Am Puls der Weltwirtschaft

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Hoch hinaus: Die Unternehmer Anton Sailer, Dieter Lämmle und Konstantin Rau (von links) aus Rot an der Rot können sich vor Auftr
Hoch hinaus: Die Unternehmer Anton Sailer, Dieter Lämmle und Konstantin Rau (von links) aus Rot an der Rot können sich vor Aufträgen kaum retten. (Foto: Felix Kästle)
Deutsche Presse-Agentur
Thomas Burmeister

Der Siegeszug der Holzpalette

Der Siegeszug der Holzpalette begann in den 1920er-Jahren mit den ersten Gabelstaplern in den USA. Im Zweiten Weltkrieg setzte die US-Armee Transportbretter für den Materialnachschub ein. Von 1943 an wurden sie unter dem Begriff „pallet“ standardisiert.

In Europa ergriffen Eisenbahngesellschaften die Initiative, Standardpaletten zu etablieren. Sie wollten die Logistik optimieren und sich Vorteile im Wettbewerb im Vergleich mit dem Güterverkehr auf der Straße verschaffen. Schweden organisierte 1947 den Austausch von Paletten über einen nationalen Pool, die Bahnen in der Schweiz und Deutschland folgten dem Beispiel.

1960 wurde ein Europäischer Palettenpool gegründet. Man einigte sich 1961 auf eine tauschbare Europalette in den Maßen 1200×800×144 Millimeter, weitere Formate kamen hinzu. Die Standardisierung erwies sich als bedeutender Wachstumsfaktor für den Welthandel. Wurden in Deutschland 1970 etwa elf Millionen Holzpaletten in Umlauf gebracht, so waren es 2017 mehr als 110 Millionen.

Der 1991 geschaffenen European Pallet Association (EPAL) gehören mehr als 1500 Produktions- und Reparaturbetriebe in mehr als 30 Ländern an. Weltweit befinden sich Schätzungen zufolge mehr als 400 Millionen EPAL-genormte Europaletten im Umlauf. (dpa)

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Auf halbem Weg zwischen Ulm und dem Bodensee drängt sich die Frage geradezu auf: Alles paletti? Immerhin gibt es hier, im Örtchen Rot an der Rot (Landkreis Biberach), gleich drei bedeutende Hersteller von Paletten. Etwa 17 000 dieser hölzernen Transporthilfen werden pro Arbeitstag in der 4500-Seelen-Gemeinde zusammengenagelt, beinahe vier Prozent der deutschen Jahresproduktion. „Bei uns“, sagen die Palettenbauer, „spürt man den Puls der Weltwirtschaft.“

Gemeint ist das so: Sobald irgendwo etwas produziert wird, egal ob für den nächsten Supermarkt oder den Export nach China, muss es auch transportiert werden. „Paletten sind dafür meist unerlässlich“, sagt Dieter Lämmle (52), Chef der Lämmle Holzverarbeitung GmbH. „Deshalb gilt unsere Branche als Konjunkturbarometer, als Drehzahlmesser der Wirtschaft.“

Wie Lämmle sehen das auch Anton Sailer (49) und Konstantin Rau (57), die Chefs der GmbH Anton Sailer Palettenfabrik und Rau Palettenwerk. Ihre Vorfahren haben in dieser einst armen Region Bretter gesägt und Kisten in allen gewünschten Größen gebaut, für Butter, Gemüse oder Bier. Als in den 1920er-Jahren in Amerika ein Unternehmer namens Eugene Clark eine motorgetriebene Transportmaschine erfand, mögen sie vielleicht davon gehört haben. Aber es sollte noch Jahrzehnte dauern, bis auf den ersten Clark-Gabelstapler dazu passende „Transportbretter“ in einheitlichen Maßen folgten.

In Europa waren es Eisenbahngesellschaften, die – im Wettbewerb mit dem Gütertransport auf der Straße – die Entwicklung standardisierter Holzpaletten vorantrieben. 1961 war die Geburtsstunde der genormten Europalette gekommen – 1200 Millimeter lang, 800 Millimeter breit, 144 Millimeter hoch und zusammengehalten von 78 Spezialnägeln. Später kamen eine Reihe anderer genormter Paletten für verschiedene Transportbedürfnisse hinzu – von schweren Maschinen bis zu leichten Medikamenten. Allen ist ein enormer Vorteil im Vergleich mit dem alten Kisten- und Kartonsammelsurium eigen: Die Beladung von Waggons oder Lastwagen geht zigmal schneller.

Von Rot an der Rot nach Hawaii

Ein weiterer Vorteil ist die Tausch- und Wiederverwendbarkeit: Bekommt ein Supermarkt 20 Paletten mit Kaffee oder Wein, gibt er dem Spediteur 20 leere wieder mit. Wenn sie nicht gerade als Rohstoff für den individuellen Billigmöbelbau verwendet werden, bleiben sie noch eine ganze Weile im Wirtschaftskreislauf. Wobei nicht wenige in fernen Ecken der Welt landen. „Eine von unseren ist sogar am Strand von Hawaii fotografiert worden“, berichtet Rau. „Der Hersteller ist bei Markenpaletten immer an der Prägung erkennbar.“ Dass die Auftragsbücher der Palettenbauer voll sind, lässt sich angesichts der Konjunkturentwicklung ahnen. Alles paletti also in der Palettenindustrie? Die Antwort lautet: Ja und nein. „Sie sind nicht voll, sie sind übervoll, zum Bersten“, sagt Lämmle. „Wir kommen nicht mehr hinterher“, ergänzt Rau. Die Nachfrage von Handel und Industrie übersteige die Möglichkeiten der Hersteller. Neue Kunden könnten sie nicht mehr annehmen, berichten alle drei Unternehmer. „Früher haben wir unsere Stammkunden innerhalb von ein, zwei Tagen beliefert“, sagt Lämmle. „Heute müssen selbst die sich zwei bis drei Wochen gedulden.“

Personeller Engpass

Ähnliches berichten die meisten anderen der mehr als 400 im Bundesverband Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackungen (HPE) zusammengeschlossenen Betriebe. Um 7,3 Prozent ist 2017 die Palettenproduktion in den HPE-Betrieben gewachsen, auf zusammen 110 Millionen Stück. Die gesamte Branche setzte 2017 rund 2,3 Milliarden Euro um.

Doch wenn es derart brummt, warum gibt es dann in Rot an der Rot nach wie vor eine Schicht, warum nicht zwei? Das spontane Lachen von Lämmle, Rau und Sailer hat einen bitteren Unterton. „So gut wie unmöglich“, sagt Sailer. „Das zusätzliche Holz könnte man wohl noch durch Importe beschaffen, wenngleich auch das immer schwieriger wird. Aber wir würden nie die zusätzlich benötigten Arbeitskräfte bekommen. Bei uns hier im Süden herrscht praktisch Vollbeschäftigung.“

Der Siegeszug der Holzpalette

Der Siegeszug der Holzpalette begann in den 1920er-Jahren mit den ersten Gabelstaplern in den USA. Im Zweiten Weltkrieg setzte die US-Armee Transportbretter für den Materialnachschub ein. Von 1943 an wurden sie unter dem Begriff „pallet“ standardisiert.

In Europa ergriffen Eisenbahngesellschaften die Initiative, Standardpaletten zu etablieren. Sie wollten die Logistik optimieren und sich Vorteile im Wettbewerb im Vergleich mit dem Güterverkehr auf der Straße verschaffen. Schweden organisierte 1947 den Austausch von Paletten über einen nationalen Pool, die Bahnen in der Schweiz und Deutschland folgten dem Beispiel.

1960 wurde ein Europäischer Palettenpool gegründet. Man einigte sich 1961 auf eine tauschbare Europalette in den Maßen 1200×800×144 Millimeter, weitere Formate kamen hinzu. Die Standardisierung erwies sich als bedeutender Wachstumsfaktor für den Welthandel. Wurden in Deutschland 1970 etwa elf Millionen Holzpaletten in Umlauf gebracht, so waren es 2017 mehr als 110 Millionen.

Der 1991 geschaffenen European Pallet Association (EPAL) gehören mehr als 1500 Produktions- und Reparaturbetriebe in mehr als 30 Ländern an. Weltweit befinden sich Schätzungen zufolge mehr als 400 Millionen EPAL-genormte Europaletten im Umlauf. (dpa)

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