Zur Person: Gianis Varoufakis, ein Grieche in Berlin

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 Der Grieche Gianis Varoufakis kandidiert in Deutschland für die Europawahl.
Der Grieche Gianis Varoufakis kandidiert in Deutschland für die Europawahl. (Foto: dpa)
Marc Niedzolka und Takis Tsafos

Zwischen überwiegend älteren Menschen spaziert Gianis Varoufakis durch die Straßen von Lichterfelde am Berliner Stadtrand. Mitglieder eines örtlichen Aktionsbündnisses und Anhänger seiner Ideen zeigen ihm das Viertel. Es sieht an diesem Samstag nicht nach der großen Bühne aus für den früheren griechischen Finanzminister. Dabei hat er Großes vor.

Varoufakis kandidiert in Deutschland für die Europawahl am 26. Mai als Spitzenkandidat der Vereinigung „Demokratie in Europa“ – einem deutschen Ableger seiner europäischen Bewegung „Democracy in Europe Movement 2025“ (Diem25). Wie das geht? Der Linkspolitiker hat einen Wohnsitz in Berlin. Ohne diesen dürfte er als Bürger eines anderen EU-Landes nicht für eine deutsche Bewegung antreten.

Varoufakis war einmal eine große Nummer. Als Finanzminister brachte er seine europäischen Partner auf dem Höhepunkt der griechischen Schuldenkrise mit seinen linken Theorien oft zur Weißglut. Immer wieder geriet der Ökonomieprofessor mit seinen EU-Kollegen aneinander – auch und vor allem mit dem deutschen Ressortchef Wolfgang Schäuble. Doch seit seinem Rücktritt im Sommer 2015 spielt „der Mann mit dem großen Ego“, wie ihn viele griechische Medien nennen, kaum noch eine Rolle in der Politik seines Heimatlandes.

„Wir sind die erste seriöse, transnationale, progressive Bewegung“, sagt der 58-Jährige. Eines der Probleme sei die Wohnungsnot in Großstädten. Darum geht es auch bei seinem Rundgang. Varoufakis sagt, er sei oft in der deutschen Hauptstadt. Hauptgrund für seine Kandidatur sei, „dass Europa zu zerfallen droht“. Ein Zerfall würde in ganz Europa „politische Monster“ von der rechten Seite hervorbringen.

Die Chancen auf einen Sitz im EU-Parlament dürften jedoch gering sein – auch wenn es in Deutschland bei der Europawahl anders als in anderen Ländern keine Sperrklausel gibt.

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