Alno schreibt 67,2 Millionen Euro Verlust

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Alno-Container vor dem Stammsitz in Pfullendorf: Der Umsatz des Küchenbauers ging 2016 um 5,4 Prozent auf rund 493 Millionen Eu
Alno-Container vor dem Stammsitz in Pfullendorf: Der Umsatz des Küchenbauers ging 2016 um 5,4 Prozent auf rund 493 Millionen Euro zurück. (Foto: Thomas Warnack)
Ressortleiter Wirtschaft

Der sechste Termin hat dann doch gehalten: Eigentlich wollte der Küchenbauer Alno Ende März seine Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr vorlegen, doch immer wieder hat das Traditionsunternehmen aus Pfullendorf die Präsentation verschoben. Zuletzt riss sogar dem Bundesamt für Justiz die Geduld, und die Behörde verhängte ein Ordnungsgeld gegen den Konzern wegen „fehlender Einreichung der Rechnungslegungsunterlagen hinsichtlich des Geschäftsjahrs 2016“.

Doch was lange währt, ist nicht wirklich gut: Die Daten und die Bilanz, die Alno am Freitag vorgelegt hat, sind verheerend. Nach diesen „vorläufigen und ungeprüften“ Zahlen sank der Umsatz der Alno-Gruppe im Jahr 2016 um 5,4 Prozent auf rund 493,2 Millionen Euro. Im Jahr zuvor hatte Alno noch 28,3 Millionen Euro mehr umgesetzt.

Der operative Verlust betrug 2016 rund 28 Millionen Euro. Auch das war in der Vergangenheit besser gewesen: Ein Jahr vorher hatte Alno noch einen Gewinn von rund 15 Millionen Euro ausgewiesen. Das lag aber auch daran dass Alno im Sommer 2015 die Tochter Impuls an die Steinhoff-Gruppe verkauft hatte. Unterm Strich vergrößerte sich damit der Nettoverlust von 4,4 Millionen Euro 2015 auf rund 67,2 Millionen Euro im Jahr 2016.

Die Liquidität – also die Geldmittel, die der Konzern zur Verfügung hatte und mit denen Alno wirtschaften konnte – verbesserte sich nur leicht: Der sogenannte Cashflow belief sich 2015 auf minus 28,5 Millionen Euro, im Jahr 2016 betrug er nur noch minus 20,2 Millionen Euro.

Ende 2016 betrugen die langfristigen Schulden 153 Millionen Euro, die kurzfristigen Verbindlichkeiten beliefen sich auf mehr als 241 Millionen Euro. Dem gegenüber standen Vermögenswerte in Höhe von 296 Millionen Euro – was eine Überschuldung und ein negatives Eigenkapital von fast 100 Millionen Euro ergibt.

Ende Juni veröffentlichte das Unternehmen jedoch Zahlen, die kurzzeitig Hoffnung machten. Demnach habe die neue Alno-Führung, die der im zweiten Halbjahr 2016 ans Ruder gekommene Großinvestor Tahoe in Pfullendorf installiert hat, die operativen Verluste in den ersten fünf Monaten 2017 reduziert. Sie betrugen nicht mehr zehn Millionen Euro wie im Jahr zuvor, sondern nur noch 1,3 Millionen Euro. Der neue Vorstandschef Christian Brenner führte das auf die Anfang des Jahres „eingeleitete Restrukturierung“ zurück. Die Insolvenz in Eigenverwaltung, die Alno am 12. Juli beantragte, konnte diese Zahlen aber auch nicht verhindern.

Große Lieferprobleme

Nach Informationen der „Schwäbischen Zeitung“ aus Kundenkreisen kann das Unternehmen seit Monaten kaum Küchen mehr ohne fehlende Teile ausliefern, nachdem viele Lieferanten ihre Lieferungen eingestellt haben. Zudem tobt um das Unternehmen ein Machtkampf: Die früheren Vorstände Max Müller und Ipek Demirtas versuchen, die Kontrolle zurückzugewinnen, nachdem sie durch Tahoe rausgedrängt wurden. Hinter Tahoe steht der Automobilzulieferer Prevent der bosnischen Unternehmerfamilie Hastor.

Der neue Vorstandschef Christian Brenner wollte auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“ weder den Machtkampf, die Lieferschwierigkeiten, die Zahlen noch den Stand der Insolvenz kommentieren. Klar ist nach Konzernangaben, dass am Montag der Verkaufsprozess für die gesamte Alno-Gruppe beginnen soll. In Pfullendorf sind zurzeit Betriebsferien, die auch noch bis kommende Woche andauern.

„Wir haben viel Vertrauen bei Handelspartnern und Verbänden verspielt“, sagt Alno-Sprecher Markus Gögele. „Wir versuchen das Vertrauen wiederzuerlangen, indem wir die Küchen komplettieren, die schon im Markt sind.“ Aus diesem Grund arbeiten auch die Abteilungen während der Betriebsferien weiter, die für Nachlieferungen zuständig sind. Hoffnung macht nach Gögeles Angaben, dass zuletzt „zwei Kunden Alno wieder beauftragen, bei denen es zuletzt sehr kritisch gewesen ist“.

Wie kritisch sich die Kundenbeziehungen gestalten und wie es bei Alno weitergeht, sollte Thema der Hauptversammlung des Küchenbauers sein. Ursprünglich war sie für den 28. September terminiert. Seit der Insolvenz gilt aber auch das nicht mehr. Der Termin ist aufgehoben, einen neuen gibt es bislang nicht.

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