Ansteckende Währungskrise in der Türkei

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Aktueller Währungskurs auf Leuchttafeln: Während die türkische Lira ein neues Rekordtief nur knapp verpasste, rutschte die Währu
Aktueller Währungskurs auf Leuchttafeln: Während die türkische Lira ein neues Rekordtief nur knapp verpasste, rutschte die Währung Argentiniens auf ein Allzeittief. (Foto: Natacha Pisarenko)
Mischa Ehrhardt

Der Abwärtsrutsch vieler Währungen aus Schwellenländern hat sich in dieser Woche verstärkt und zieht immer weitere Kreise. Nach der Türkei ist vor allem die Währung Argentiniens in den freien Fall geraten. Der argentinische Peso fiel gegenüber dem Dollar auf Rekordtief. Das sehen Finanzmarktbeobachter mit einiger Sorge: „Die Türkei und Argentinien werden mehr und mehr als Spitze eines Eisbergs wahrgenommen“, sagte etwa der Chefvolkswirt der Deka Bank, Ulrich Kater.

Die argentinische Notenbank hat versucht, den Verfall des Peso mit einer saftigen Zinserhöhung aufzuhalten: Sie erhöhte ihren Leitsatz zur Geldversorgung der Geschäftsbanken auf sage und schreibe 60 Prozent. Zuvor waren es „nur“ 45 Prozent. Allerdings blieb der erhoffte Effekt aus: Der Peso setzte seine Talfahrt zum Ende der Woche fort.

Auf Grund des Verfalls des argentinischen Peso hat die Regierung in Buenos Aires den Internationalen Währungsfonds um Hilfe gebeten. Der IWF prüft nun eine vorzeitige Auszahlung milliardenschwerer Finanzhilfen für das Land. Unterdessen äußern sich mehr und mehr Ökonomen besorgt, dass die aktuelle Krise – ausgehend von der Türkei und Argentinien – weitere Kreise ziehen könnte.

„Ich spreche aus der Position des zunehmend Besorgten“, äußerte sich auch der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Volker Treier. „Es gibt Ansteckungseffekte.“ In den Abwärtssog geraten nämlich zunehmend auch die Währungen anderer Schwellenländer: So fiel auch die indische Rupie auf ein Allzeittief gegenüber dem US-Dollar. Auch der südafrikanische Rand hat sich in den vergangenen Tagen in Richtung eines neuen Rekordtiefs bewegt. Auch Indonesien steht mit seiner Rupiah unter Druck. Dort allerdings hat die Zentralbank reagiert: Sie habe am Freitag massiv am Devisen- und Anleihenmarkt interveniert, nachdem die Währung des Landes auf den tiefsten Stand seit 2015 gefallen war.

Ausgegangen waren die Turbulenzen vom fortwährenden Verfall der türkischen Lira. Die hat sich zwar im Gegensatz zu vielen anderen Schwellenländer-Währungen am Ende der Woche wieder etwas stabilisiert. Sie ist aber nicht weit von ihrem Allzeittief entfernt. Wirtschaftlich sehen die meisten Beobachter die Türkei zwar als zu klein an, um ein ökonomisches Beben zu verursachen. Die Gemengelage allerdings könnte zu einem Umschwung führen. „Kritisch könnte im Fall einer Krisenverschärfung in der Türkei das Risiko eines anhaltenden und wenig differenzierten Stimmungsumschwungs sein“, meint der Chefvolkswirt der DZ-Bank, Stefan Bielmeier.

Im Fall der Türkei sind viele der Probleme, die auf der Währung bereits seit Monaten lasten, hausgemacht: Das autoritäre System des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan lässt das Vertrauen von Investoren in das Land bröckeln. Seit Jahresbeginn hat die Währung rund 44 Prozent ihres Wertes verloren; die Inflation liegt bei rund 16 Prozent und verteuert das Leben der Menschen in der Türkei. Die meisten Ökonomen halten deutliche Zinserhöhungen in dem Land für notwendig. Dagegen allerdings sträubt sich Erdogan, weil das die Konjunktur seines Landes bremsen und seiner Popularität schaden könnte.

Industrieländer attraktiver

Auf der anderen Seite macht neben der Türkei auch den anderen Schwellenländern zu schaffen, dass in den USA die Zinsen wieder ansteigen. Notenbankchef Jerome Powell hat vor wenigen Tagen klargemacht, dass er sich vom eingeschlagenen Kurs steigender Leitzinsen nicht abhalten lassen will. In den vergangenen Jahren waren Investitionen gerade in Schwellenländern äußerst attraktiv, weil sie im Gegensatz zu Nullzins-Regionen wie Europa, Japan und den USA lukrative Zinsen boten. Nun wendet sich das Blatt – die Geldströme fließen in die USA zurück.

Und destabilisieren die Währungen in den Schwellenländern. Da aus Sicht vieler Ökonomen vor allem die Türkei zu wenig gegen den Währungsverfall unternimmt, dürfte der Abwärtstrend in den Schwellenländern anhalten. Umgekehrt „dürften als sichere Häfen geltende Währungen weiter unter Aufwertungsdruck stehen“, meint Esther Reichelt von der Commerzbank. Das schließlich könnte – neben einem allgemeinen Stimmungsumschwung an den Finanzmärkten – dann auch erste Folge der Krise vieler Schwellenländer-Währungen hierzulande sein. Denn ein steigender Euro erschwert grundsätzlich Exporteuren das Leben.

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