftig noch weitere positive Auswirkungen zu erwarten. Das Unternehmen hatte im vergangenen Herbst angekündigt, durch Abstriche bei den Personalkosten innerhalb von drei Jahren insgesamt 345 Millionen Euro einsparen zu wollen. Dazu sollen die Gehälter um rund zehn Prozent gekürzt werden.

Gut zwei Wochen vor seinem Ausscheiden bei Arcandor wollte Middelhoff noch keine konkreten Angaben über seine berufliche Zukunft machen. Als Berater werde er auch künftig für die Arcandor- Großaktionärin Madeleine Schickedanz und die Bank Sal. Oppenheim tätig sein, hieß es.

[Arcandor-Zentrale]: Theodor-Althoff-Straße 2, Essen

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