An den Flughäfen gibt es den ersten Arbeitskampf des Jahres 2019

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Streikende Fahrer von Geldtransportern: Im Tarifstreit einigten sich die Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste und d
Streikende Fahrer von Geldtransportern: Im Tarifstreit einigten sich die Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste und die Gewerkschaft Verdi am Freitag auf Lohnerhöhungen von bis zu 17,15 Prozent. (Foto: Imago)
Deutsche Presse-Agentur
Christian Ebner

Im Jahr 2019 werden die Gehälter und Arbeitsbedingungen für rund 7,3 Millionen Beschäftigte neu ausgehandelt. Das sind nach Erhebungen der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung deutlich weniger als im Vorjahr mit 9,7 Millionen, ohne Arbeitskämpfe wird es aber dennoch kaum abgehen. Wegen noch ungelöster Tarifstreits aus dem Vorjahr wird es voraussichtlich bereits im Januar an den Flughäfen zu Streiks mit größeren Auswirkungen für Reisende kommen.

Gestaffelt nach dem Ende der unterschiedlich langen Weihnachtsferien in den Bundesländern drohen Streiks der Personen- und Gepäckkontrolleure, die schon in der Vergangenheit wiederholt den Luftverkehr stark behindert haben. Die Gewerkschaft Verdi verlangt mit 20 Euro Stundenlohn deutlich höhere und bundesweit einheitliche Gehälter, ist mit den Arbeitgebern bislang aber nicht zu einem Ergebnis gekommen. Die wollen die noch sehr unterschiedlichen Löhne in Ost und West über einen Fünfjahreszeitraum anpassen. Verhandelt wird erst wieder am 23. Januar in Berlin, nachdem die Friedenspflicht zur Jahreswende ausgelaufen ist. Die Folge: An „vielen Flughäfen“ wird es laut Verdi-Drohung nach Ferienende Warnstreiks geben. An den Berliner Flughäfen kündigte die Gewerkschaft bereits für Montag Ausstände an.

Noch einen Monat länger herrscht Frieden in der Stahlindustrie, für deren rund 93 000 Beschäftigte die IG Metall nicht nur 6,0 Prozent mehr Geld verlangt hat. Dazu kommt ein tarifdynamisches Urlaubsgeld von 1800 Euro, das die Beschäftigten wahlweise auch als freie Zeit von etwa sechs zusätzlichen Urlaubstagen in Anspruch nehmen könnten. Die ersten Verhandlungen sind im Westen für den 10. Januar angesetzt, für den Osten wird vom 28. Januar an verhandelt.

Mit der Forderung nach einer Freizeitoption liegen die Stahlkocher voll in einem Trend, den die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) bereits in der Tarifrunde 2016 eröffnet hat. Aus Sicht der Arbeitgeber droht eine Verschärfung des Fachkräftemangels. Auch bei den neuerlichen Verhandlungen mit der Deutschen Bahn AG hat die EVG im Dezember eine Wahloption festgeschrieben: Die Beschäftigten können von 2021 an zwischen einer kürzeren Wochenarbeitszeit, sechs zusätzlichen freien Tagen oder der zweiten Tarifstufe von 2,6 Prozent mehr Geld wählen. Die kleinere Bahngewerkschaft GDL hat das Modell am Freitag übernommen, so dass Bahn und ihre Kunden nun bis einschließlich Februar 2021 keine Streiks des Personals mehr fürchten müssen.

Bei der einst streikgeprüften Lufthansa herrscht ebenfalls weiterhin Tariffrieden. Die Verträge der Piloten von der Vereinigung Cockpit (VC) haben beim Mutterkonzern eine Laufzeit bis 2022 und bei der Tochter Eurowings bis 2021. Mitte 2019 läuft der Tarifvertrag der Lufthansa-Flugbegleiter aus, deren Gewerkschaft Ufo sich derzeit aber mit internen Machtkämpfen selbst geschwächt hat. Beim Billigflieger Ryanair haben Verdi für die Flugbegleiter und die VC für die Piloten zumindest Eckpunkte festgezurrt, die nun in konkrete, längerfristige Tarifverträge ausgearbeitet werden.

Die bislang bekannten Lohnforderungen für das neue Jahr liegen zwischen 5,5 Prozent (Textil) und 6,5 Prozent (Nahrung-Genuss-Gaststätten). In der jüngeren Vergangenheit haben die Gewerkschaften ihre mit der gestiegenen Inflation begründeten Forderungen oft durchsetzen können, wie Hagen Lesch vom arbeitgebernahen Institut der Wirtschaft (IW) analysiert. Mittelfristig könnten die hochgeschraubten Tarifforderungen jedoch zu Problemen führen, warnt Lesch. Denn die Konjunktur schwäche sich ab.

Trotz sinkender Tarifbindung wird immer noch die Mehrzahl der Arbeitsverhältnisse von den Abkommen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern beeinflusst. Dem IAB-Betriebspanel 2017 zufolge arbeiten 55 Prozent in Betrieben, die an Flächen- oder Haustarife gebunden sind. Bei knapp der Hälfte der übrigen Beschäftigten orientiert sich das Unternehmen an bestehenden Tarifverträgen, so dass unter dem Strich mindestens drei von vier Beschäftigten in Deutschland nach Tarif oder nahe dran bezahlt werden.

Viele Beschäftigte im Handel

Für besonders viele Menschen verhandelt in diesem Jahr die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die neben dem Öffentlichen Dienst der Länder in zahlreichen regionalen Runden Beschäftigte im Einzelhandel sowie im Groß- und Außenhandel vertritt. Allein bei den Ländern geht es um 2,3 Millionen Beschäftigte, weil die angestrebte Lösung für die Angestellten im Nachhinein stets auf die 1,2 Millionen Beamten von Ländern und Kommunen übertragen wird sowie darüber hinaus auch auf etwa eine Million Pensionäre. Die Tarifrunden im Handel betreffen laut Böckler-Zählung fast 2,5 Millionen Beschäftigte. Nahezu eine Million Beschäftigte sind in der Branche der Zeitarbeit vertreten, für die eine Tarifgemeinschaft der DGB-Gewerkschaften gegen Jahresende mit den Arbeitgeberverbänden BAP und iGZ verhandelt.

Im Tarifjahr 2019 fehlen die industriellen Schwergewichte Bau sowie Metall und Elektro. Auch in den deutschen Kernindustrien wie Auto oder Maschinenbau hat die IG Metall erste Möglichkeiten zu individueller Arbeitszeitverkürzung verankert und will sie im Tarifjahr 2020 weiterverfolgen. Vorher hat die IG BCE das Thema auf die Agenda ihrer Verhandlungen für die Chemie-Beschäftigten gesetzt, deren Verträge im Schlussquartal 2019 auslaufen.

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