Wie der Fisch noch zu retten ist

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Ein Heringsfischer in Mecklenburg-Vorpommern holt seinen Fang ein. Heringe aus der Ostsee können Verbraucher laut WWF ohne Beden
Ein Heringsfischer in Mecklenburg-Vorpommern holt seinen Fang ein. Heringe aus der Ostsee können Verbraucher laut WWF ohne Bedenken kaufen. (Foto: dpa)
Hanna Gersmann

Karpfen darf auf den Tisch, aber der Aal? Er ist vom Aussterben bedroht. „Von dem lassen Sie besser die Finger!“ Den Tipp gibt Beate Jessel, die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, BfN. Und sie dürfte damit einen Nerv treffen. Denn die Deutschen sorgen sich um das Meer. 94 Prozent der Bürger bewerten den „Verlust von Tier- und Pflanzenarten im Meer“ als „sehr großes“ oder „großes“ Problem. Nur den Plastikmüll im Meer oder die Verschmutzung durch Erdöl bewerten sie noch kritischer. Das zeigt die neue Naturbewusstseinsstudie, die Jessel am Freitag mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) vorgestellt hat. Erstmals wurde darin die Einstellung der Deutschen zum Meer abgeklopft.

15 Kilo Fisch isst jeder Deutsche

Es ist eine innige Beziehung. Jedes Jahr essen die Bundesbürger im Schnitt 15 Kilogramm Fisch und Fischprodukte – trotz steigender Preise. Allein im Jahr 2016 gaben sie dafür rund 3,8 Milliarden Euro aus. Am beliebtesten ist dabei der Lachs, gefolgt von Alaska-Seelachs, der auch als Fischstäbchen zu haben ist. Dann kommen Hering, Thunfisch und Forelle.

Der Mensch haut den Fisch in die Pfanne. Das Problem: Nur sieben Prozent der Befragten erklärten, „ausreichend über Herkunft und Fangbedingungen von Fisch“ informiert zu sein, also zu wissen, welcher Fisch mit gutem Gewissen verzehrt werden kann. So wünschen sich viele mehr Unterstützung beim Einkauf. 92 Prozent der Befragten erklärten zum Beispiel, sie wollten sich darauf verlassen können, dass der Handel erst gar keine Fischprodukte von bedrohten Arten anbietet. Und: 90 Prozent halten eine Kennzeichnung für naturschonende Fischerei für „sehr wichtig“.

Es ist nicht so einfach, an der Fischtheke eine gute Wahl zu treffen. Weltweit gelten 29 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände als überfischt und 61 Prozent als maximal genutzt. Allerdings gibt es schon heute verschiedene Siegel, die helfen. Am weitesten verbreitet: Das kleine blaue MSC-Siegel für nachhaltig gefangenen Wildfisch, das das Marine Stewardship Council, MSC, eine nichtstaatliche Organisation mit Sitz in London, vergibt. Sie wurde einst vom Lebensmittelkonzern Unilever und der Umweltstifung WWF ins Leben gerufen, ist heute aber unabhängig. Der Fisch soll aus gesunden Beständen stammen und mit umweltfreundlichen und schonenden Methoden gefangen werden. Der MSC steht zwar immer wieder in der Kritik, manchen Umweltschützern gilt es als zu lasch. Der WWF empfiehlt das Siegel aber grundsätzlich nach wie vor als Einkaufshilfe. Bei Zuchtfischen verweist er auf das türkisfarbene Aquaculture Stewardship Council und auf die Bioland- und Naturland-Siegel.

Darüber hinaus haben der WWF, aber auch Greenpeace Einkaufsratgeber ins Internet gestellt, genaue Listen nach dem Motto „Wenn Fisch, dann dieser“. Sie kommen zum Teil zu unterschiedlichen Einschätzungen. Für beide gilt: Der Europäische Aal hat im Einkaufswagen nichts zu suchen, der Karpfen hingegen ist unbedenklich. Doch Greenpeace rät zum Beispiel vom beliebten Alaska-Seelachs ganz ab, der WWF hält es aber für vertretbar, ihn zu essen, wenn er das MSC-Siegel trägt.

Und die anderen Lieblingsfische der Deutschen? „Eine gute Wahl ist“, sagt Roland Gramling vom WWF, „Lachs aus Wildfang in Alaska oder Bioaquakultur, Hering aus Ost-, Nordsee und Nordostatlantik, mit Angelleinen geangelter Thunfisch, wie Bonito oder Gelbflossenthun, aus dem Westpazifik und Forelle aus EU-Bio-Aquakultur, aber auf keinen Fall aus Wildfang.“

Mehrheit für strengere Gesetze

Nur: Ist der Fisch ohne die Hilfe der Politik überhaupt zu retten? 77 Prozent der Befragten sind der Überzeugung, dass der Staat die Fischerei finanziell unterstützen sollte, damit sie mehr für den Schutz der Meere tun, 83 Prozent wollen für sie „strengere Regeln und Gesetze“.

Wer dem Wunsch der Mehrzahl der Befragten nachkommen will, dass bedrohte Fischarten gar nicht mehr angeboten werden, müsste zum Beispiel den Verkauf von Aal verbieten. Für die Fischerei ist aber CDU-Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner zuständig. Umweltministerin Schulze wird ihr nun erst einmal die Ergebnisse der Studie präsentieren. Den Liebhabern des Fisches bleibt derweil eins, rät WWF-Mann Gramling: „Verstehen Sie ihn als das, was er ist: Eine Delikatesse, von der weniger oft mehr ist.“

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