Apothekensterben im Südwesten hält an

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 Rezeptsammelstelle in Longkamp in Rheinland-Pfalz: Im Südwesten wurden bisher mehr als 100 solche Stellen eingerichtet. Ein Aut
Rezeptsammelstelle in Longkamp in Rheinland-Pfalz: Im Südwesten wurden bisher mehr als 100 solche Stellen eingerichtet. Ein Automat scannt das Rezept beim Einführen und überträgt es an die nächstgelegene Apotheke. Von dort werden die Medikamente an die Patienten ausgefahren. (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur

Obwohl immer mehr Apotheken in Baden-Württemberg verschwinden, ist die Versorgung laut Apothekerkammer und Verband noch gewährleistet. „Wir haben noch ausreichend Apotheken in Baden-Württemberg, auch wenn die Zahl dramatisch zurückgeht“, sagte der Präsident der Landesapothekerkammer Günther Hanke am Wochenende. „Die Struktur ist da durch die Apothekendichte, die wir noch haben“, pflichtet ihm ein Sprecher des Landesapothekerverbands bei.

Ende 2018 gab es in Baden-Württemberg noch rund 2450 Apotheken – 56 weniger als ein Jahr zuvor und 350 weniger als noch vor gut einem Jahrzehnt. Bundesweit war der Rückgang so stark wie noch nie. Ein Grund: Wo der Arzt fehlt, überlebt auch keine Apotheke. „Die Strukturen verändern sich überall, egal ob in der Innenstadt oder in Randlagen“, sagt Hanke.

Darüber hinaus sinke die Rendite der Apotheker dramatisch, so Hanke. Die Preise ihrer Haupteinnahmequelle haben sich seit Jahren nicht verändert. „Der Festbetrag für rezeptpflichtige Medikamente, mit denen Apotheken 80 Prozent ihrer Umsätze machen, liegt seit Jahren bei 8,35 Euro“, klagt der Präsident der Apothekerkammer.

Gleichzeitig drückt die Konkurrenz der Versandhandelsapotheken. Ein Verbot des Versandhandels von rezeptpflichtigen Medikamenten hatte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im vergangenen Jahr abgebügelt.

Immer mehr Apotheker bieten deshalb Botendienste an. Rund 70 bis 80 Prozent der Apotheken in Baden-Württemberg liefern nach den Worten von Hanke Medikamente an ihre Kunden aus.

Die Versorgung an abgelegenen Orten versucht man unterdessen mit Rezeptsammelstellen aufrechtzuerhalten. In Baden-Württemberg wurden inzwischen mehr als 100 Stellen eingerichtet, wo umliegende Apotheken die Verordnungen einsammeln und bearbeiten. Voraussetzung ist, dass es in einem bestimmten Abstand keine Apotheke mehr gibt. Doch der personelle Aufwand für solche Sammelstellen sei sehr hoch, so Hanke.

Denn die Medikamente dürften nur von pharmazeutischem Fachpersonal übergeben werden, wenn die Kunden nicht zuvor bereits beraten wurden, so der Präsident der Apothekerkammer. Die Beratung müsse also entweder bei der Übergabe der Medikamente zu Hause oder in der Apotheke stattfinden.

In Hüffenhardt bei Heilbronn, wo es keine Apotheke, sondern nur noch eine Rezeptsammelstelle gibt, versucht der Versandhändler DocMorris seit drei Jahren eine Alternative in Form eines Arzneimittelautomaten zu etablieren. Der Fall beschäftigt inzwischen verschiedene Gerichte.

Das zuständige Regierungspräsidium hatte den Automaten verboten, weil die Abgabe von Arzneimitteln vor Ort in Deutschland nur in Apotheken erlaubt ist. DocMorris legte zwar Klage vor dem Verwaltungsgericht in Karlsruhe ein, doch das wies diese in der vergangenen Woche zurück.

Eine weitere Entscheidung steht am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe an. Der Landesapothekerverband war zusammen mit drei Apothekern vor das Landgericht Mosbach gezogen, weil er Wettbewerbsrecht verletzt sah. Das Gericht gab ihnen recht, doch DocMorris ging in Berufung. Die Landesapothekerkammer hält den Automaten nicht nur für illegal – sondern auch für gefährlich: „Arzneimittel sind keine Smarties“, sagt Hanke. Er befürchtet auch, dass die Versorgungslage auf dem Land mit solchen Automaten nicht besser würde.

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