Was hat Trumps historischer Schritt nach Nordkorea eigentlich gebracht?

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 US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Un geben sich bei ihrem Treffen in der entmilitarisierten Zone (DM
US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Un geben sich bei ihrem Treffen in der entmilitarisierten Zone (DMZ) an der innerkoreanischen Grenze die Hand. (Foto: dpa)
Angela Köhler

Aus einer „spontanen Idee“ wird ein „legendärer Moment“. So versteht Donald Trump Politik – und schüttelt Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un am Grenzpunkt Panmunjom die Hand. Noch nie zuvor hat ein amtierender US-Präsident seinen Fuß auf nordkoreanischen Boden gesetzt. Diese Begegnung in der Demilitarisierten Zone (DMZ) am 38. Breitengrad könnte auch deswegen historisch werden, weil Trump den Diktator aus Pjöngjang nach Washington ins Weiße Haus einlud.

Wie in einer politischen Seifenoper schritten die Staatenlenker durch die neutrale Zone am Grenzpunkt aufeinander zu. Anschließend geleitete Kim den amerikanischen Präsidenten über den Bordsteig auf sein Territorium. Seite an Seite, ohne viel Worte, begaben sich Trump und Kim anschließend über die Demarkationslinie auf südkoreanisches Terrain, wo Staatschef Moon Jae-in wartete. Ursprünglich hatte Pjöngjang als Bedingung für das amerikanisch-nordkoreanische Treffen gefordert, dass sich der Seouler Präsident aus der Begegnung heraushält.

Gastgeber sitzt nicht am Tisch

Beim anschließenden, rund 50-minütigen Gespräch zwischen Trump und Kim im „Freiheitshaus“ war der Südkoreaner zwar formal Gastgeber, saß aber nicht am Tisch. Nach Medienberichten wünscht Nordkoreas Diktator keine Vermittlung durch Moon, sondern will auf Augenhöhe direkt mit dem Repräsentanten der Vereinigten Staaten verhandeln. Zunächst wurden nur Komplimente ausgetauscht. „Wir mochten uns vom ersten Tag an“, sagte Trump über den Machthaber.

Kim charakterisierte sein persönliches Verhältnis zu dem Präsidenten der Vereinigten Staaten im Gegenzug als „exzellent“. Er habe nicht erwartet, Trump je an dieser Grenze zu treffen. Das sei ein „sehr couragierter Akt“ von Trump. Der Handschlag habe „eine große Bedeutung für den Frieden“, erklärte der nordkoreanische Führer. „Wir werden die Vergangenheit hinter uns lassen und in die Zukunft schreiten.“ Diese Aussagen des üblicherweise wortkargen Diktators sind insofern überraschend, als es seit dem Abbruch des Hanoi-Gipfels Ende Februar zumindest offiziell keine Gespräche auf Arbeitsebene mehr gegeben hat. Auch die Begegnung von Panmunjom ist kein reguläres Treffen, sondern nur ein „Handschlag“, wie es Trump einordnete.

So weit die Symbolik. Über den Inhalt des Gesprächs unter Ausschluss der Öffentlichkeit ist wenig bekannt. Präsident Trump kündigte nur an, er werde Kim „jetzt gleich ins Weiße Haus einladen“. Und später: Er habe mit dem Vorsitzenden Nordkoreas vereinbart, dass die Atomgespräche mit einem Neustart in die dritte Runde nach den Gipfeln von Singapur und Hanoi gehen.

Auffällig war bei einer anschließenden Pressekonferenz, dass Trump sorgfältig vermied, das bisher eigentliche Verhandlungsziel einer kompletten und eindeutig überprüfbaren Denuklearisierung überhaupt zu erwähnen. Nach Darstellung von Trump war dies 2018 in Singapur als Endabsicht und Bereitschaft Nordkoreas vereinbart worden. Dieses hoffnungsvolle Signal hat sich bisher in keiner Weise erfüllt. Weder gibt es konkrete Zusagen der Führung in Pjöngjang, wann das kommunistische Regime sein Atomwaffenarsenal abrüsten will. Noch gibt es Anzeichen für Fortschritte – außer dass Nordkorea derzeit keine Atomwaffentests durchführt, aber immer wieder Raketen testet.

Nordkorea ist nicht bereit, überhaupt auf Atomwaffen zu verzichten – und wird es aus Gründen der Staatsräson vermutlich nie sein. Die Positionen von Pjöngjang und Washingtons bleiben unvereinbar. Das Treffen von Panmunjom könnte den blockierten Verhandlungen bestenfalls neues Leben einhauchen. Zumindest wurde die Gründung von Arbeitsgruppen vereinbart.

Fünf Präsidenten an der Grenze

Trump überschritt bei seiner Blitz-visite zwar erstmals eine Grenze. Aber er ist bereits der fünfte Präsident der USA, der die entmilitarisierte Zone zwischen den beiden Koreas besucht. Ronald Reagan nannte die Demarkationslinie 1983 eine „Frontlinie der Freiheit“. Zehn Jahre später warnte Bill Clinton Nordkorea dort vor der atomaren Aufrüstung, ehe 2002 George W. Bush Pjöngjang in die „Achse des Bösen“ einordnete. 2012 sprach Barack Obama angesichts neuer Raketentests Nordkoreas erstmals von der internationalen Isolation des Regimes.

Donald Trump wollte Panmunjom schon bei seinem ersten Besuch Südkoreas im November 2017 besuchen. Wegen schlechten Wetters untersagte der Secret Service dem Präsidenten damals den Hubschrauberanflug.

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