Was ist eigentlich ein guter „Pitch“ und welche Aufgabe hat ein „Business Angel“?

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Jens Freiter erklärt, was zu einem guten Pitch dazugehört, um potenzielle Investoren zu überzeugen.

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„Ihr könnt alles pitchen, solange ihr mitreißt und den Zuhörer mitnehmt“, gibt Jens Freiter, selbst Gründer und CEO der Freitek Media GmbH, den Workshop-Teilnehmern am Donnerstag beim Bodensee Business Forum mit.

Knapp 30 Leute möchten wissen: „Wie überzeuge ich mit meiner Geschäftsidee?“ Dabei steht an erster Stelle das Pitching: Eine Idee einem möglichen Investor kurz, prägnant und überzeugend vorzustellen.

„Es ist wichtig, dabei eine Geschichte zu erzählen und am besten die Essenz, das, um was es geht, in einem Satz auf die erste Folie schreiben oder sagen“, erklärt Freiter.

Wie das aussehen kann, zeigt er am Beispiel von Airbnb. Deren Pitch begann mit dem Satz „Book rooms with locals, rather than hotels – buche Räume bei Menschen, die vor Ort leben, und nicht in Hotels.“

Das klingt gut, davon will ich mehr hören

Das Ziel müsse sein, beim Gegenüber das Gefühl zu erzeugen: Das klingt gut, davon will ich mehr hören.

Jens Freiter ist selbst seit vielen Jahren in der Gründerszene aktiv. Im Jahr 2000 rief er mit Freunden in Bottighofen (Schweiz), das Reisebewertungsportal Holidaycheck ins Leben, das heute zu den größten kommerziellen Reisevermittlern zählt.

2006 verkaufte Freiter seine Anteile. Inzwischen ist er Business Angel und Hauptgeschäftsführer der Freitek Media, die Gründern mit einer aus ihrer Sicht guten Idee weiterhilft.

„Ein Business Angel geht früher rein als Investoren, berät dich, gibt dir Geld und persönliche Kontakte“, führt Freiter aus. Investoren steigen meist dann ein, wenn die Idee bereits umgesetzt wurde. Business Angel nehmen, wie Investoren auch, Anteile am Unternehmen.

„Wofür mache ich überhaupt einen Pitch?“, fragt der Workshop-Leiter in die Runde. „Um Geld zu akquirieren, Produkte zu verkaufen sowie Partnerschaften oder einen Unternehmensverkauf anzubahnen“, gibt er selbst als zusammengefasste Antwort.

Ein sogenanntes Pitchdeck, in dem ein Gründer sein Produkt vorstellt, kann in der Länge zwischen fünf Minuten und 15 Minuten variieren. „Immer Extra-Folien mitbringen, die man zeigen kann, um mögliche Fragen zu beantworten“, rät der Gründer.

Er hat einen exemplarischen Aufbau einer solchen Kurzpräsentation mitgebracht. Außer einem aussagekräftigen ersten Satz sei es relevant, das Team vorzustellen, das hinter der Idee steckt. Der Gründer sollte ein Problem identifizieren und seine Lösung dazu aufzeigen.

„Wenn ihr ein Produkt entwickelt habt, bringt es mit“, betont der Workshop-Leiter und gerät ins Schwärmen, da er sich an geröstete Kakaobohnen aus Ecuador erinnert, deren Duft während eines Pitches den gesamten Raum ausfüllten.

Man muss hervorheben und sich abheben

„Hebt hervor, was euch einzigartig macht, grenzt eure Zielgruppe ein und kennt eure Mitbewerber.“ Was immer gut ankommt, seien Patente oder einzigartige Technologien. Meilensteine, wie sich das Unternehmen weiterentwickeln soll und eine Exitstrategie, also ein Verkauf des Unternehmens, spielten für Investoren ebenfalls eine große Rolle.

Der Auftritt sei alles, betont Freiter. „Ich habe schon lausige Ideen gesehen, die so gut präsentiert wurden, dass sie Geld bekommen haben.“

Yul Strobel aus Ravensburg nimmt am Workshop teil, da er neben seinem laufenden Start-up Strobelsystems GmbH bereits weitere Ideen hat. „Mich interessiert, wie ich Investoren für mich gewinne.“ Für ihn habe sich der Besuch gelohnt, lautete am Ende sein Fazit. „Einige Feinheiten waren neu für mich.“

Auch Julieta Halblaub zeigt sich zufrieden. „Mir hat der Workshop etwas gebracht. Ich habe die Mailadresse eines Business Angels. Durch ihn komme ich hoffentlich an weitere Kontakte.“

Denn wenn sie ihr Studium beendet hat, möchte sie sich selbständig machen und ein Produkt entwickeln, dass umweltfreundlicher ist, als ein bestehendes. Mehr verrät sie nicht.

Außer den strukturellen Details eines Pitches, spiele ein weiterer Aspekt eine wichtige Rolle, hebt Freiter abschließend hervor: das Drumherum. „Ein Pitch beginnt fünf Minuten, bevor ich anfange und endet, wenn ich zu Hause bin“, sagt der Gründer.

Pünktlich zu sein habe oberste Priorität, Small-Talk gehöre dazu. Denn das Gefühl der Investoren nehme zu 90 Prozent Einfluss auf die Entscheidung, der Inhalt lediglich zehn Prozent.

Und der wichtigste und vielleicht kürzeste Pitch überhaupt? Der Elevator-Pitch: „Fragt dich jemand zwischen Tür und Angel nach deiner Idee musst du vorbereitet sein und loslegen.“

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