„Wir versuchen, wieder nach Burundi zu gehen“

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Christoph Nix, Intendant des Theaters Konstanz.
(Foto: Dirk Grupe)

Christoph Nix (Foto:dpa), Intendant des Theaters Konstanz, unterstützt Theaterprojekte in Burundis Hauptstadt Bujumbura. Mit ihm hat Christoph Plate gesprochen.

Was hören Sie von den Schauspielern, mit denen Sie in Bujumbura zusammenarbeiten?

Wir hatten zwei burundische Schauspieler bei uns hier in Konstanz. Von denen bekomme ich jetzt jede Nacht E-Mails, dass einer von ihnen sich versteckt halten muss. Es wird von Massakern erzählt, von Freunden, die im Nachbarhaus umgebracht worden sind. Ich höre nur Schlimmes.

Sie waren vor 18 Monaten mit dem baden-württembergischen Minister Peter Friedrich in Burundi. Welche Eindrücke hatten Sie von den Spannungen zwischen Hutu und Tutsi?

Vielleicht engagiere ich mich jetzt, weil ich damals da war. Wir hatten die Hoffnung, dass es eine Aufarbeitung des Bürgerkriegs geben würde. Es sah so aus, als gäbe es eine Offenheit zwischen den Ethnien der Hutu und Tutsi. Gleichzeitig war deutlich, dass sich ein Konflikt anbahnt. Die Weltöffentlichkeit wusste, dass Präsident Pierre Nkurunziza die Verfassung ändern würde, um sich eine dritte Amtsperiodezu sichern. Alle rechneten mit einer weiteren Eskalation.

Welche Rolle kann Kultur in einem solchen Konflikt spielen?

Hoffnung, Hoffnung, Hoffnung. Trotz der schwierigen politischen Situation, muss man bleiben. Wir Theaterleute sind keine Märtyrer, aber wir versuchen im Januar oder März mit zwei Theaterproduktionen nach Burundi zu gehen.

Nach eine Welle der Massaker schloss der damalige Außenminister Joschka Fischer in den 1990er-Jahren die deutsche Botschaft in Bujumbura. Die wurde inzwischen wieder eröffnet. Muss man in einer solchen Situation politisch Präsenz zeigen?

Ich glaube, das ist die einzige Möglichkeit. Seien wir froh, dass der jetzige Außenminister Steinmeier, selbst wenn er noch in anderen Konflikten verhandelt, ein Herz für Afrika und für Burundi hat. Soweit ich weiß, hat Steinmeier dafür gesorgt, dass die deutsche Botschaft offen bleibt. Er hat eine Debatte im UN-Sicherheitsrat angeregt, außerdem soll es eine aktuelle Stunde zum Thema im Bundestag geben. Wenn man bedenkt, wie klein und unbedeutend dieses Land in der Weltpolitik ist, ist das eine ganze Menge.

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