75 Jahre „Schwäbische Zeitung“: Die Kapitel einer Erfolgsgeschichte

Korrespondent

Ein Jubiläum zum 75-jährigen Bestehen ist für Unternehmen immer etwas Besonderes und darf Anlass zu berechtigtem Stolz sein. Auch die „Schwäbische Zeitung“ hat nun dieses beachtliche Alter erreicht. 

Teile der Schwäbischen sind älter als 75 Jahre

Aber ihre Geschichte beziehungsweise die einige ihrer Vorgängerblätter und heutigen Lokalausgaben reicht noch viel weiter zurück. Die Riedlinger Ausgabe der „Schwäbischen Zeitung“ wurde 1714 gegründet und gehört deutschlandweit zu den ältesten noch existierenden Tageszeitungen. Aber auch der „Anzeiger vom Oberland“ (Biberach), gegründet 1788, und die „Oberschwäbische Volkszeitung“ in Ravensburg (1803) können auf eine sehr lange Tradition verweisen.

Nicht nur ihrer altehrwürdigen Vorgängerblätter wegen nimmt die „Schwäbische Zeitung“ einen besonderen Platz in der Pressegeschichte Baden-Württembergs ein, sondern vor allem auch wegen einer verlegerischen Entscheidung aus dem Jahr 1922, die zum Vorbild für viele Zeitungshäuser werden sollte.

Der moderne Neubau des Verlags in Ravensburg.
Der moderne Neubau des Verlags in Ravensburg.

Franz Walchner, Verleger und Herausgeber des in Wangen erscheinenden „Argenboten“, hatte im Frühjahr 1922 – es war die wirtschaftlich schwierige Zeit nach dem Ersten Weltkrieg – seinen oberschwäbischen Verlegerkollegen vorgeschlagen, sich auf genossenschaftlicher Basis zusammenzutun, um so eine rationellere und rentablere Zeitungsproduktion zu erreichen.

Das "System Walchner" ist noch heute ein Begriff

Sehr schnell und besonders freudig wollten wohl nicht alle der Angesprochenen ihre Zustimmung geben. Manche befürchteten, sie könnten dadurch ihre verlegerische Freiheit verlieren. Aber schließlich einigten sich die 16 Verleger doch, das „System Walchner“ zu realisieren, das bis heute in der Branche ein Begriff ist.

Es sah einen gemeinsamen Verlagsort Friedrichshafen vor mit eigener Geschäftsführung, Vollredaktion und Anzeigenleitung sowie einem zentralen Druck auf einer leistungsfähigen Rotationsmaschine. Die Lokalverleger steuerten ihre Lokalteile zum gemeinsamen Produkt bei. Am 1. Juni 1922 kam es zur Gründung der Gesellschaft, die unter dem Namen „Verband oberschwäbischer Zeitungsverleger nach System Walchner GmbH, Friedrichshafen a. B.“ firmierte, kurz „Verbo“ genannt.

Dem Verbo waren aber nur 13 Jahre als unabhängiges Blatt vergönnt. Am 1. September 1935 wurden alle seine Ausgaben zwangsweise in die NS-Presse eingegliedert. An der neu gegründeten Oberschwäbischen Verlagsgesellschaft war der NS-Gauverlag mit 51 Prozent beteiligt, den Altverlegern des Verbo blieb lediglich eine Minderheit von 49 Prozent. Am 1. April 1942 wurden die Verbo-Zeitungen zum NS-Blatt „Donau-Bodensee-Zeitung“ zusammengefasst mit stark reduzierten Lokalteilen.

Leutkirch wurde erster Sitz des neuen Verlags

Aber der verlegerische Impetus der alten Gesellschafterfamilien war in den dunklen Zeiten des Nationalsozialismus und den Wirren des Krieges keineswegs verloren gegangen.

Unter Mithilfe von Dr. Wendelin Hecht, dem letzten Verlagsleiter der 1943 von den Nationalsozialisten geschlossenen „Frankfurter Zeitung“, gründeten im November 1945 Max Drexler aus Leutkirch, Othmar Gessler aus Friedrichshafen und Wendelin Hecht als Komplementäre sowie Max Diederich aus Biberach und Franz Walchner aus Wangen als Kommanditisten die Firma Schwäbischer Verlag KG, Drexler, Gessler. Sitz der Gesellschaft wurde Leutkirch im Allgäu.

Das ehemalige Verlagshaus in Leutkirch.
Das ehemalige Verlagshaus in Leutkirch. (Foto: Steppat, Jan Peter)

Wegen der – zu Recht – befürchteten Luftangriffe auf Friedrichshafen war die Zeitungsproduktion schon im Herbst 1943 nach Leutkirch verlagert worden. Nach Lizenzierung durch die französische Besatzungsmacht konnte am 4. Dezember 1945 die erste Ausgabe der „Schwäbischen Zeitung“ in einer Druckauflage von 98.370 Exemplaren erscheinen. Der Zeitungstitel war eine Idee von Wendelin Hecht. Er sollte den Anspruch der Verleger zum Ausdruck bringen, mit ihrem Blatt auch über Oberschwaben hinaus publizistisch zu wirken.

60er-Jahre waren erfolgreiche Zeit

Auch Ernst Trip, der erste Redakteur der „Schwäbischen Zeitung“, und Albert Komma, der erste Chefredakteur, hatten zuvor bei der „Frankfurter Zeitung“ gearbeitet. Nach dem Weggang Kommas zu der Tageszeitung „Die Welt“ übernahmen 1951 die bisherigen Ressortleiter Theodor Walterscheid (Politik) und Johannes Schmid (Kultur) die Chefredaktion in Leutkirch. 1958 wechselte Walterscheid in die Verlagsleitung. 1963 wurde Chrysostomus Zodel, zuvor Chefredakteur der „Stuttgarter Nachrichten“, neuer Chefredakteur der „Schwäbischen Zeitung“.

Auch im Gesellschafterkreis hatte es Veränderungen gegeben. Georg Fürst von Waldburg-Zeil war 1959 als Komplementär in den Verlag eingetreten. Als neue Firmenkommanditisten kamen 1966 die Ipf- und Jagstzeitung GmbH mit der „Aalener Volkszeitung“ (heute „Aalener Nachrichten“) und der „Ipf- und Jagstzeitung“ (Ellwangen) dazu, dann die Tuttlinger Firma J. F. Bofinger mit dem „Gränzboten“ und der „Trossinger Zeitung“.

Die Jahre ab 1963 waren für gut zwei Jahrzehnte entscheidend geprägt von dem Führungsduo Theodor Walterscheid und Chrysostomus Zodel. Es war eine sowohl wirtschaftlich als auch publizistisch sehr erfolgreiche Zeit, freilich auch in einem ökonomisch günstigen und gesellschaftlich und politisch spannenden Umfeld.

Bleisatz verschwand fast über Nacht

Die grundlegenden technischen Veränderungen, die sich ab Ende der 1970er-Jahre in der Pressebranche vollzogen, stellten auch den Verlag der „Schwäbischen Zeitung“ und seine Mitarbeiter vor erhebliche Herausforderungen.

Mit dem Ende des Bleisatzes verschwand auch der Beruf des Schriftsetzers.
Mit dem Ende des Bleisatzes verschwand auch der Beruf des Schriftsetzers.

Der jahrhundertealte Bleisatz wurde fast über Nacht durch die elektronische Satzherstellung abgelöst, was den traditionsreichen Beruf des Schriftsetzers verschwinden ließ, die Arbeit der Redakteure nachhaltig veränderte und auch die Aufgaben und die Verantwortung von Walterscheids und Zodels Nachfolgern in hohem Maße beeinflusste.

Nach Theodor Walterscheid und einer nur dreijährigen Amtszeit von Klaus von Prümmer an der Unternehmensspitze führte Dr. Udo Kolb von 1989 bis 2008 den Verlag als Geschäftsführer. Ihm folgte bis 2019 Dr. Kurt Sabathil, der die digitale Transformation des Unternehmens mit besonderem Nachdruck vorantrieb.

Hanns Funk (1988 bis 1997), Joachim Umbach (1997 bis 2007) und Ralf Geisenhanslüke (2008 bis 2011) waren die ersten drei Nachfolger Zodels in der Chefredaktion. Unter dem heutigen Chefredakteur Dr. Hendrik Groth (seit 2011) wurde die „Schwäbische Zeitung“ inhaltlich und gestalterisch für eine gute Zukunft in einer stark veränderten Medienlandschaft weiterentwickelt. Mehrere Journalistenpreise zeigen, dass diese Bemühungen auch extern auf Anerkennung stießen.

Der Verlag zog 2012 nach Ravensburg

Seit Jahresbeginn 2020 ist Lutz Schumacher Geschäftsführer des Unternehmens. Im Gesellschafterkreis vollzog sich im Laufe der Jahre ebenfalls ein Generationswechsel. Persönliche Kommanditisten sind heute Julia Sabathil-Diederich, Andreas Drexler, Andreas Gessler, Dr. Martin Walchner und Erich Fürst von Waldburg-Zeil.

Eine Strukturreform, welche die Lokalverlage Anfang der 2000er-Jahre in einen engeren Verbund mit dem Hauptverlag brachte, schuf die Voraussetzung für eine strategische Neuausrichtung und den umfassenden Ausbau des einstigen reinen Zeitungsverlags zu einem breit aufgestellten Medienunternehmen mit derzeit knapp 1000 Mitarbeitern.

Seit 2012 ist der Firmensitz Ravensburg. Die „Schwäbische Zeitung“ mit ihren 19 Lokalausgaben und einer Auflage von etwa 160.000 Exemplaren ist zwar nach wie vor das publizistische Hauptprodukt des Unternehmens. Unter der 2010 eingeführten Dachmarke „Schwäbisch Media“ sind inzwischen aber insgesamt mehr als 40 Marken angesiedelt.

Neben den Printprodukten, zu denen neben der „Schwäbischen Zeitung“, dem Anzeigenblatt „Südfinder“ und einer Beteiligung an der Tageszeitung „Nordkurier“ in Neubrandenburg mehrere Magazine sowie weitere Anzeigen- und eine Reihe von Amtsblättern gehören, spielen heute die Produkte des digitalen Portfolios eine bedeutsame Rolle.

Der Verlag ist inzwischen breit aufgestellt

Die „Schwäbische Zeitung“ als E-Paper bietet die digital für PC, Smartphone und Tablet aufbereitete Tageszeitung. Website und News-App liefern blitzschnell aktuelle Informationen. Als Online-Marktplatz für die Region hilft Südfinder.de bei der Suche nach einem neuen Job, einem Auto, einer neuen Wohnung oder auch einem neuen Partner. Das Portal FuPa Oberschwaben wendet sich mit Tabellen und Ereignissen aus dem Fußball in der Region an Sportinteressierte.

Den Einstieg ins Rundfunkgeschäft markierten 1987 die Beteiligung an dem Hörfunksender Radio 7 (Ulm) und später an Radio Seefunk (Konstanz). Am 1. Januar 2016 ist das Pop-Rock-Radio Neckaralb Live am Standort Reutlingen auf Sendung gegangen. Mit der Regio-TV-Sendergruppe Stuttgart, Schwaben und Bodensee (ab 2005) nimmt Schwäbisch Media einen prominenten Platz im deutschen Regionalfernsehen ein.

Das zusammen mit der „Südwestpresse“ schon 1992 gegründete Druckhaus Ulm-Oberschwaben (DUO) mit zwei hochmodernen Druckzentren in Weingarten und Ulm steht ebenso wie der Merkuria Zustelldienst für den traditionellen Printbereich. Zur digitalen Welt im Bereich der Dienstleistungen zählt etwa die Gesellschaft MSG Media Service GmbH & Co. KG. Seit 2000 ist Südmail eine Tochter von Schwäbisch Media und inzwischen einer der bedeutendsten privaten Briefdienstleister Deutschlands.

Als Profi für Dienstleistungen auf allen Wegen der Kommunikation hat sich Dialog Plus einen Namen gemacht. Die Digitalagentur Bitzilla entwickelt für jeden Kunden den passenden Online-Marketing-Mix. Schließlich haben sich die Beteiligungsgesellschaften Frey und Schneider auf die regionale Direktzustellung von Werbung an Privathaushalte beziehungsweise auf die Herstellung und bundesweite Verteilung von Prospekten spezialisiert.

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