Alno-Chef Sandmann geht überraschend

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Andreas Sandmann war ein halbes Jahr Chef des Pfullendorfer Küchenbauers Neue Alno GmbH. Nun hat er das Unternehmen verlassen.
Andreas Sandmann war ein halbes Jahr Chef des Pfullendorfer Küchenbauers Neue Alno GmbH. Nun hat er das Unternehmen verlassen. (Foto: Sebastian Korinth)

Der Chef des Pfullendorfer Küchenbauers Neue Alno GmbH, Andreas Sandmann, hat das Unternehmen überraschend verlassen. Wie die „Schwäbische Zeitung“ auf Nachfrage erfahren hat, sei Sandmann aus persönlichen Gründen ausgeschieden. In einer Pressemitteilung dankte das Unternehmen dem Manager für sein Engagement. Sandmann war lange Jahre Vertriebsvorstand der inzwischen insolventen und in Abwicklung befindlichen Alno AG. Zum Jahreswechsel, nach der Übernahme wesentlicher Firmenteile durch den Finanzinvestor Riverrock für rund 20 Millionen Euro, wurde er Geschäftsführer der Neue Alno GmbH.

Wie das Unternehmen weiter mitteilte, werde Thomas Kresser, der bislang für das Finanzressort zuständig war, mit sofortiger Wirkung die Geschäftsführung übernehmen. „Er ist nun alleiniger Geschäftsführer und für alle Unternehmensbereiche zuständig“, hieß es in dem Schreiben. Kresser war vor seinem Eintritt bei Alno als Interimsmanager tätig. Davor war der diplomierte Betriebswirt Finanzvorstand des Prototypenherstellers Alphaform sowie Finanzvorstand und Arbeitsdirektor bei der deutschen Tochter des französischen Industriekonzerns Alstom. Seine berufliche Laufbahn begann Kresser im Siemens Konzern.

Andauernde Ermittlungen

Die Demission Sandmanns kommt überraschend. Noch im Januar sagte der Manager im Interview mit der „Schwäbischen Zeitung“: „Man kämpft nicht so um ein Unternehmen, wenn man nicht mit Herzblut daran hängt.“ Zwei Monate später, im März, bei der Wiederaufnahme der Serienproduktion in Pfullendorf, sprach Sandmann davon, im Jahr 2019 wieder schwarze Zahlen schreiben zu wollen. 2019, so Sandmann, werde das Jahr der Wahrheit.

Ob sein Abgang mit den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stuttgart zur Insolvenz der Alno AG und etlicher Tochtergesellschaften zu tun hat, bleibt offen. Bei einer Razzia im März, bei der in mehreren Bundesländern Geschäftsräume und Privatwohnungen durchsucht wurden, hieß es, man ermittle gegen insgesamt zwölf Personen wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung und Betrugs. Namen nannte die Staatsanwaltschaft allerding nicht.

Im Mai berichtete dann das „Manager Magazin“, dass gegen Andreas Sandmann wegen schweren Betrugs ermittelt würde. Hintergrund sei eine Auseinandersetzung zwischen Canon Deutschland und der insolventen Alno AG. Demnach soll der Küchenbauer einen langfristigen Vertrag über Druckdienstleistungen mit der Tochter des japanischen Kameraherstellers gekündigt und Zahlungen verweigert haben. Dagegen habe Canon erfolgreich geklagt und Alno drei Millionen Euro in Rechnung gestellt. Kurz vor der Insolvenz soll der Küchenbauer eine Zahlung zugesagt und versichert haben, dass es keine Hinweise auf eine bevorstehende Pleite gebe. Das Dokument soll laut „Manager Magazin“, das sich auf Insider beruft, die Unterschrift Sandmanns und des damaligen Vorstandschefs Christian Brenner tragen.

Nach dem Neustart zu Beginn dieses Jahres versucht die Neue Alno GmbH als Küchenhersteller wieder Fuß zu fassen. Dabei will sich das Unternehmen auf Küchen im mittleren Preissegment zwischen 4000 und 8000 Euro konzentrieren. Aktuell beschäftigt der Küchenbauer 320 Mitarbeiter am Standort Pfullendorf, wobei die Kapazitätsauslastung unter den Erwartungen liegt.

Alno - eine wechselvolle Geschichte

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