Zehntausende bei G20-Protest - Randale in Berlin

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Schwäbische Zeitung

London/Berlin (dpa) - Zehntausende Menschen haben am Samstag in mehreren deutschen Städten und am Ort des G20-Gipfels in London für mehr Gerechtigkeit und eine sozialere Weltordnung demonstriert. Während die Proteste in der britischen Hauptstadt friedlich blieben, kam es in Berlin zu Krawallen.

Demonstrationen gab es auch in Frankfurt/Main und anderen Städten. Unterdessen warnte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor zu hohen Erwartungen an den Gipfel der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer am kommenden Donnerstag in London. In Washington sagte ein Wirtschaftsberater von Barack Obama, der US-Präsident komme ohne Forderungen nach neuen Konjunkturprogrammen zu dem Gipfeltreffen nach Europa.

Demonstranten aus aller Welt marschierten am Samstag mit Plakaten, Spruchbändern und Trillerpfeifen vom Londoner Regierungsviertel zu einer Großkundgebung im Hyde Park. Unter dem Motto „Jobs, Gerechtigkeit und Klimaschutz“ machten sie ihrem Unmut über das Weltfinanzsystem und über Jobverluste Luft. Aus Angst vor Unruhen waren tausende Polizisten im Einsatz, es gab jedoch keine Ausschreitungen.

Laut Polizeiangaben kamen rund 35 000 Menschen zu dem Marsch, den unter dem Namen „Put People First“ mehr als 150 Gewerkschaften, Friedensaktivisten und Umweltschutzgruppen organisiert hatten, darunter auch aus Deutschland. Teilnehmer sprachen von einer „Karnevalsatmosphäre“. Familien mit Kindern zogen durch die Stadt. Auf Plakaten stand „People before profit“ (Menschen vor Profit) und „Money for need not greed“ (Geld für Bedürftige nicht Gierige). Buh- Rufe gab es, als die Demonstranten am britischen Regierungssitz in der Downing Street vorbeizogen.

Unter dem Motto „Wir zahlen nicht für eure Krise“ gingen in Berlin nach Polizeiangaben etwa 15 000 Menschen auf die Straße, die Veranstalter sprachen von mehr als 25 000 Teilnehmern. Am Rande der Demonstration kam es zu Krawallen. Nach einem bis dahin friedlichen Protestmarsch lieferten sich am Roten Rathaus mehrere hundert Teilnehmer Schlägereien mit der Polizei. Mehrere Randalierer wurden festgenommen. Ein breites Bündnis hatte zu den Protesten aufgerufen, darunter Gewerkschaften, Attac, Umweltverbände und die Linkspartei.

In Frankfurt forderten nach Angaben der Veranstalter rund 25 000 Demonstranten, die Banken für die Wirtschaftskrise in Haftung zu nehmen. Die Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmer auf rund 12 000. Eine Attac-Sprecherin sagte, allein mit 125 Bussen seien 7500 Menschen gekommen. Die Polizei schützte mit mehreren Hundertschaften die Eingänge der Bankhochhäuser auf der Route der Demonstration.

Die britische Regierung wies am Abend einen Bericht über neue Konjunkturanreize, die angeblich beim G20-Gipfel beschlossen werden sollen, zurückgewiesen. Ein Sprecher der Downing Street sagte, es handle sich um einen alten Entwurf, der mehrmals geändert worden sei. Das Magazin „Der Spiegel“ hatte aus einem Kommuniqué der britischen Regierung zitiert, wonach sich die 20 Industrie- und Schwellenländer auf dem Gipfel auf neue Konjunkturmaßnahmen verständigen wollten. Demnach sollten die Konjunkturpakete einen Umfang von zwei Billionen Dollar (1,5 Billionen Euro) haben und 19 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dämpfte die Erwartungen an den G20-Gipfel in London. „Wir sprechen über einen neue globale Architektur der Finanzmärkte und wir werden nicht in der Lage sein, dies in London zu beenden“, sagte Merkel in einem Interview mit der britischen Wirtschaftszeitung „Financial Times“ (Samstag). „Wir werden natürlich auch nicht die Wirtschaftskrise lösen, und auch nicht die Probleme im Welthandel. Wir müssen uns auf jeden Fall nochmals treffen.“

Der Wirtschaftsberater des US-Präsidenten, Mike Froman, sagte am Samstag in Washington: „Niemand hat und niemand wird irgend ein Land in London fragen, derzeit mehr zu tun.“ Obama komme nach London „um zuzuhören und zu führen“. Obama wolle in erster Linie durch Vorbildlichkeit führen. Die G20-Staaten müssten angesichts der dramatischen Weltwirtschaftskrise „abgestimmte Aktionen“ unternehmen, um die Konjunktur wiederzubeleben.

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