Überschätzt und überteuert

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Hohe Kosten und Gebühren sind bei vielen Investmentfonds ein erheblicher Renditekiller.
Hohe Kosten und Gebühren sind bei vielen Investmentfonds ein erheblicher Renditekiller. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung
Alexander Heintze

Viele Sparer vertrauen ihr Geld Fondsmanagern an – in der Hoffnung, dass die wissen, wie man es vermehrt. Dabei belegen Studien immer wieder, dass die wenigsten Fondsmanager das wirklich können. Dennoch sammelte die deutsche Fondsbranche zu Beginn des Jahres über zwei Milliarden Euro von privaten Anlegern ein. Seit Jahren vergleicht der amerikanische Indexanbieter S&P Dow Jones die Leistung von Fondsmanagern mit der Wertentwicklung von breiten Marktindizes. Das ernüchternde Ergebnis: In Deutschland schneidet gerade einmal ein Drittel der aktiv verwalteten Fonds besser ab als der Index.

Ein Strauß an Gebühren

Dabei versprechen die Anbieter etwas ganz anderes. Hoch bezahlte Fondsmanager und ein Team von Wirtschaftsspezialisten und Analysten sollen für die Anleger das Beste herausholen. Für diese Leistung zahlt der Anleger. Und das bei einigen Fonds nicht zu knapp. Neben dem Ausgabeaufschlag, den in der Regel die Bank oder der Anlageberater für den Verkauf des Fonds bekommt, fallen weitere Gebühren an, die auf den ersten Blick nicht so offensichtlich sind. So verlangen die Fondsgesellschaften Verwaltungs- oder Managementgebühren, Transaktionsgebühren, die beim An- und Verkauf von Wertpapieren anfallen, und die Kosten für die gesetzlich vorgeschriebene Depotbank, die das Fondsvermögen verwaltet.

Immer häufiger werden auch sogenannte Performancegebühren verlangt. Diese sollen ein Anreiz für den Fondsmanager sein, gute Arbeit abzuliefern. Schneidet sein Fonds besser ab als das vorgegebene Ziel, bekommt er einen Teil des zusätzlichen Gewinns als Erfolgsgebühr. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass manche Fonds die Messlatte so niedrig legen, dass das Ziel fast immer übertroffen wird. „Traue keiner Benchmark, die du nicht selber festgelegt hast“, warnt Philipp Müller, Portfoliomanager der Performance IMC Vermögensverwaltung mit Niederlassung in Freiburg, davor, einfach den Angaben der Gesellschaften zu glauben. Wichtig sei, dass die Vergleichsbasis zum Fonds passe. Weltweit anlegende Fonds sollten sich etwa mit dem MSCI World Index vergleichen.

Performance ist nicht alles

Überhaupt sollten Anleger nicht nur auf die Wertentwicklung der Fonds achten, meint Müller. „Es kommt auf die Strategie des Fonds an. Wenn etwa ein Fondsmanager mehr Wert darauf legt, wenig Risiko einzugehen, kann er nicht gleichzeitig Spitzenreiter bei der Rendite sein“, sagt Müller.

Ein zweiter wichtiger Punkt sind die Fondskosten. Diese Kosten nimmt sich der Fondsanbieter direkt aus dem Vermögen des Fonds und schmälert damit letztlich die Rendite. Wie teuer ein Fonds ist, zeigt die Gesamtkostenbelastung (Total Expense Ratio, TER), die für jeden Fonds angegeben werden muss. Darin sind alle Gebühren und Kosten sowie der Gewinnanteil der Fondsgesellschaft enthalten. In der Regel liegt das TER bei Aktienfonds zwischen 1 und 2,5 Prozent. Bei Rentenfonds sind es 0,5 bis 1,3 Prozent. Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen. „Wenn ein Fondsmanager beweist, dass er über Jahre gute Arbeit leistet, sind auch Fondskosten von mehr als zwei Prozent akzeptabel“, sagt Müller.

Vorsicht ist geboten, wenn Fonds den Ausgabeaufschlag senken, erklärt Vermögensverwalter Ingo Schweitzer von der AnCeKa Vermögensbetreuung in Kaufbeuren. Oftmals werden im Gegenzug die laufenden Gebühren erhöht. Für die Anbieter ist das ein gutes Geschäft. Denn die meisten Anleger halten ihre Fondsanteile sehr lange im Depot, selbst wenn sie sich schlecht entwickeln. Über die Zeit machen sich die höheren Gebühren dann für die Anbieter bezahlt. „Darum sollten Investoren die Wertentwicklung und die Kosten ihrer Fonds ein oder zweimal pro Jahr überprüfen“, rät Schweitzer.

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