Weißhelme in letzter Sekunde in Sicherheit gebracht

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Die syrischen Katastrophenhelfer, bekannt als Weißhelme, waren nach Luftangriffen häufig zur Stelle.
Die syrischen Katastrophenhelfer, bekannt als Weißhelme, waren nach Luftangriffen häufig zur Stelle. (Foto: dpa)
Michael Wrase
Redakteur

Sie sind – oder waren – die effizientesten Katastrophenhelfer in den von Rebellen eroberten Gebieten Syriens. Doch das „freie Syrien“ wird immer kleiner. Nur einen guten Monat benötigte die von der russischen Luftwaffe massiv unterstützte Armee von Machthaber Baschar al-Assad, um Südsyrien, wo im März 2011 der Volksaufstand gegen Assad begonnen hatte, fast vollständig zurückzuerobern. Von den USA und ihren arabischen „Brüdern“ im Stich gelassen, flohen die überwiegend islamistischen Freischärler in den äußersten Südwesten von Syrien, an die Grenzen von Jordanien sowie in Regionen unweit der von Israel besetzten Golanhöhen.

Unter den Flüchtenden waren nach BBC-Informationen auch 422 Weißhelme und deren Familien, die im Gegensatz zu den meisten Rebellen kein „freies Geleit“ in die noch von der Opposition gehaltene Provinz Idlib an der türkischen Grenze erhielten. Die Assad-Regierung betrachtet die überaus erfolgreichen Katastrophenhelfer als „Agenten des Westens“ und will sie für ihre „propagandistische Unterstützung“ zur Rechenschaft ziehen.

Aus der Sicht Assads haben die Weißhelme den Herrschern in Damaskus massiven Schaden zugefügt. Denn häufig waren es von den Nothelfern gelieferte Beweise, auf die sich internationale Untersuchungsberichte über Massaker des Regimes stützten, etwa nach den Giftgasangriffen bei Damaskus im Frühjahr dieses Jahres, denen wenig später massive Raketenangriffe der Alliierten auf Damaskus folgten.

Israel und Jordanien führten für die am Wochenende erfolgte Rettungsaktion humanitäre Gründe an. Das Leben der Nothelfer, hatte der israelische Militärrundfunk am Sonntag gemeldet, sei durch das Vorrücken der Assad-Truppen in Südsyrien bedroht gewesen. Die Evakuierungsaktion, so der Sender weiter, sei „auf Bitten der USA und der Europäer“ erfolgt. Die brutale Rückeroberung von Syrien - und damit letztendlich auch die Vertreibung der Weißhelme durch die Assad-Armee - erfolgt mit dem ausdrücklichen Segen von Donald Trump, der dafür vermutlich keine Gegenleistungen von seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin erhalten wird.

Die teilweise Auflösung der Weißhelme und deren nun bevorstehende Aufnahme in Deutschland und anderen Ländern hätte verhindert werden können, wenn der Westen den syrischen Widerstand von Anfang an energischer unterstützt hätte, sind sich Beobachter sicher. 2012 erfolgte deren Gründung. Neben der Unterstützung der hoffnungslos zerstrittenen Rebellen musste in den „befreiten Gebieten“ auch eine effiziente Zivilschutzorganisation aufgebaut werden – was mit umfangreicher Finanzhilfe aus nahezu allen westlichen Staaten auch gelang. Die Weißhelme, die 2014 den alternativen Friedensnobelpreis erhielten, retteten nach unbestätigten Berichten über 100 000 Menschenleben. Sie waren das wirksamste Propagandainstrument der Opposition, die nun vor der Wahl steht, sich Assad zu unterwerfen, ins Ausland zu fliehen oder in der Rebellenprovinz Idlib darauf zu warten, von Regierungstruppen attackiert zu werden.

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