Airbus verkauft Rüstungselektronik

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Der Ulmer Standort von Airbus Defence and Space in der Wörthstraße geht an den US-Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR).
Der Ulmer Standort von Airbus Defence and Space in der Wörthstraße geht an den US-Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR). (Foto: Andreas Brücken)
Schwäbische Zeitung

Der Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus will sein Geschäft mit Rüstungselektronik für umgerechnet 1,1 Milliarden Euro an den US-amerikanischen Finanzinvestor KKR abgeben. Das teilte das Unternehmen am späten Freitagabend mit. Damit haben sich die seit mehreren Monaten gärenden Gerüchte über einen Verkauf bestätigt. Airbus hatte 2014 im Rahmen einer Strategieüberprüfung entschieden, sich auf die Kernaktivitäten Luft- und Raumfahrt zu konzentrieren. Die Rüstungselektronik, die 2014 unter das Dach von Airbus Defence and Space schlüpfte, gehörte nicht mehr dazu. Mitte Februar hatte Airbus angekündigt, den Verkauf der Sparte bald abschließen zu können.

Betroffen davon ist das Geschäft mit Radartechnik in Ulm, das Geschäft mit optischen und optronischen Produkten in Oberkochen (Airbus Optronics) und das Geschäft mit Flugsteuerungen (Avionik) in Immenstaad am Bodensee. Angaben von Airbus zufolge beschäftigt die Sparte weltweit rund 4000 Mitarbeiter, kommt auf ein Umsatzvolumen von gut einer Milliarde Euro jährlich und erwirtschaftet eine Umsatzrendite von annähernd zehn Prozent.

Am Hauptsitz in Ulm sind etwa 3000 Mitarbeiter in der Entwicklung und Fertigung komplexer Sicherheitselektronik für Flugzeuge und Fahrzeuge sowie Radaranlagen und Funküberwachungssysteme tätig. Der Standort gilt als „Radarhochburg“, die Produkte und Systeme genießen weltweit einen hervorragenden Ruf. Hier wurde etwa das Radar für das Kampfflugzeug Eurofighter entwickelt, und selbst die US-amerikanische Küstenwache setzt in ihren Booten auf die Technik aus Ulm.

KKR will die Sparte erhalten

Im Bieterrennen für die Rüstungselektronik blieben zuletzt noch die zwei US-Finanzinvestoren Carlyle und KKR übrig, die damit auch deutsche Interessenten wie Rheinmetall oder OHB überboten. Den endgültigen Zuschlag erhielt KKR, „weil sie das beste und schlüssigste Gesamtkonzept dargelegt haben“, begründete Airbus-Sprecher Florian Taitsch im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ die Entscheidung. So wolle KKR die Einheit als Ganzes erhalten und habe auch künftig notwendige Investionen in die einzelnen Standorte garantiert. „Darauf haben wir großen Wert gelegt“, so Taitsch. Zudem sei KKR in der Branche kein Unbekannter und würde sich in dem Geschäft auskennen.

Vor Jahren hatten die US-Amerikaner den Münchener Triebwerks-hersteller MTU Aero Systems von Daimler übernommen und das Unternehmen 2005 erfolgreich an die Börse gebracht. Aktuell hält KKR aber offenbar keine größeren Beteiligungen an Luftfahrt- oder Rüstungsunternehmen. Um das Geschäft abschließen zu können, musste Airbus dem Vernehmen nach die verlustreichen Aktivitäten mit der elektronischen Grenzsicherung im Mittleren Osten abtrennen und will das Geschäft vorübergehend selbst weiterführen. Welche Auswirkungen der Verkauf auf die Mitarbeiter an den süddeutschen Standorten hat, ist derzeit noch völlig unklar. Betriebsräte und Gewerkschafter der IG Metall hatten versucht, im Vorfeld des Verkaufs eine Beschäftigungsgarantie durchzusetzen. Ob dies gelingt, bleibt abzuwarten.

In trockenen Tüchern ist der Deal aber noch nicht: Da an den Standorten sensitive Rüstungsgüter hergestellt werden, muss die Bundesregierung zustimmen. Airbus selbst ist jedoch optimistisch, diese Hürde zu nehmen. „Der gesamte Verkaufsprozess fand in enger Abstimmung mit dem Wirtschafts- und Verteidigungsministerium statt. Wir gehen deshalb davon aus, dass wir die Transaktion planmäßig im ersten Quartal 2017 abschließen können“, sagte Traitsch.

Airbus will verkaufen
Die Bundesregierung muss dem Deal noch zustimmen.
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