Weniger Bürokratie, mehr Zeit für die Patienten

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Unser Redakteur
Um Krankenhauskosten lässt sich in vielen Fällen trefflich streiten. (Foto: Redaktion)
VonHajo Zenker

Beim Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf. Erst recht, wenn es um 77 Milliarden Euro im Jahr geht. Die nämlich zahlen in Deutschland die Krankenkassen an die Krankenhäuser. Was den größten Ausgabenblock in der gesetzlichen Krankenversicherung darstellt. Klar, dass die Kassen den Kliniken auf die Finger schauen. Schließlich kann sich eine prozentual vergleichsweise kleine Fehlerzahl zu stolzen Beträgen summieren. Andersherum lässt sich aber auch auf Kassenseite mit einer kleinen Quote an gekürzten Klinikrechnungen viel Geld sparen.

Und so ist die Stimmung zwischen den Beteiligten denkbar schlecht. Die Kliniken beklagen Misstrauenskultur und Prüforgien, die Kassen eine Rechnungslegung für gar nicht erbrachte oder unnötige Leistungen. Dabei klingt die Tatsache, dass jede zweite geprüfte Klinikforderung fehlerhaft war, zunächst einmal erschreckend. Aber auf den zweiten Blick ist dies dann doch nicht mehr ganz so eindeutig. Denn über die Frage, ob man einen medizinischen Eingriff stationär oder ambulant vornehmen sollte, lässt sich in vielen Fällen trefflich streiten. Wie auch um die Auslegung bestimmter Punkte des mittlerweile sehr unübersichtlichen Abrechnungssystems mit seinen großen Interpretationsspielräumen. So schwarz-weiß, wie die Beteiligten gern malen, ist das alles gar nicht.

Dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn versucht, mit einer gestaffelten maximalen Prüfquote, aber auch einem Schlichtungsausschuss etwas Dampf aus dem Kessel zu nehmen, leuchtet ein. Und dass eine Klinik, die ihre Leistungen zumeist korrekt abrechnet, entlastet wird, geht ebenfalls völlig in Ordnung. Dass aber Krankenhäuser, die nicht einmal 40 Prozent ordentlich summieren können, weniger als heute geprüft werden sollen, ist dagegen unverständlich. Da lässt sich im Gesetzgebungsverfahren im Bundestag sicher noch eingreifen. Im Grundsatz aber gilt: Wer weniger mit Bürokratie beschäftigt ist, hat mehr Zeit für die Patienten. Genau so sollten die Kliniken diesen Vertrauensvorschuss beantworten.

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