An der Frontlinie im Handelskrieg: BMW eröffnet neues Werk in Mexiko

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 Luftaufnahme des neuen BMW-Werks im mexikanischen San Luis Potosi
Luftaufnahme des neuen BMW-Werks im mexikanischen San Luis Potosí: Der neue Standort soll über eine stattliche Jahreskapazität von 150 000 Fahrzeugen verfügen. Gebaut wird zunächst ausschließlich der neue 3er überwiegend für den US-amerikanischen Markt. (Foto: OH)
Deutsche Presse-Agentur
Andrea Sosa Cabrios und Denis Düttmann und Ralf Müller

In San Luis Potosí in Zentralmexiko laufen gerade die letzten Vorbereitungen für die Eröffnung des neuen BMW-Werkes, als die Hiobsbotschaft aus Washington eintrifft: Weil Mexiko angeblich nicht genug gegen die illegale Migration tut, droht US-Präsident Donald Trump mit Strafzöllen auf alle Importe aus dem südlichen Nachbarland. Los gehen soll es mit einer fünfprozentigen Sonderabgabe. Sollte Mexiko nicht einlenken, könnten die Sonderzölle bis Oktober auf 25 Prozent steigen. „Mexiko hat die Vereinigten Staaten über Jahrzehnte ausgenutzt“, meint Trump.

Mexiko ist ein strategischer Knotenpunkt für die Automobilindustrie: Das Land liegt genau neben dem Großkunden USA, verfügt über eine geografische Schlüssellage, eine etablierte Zuliefererkette, niedrige Löhne sowie Freihandelsabkommen mit mehr als 40 Staaten. Viele ausländische Unternehmen investieren hier, zum Beispiel Volkswagen, Daimler, Toyota und General Motors.

BMW eröffnet an diesem Donnerstag sein neues Werk für die 3er-Serie in San Luis Potosí. 2014 hatten die Münchner die Investitionspläne im Volumen von einer Milliarde Euro bekannt gegeben. Damals war die handelspolitische Welt noch in Ordnung. Niemand dachte an einen wütenden US-Präsidenten, der mit Strafzöllen um sich wirft. Vielmehr hatte man die Vorteile des Automobilstandorts Mexiko vor Augen. Doch das war einmal.

Von dem Säbelrasseln aus dem Weißen Haus sind die Münchner verständlicherweise nicht begeistert. „Die BMW Group steht für weltweiten Freihandel: Wir verfügen als Unternehmen über ein weltweites Produktionsnetzwerk und einen globalen Absatzmarkt. Zudem nutzen wir die globalen Einkaufsmärkte“, heißt es in einer Mitteilung. Barrierefreier Marktzugang sei nicht nur für BMW entscheidend, „sondern auch für das Wachstum, den Wohlstand und die Beschäftigung in der gesamten globalen Wirtschaft“.

Am Mittwoch wollten der mexikanische Außenminister Marcelo Ebrard und sein US-Kollege Mike Pompeo im Washington zusammenkommen, um nach einer Lösung zu suchen. Ebrard betonte die Dialogbereitschaft seines Landes, stellte aber auch klar: „Wir werden Mexikos Würde verteidigen.“

Aus Sicht der mexikanischen Regierung wären die angedrohten Strafzölle kontraproduktiv. „Wenn die bedauernswerten Zölle wirklich verhängt werden, dürften die Migrationsströme noch zunehmen und beide Volkswirtschaften wären weniger wettbewerbsfähig“, hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums.

Eiskalt erwischt

Trumps neues Drohgebaren hat die mexikanische Autoindustrie eiskalt erwischt. Nach zwei Jahren Stress wegen der Neuverhandlung des Nafta-Abkommens von 1994, das nun durch das neue Freihandelsabkommen USMCA (USA-Mexiko-Kanada-Abkommen) ersetzt werden soll, hatte sich in der Branche gerade wieder ein wenig Optimismus breitgemacht. Kürzlich nahm Trump die im Frühjahr 2018 verhängten Sonderzölle auf Stahl- und Aluminium zurück. Trump stellte Mexiko gar einen Freibrief aus, dem zufolge die Autoimporte bis zu einer gewissen Grenze von möglichen künftigen Zöllen ausgenommen sein sollten.

Der US-Präsident stört sich daran, dass die Handelsbilanz der Vereinigten Staaten seit Jahren im Minus ist. Er sieht den enormen negativen Saldo als Folge der Politik anderer Länder, die aus seiner Sicht mit unfairen Methoden ihre Exportindustrien fördern. Seine Entscheidung über angedrohte Sonderzölle auf Autoeinfuhren aus der Europäischen Union und Japan hatte Trump Mitte Mai für ein halbes Jahr aufgeschoben. Gelingt bis November kein Kompromiss, wären besonders die deutschen Hersteller davon betroffen. Sie haben einen großen Anteil an den EU-Exporten in die USA.

Branchenexperten gingen davon aus, dass der Handelskrieg zwischen den USA und China sich zugunsten Mexikos auswirken könnte, vor allem bei der Produktion von Autoteilen. „Andere Länder, vor allem aus Asien, sind sehr daran interessiert, zu investieren“, sagte Roberto Russilde, Wirtschaftsbeauftragter des nördlichen Bundesstaates Nuevo León. Auch Eduardo Solís, Präsident der mexikanischen Vereinigung der Automobilindustrie (AMIA),war optimistisch: „Das Wichtige ist, dass Mexiko weiter wächst, das Wichtige ist, dass Mexiko weiter Investitionen anzieht.“

Doch Trump hat anderes im Sinn. Er sieht sich als Retter der einst stolzen amerikanischen Autoindustrie. „Wenn sie keine Zölle zahlen wollen, werden die Firmen, die 30 Prozent unserer Autoindustrie genommen haben, Mexiko verlassen und zurück in die USA kommen“, schreibt der US-Präsident auf Twitter.

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