Was über die Attentäter von Sri Lanka bekannt ist

Lesedauer: 4 Min
Angehörige trauern in Sri Lanka um die Opfer.
Angehörige trauern in Sri Lanka um die Opfer. (Foto: dpa)
Nick Kaiser

An den Anschlägen am Ostersonntag in Sri Lanka waren neun Selbstmordattentäter beteiligt. Die Behörden identifizierten nach eigenen Angaben inzwischen alle von ihnen, bestätigten allerdings nur die Identitäten von vier Beteiligten. Die Opferzahl wurde am Donnerstag nach Abschluss der Autopsien von 359 auf 253 korrigiert worden. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums waren mehrere verstümmelte Leichen doppelt gezählt worden. Das Ministerium machte keine Angaben zu den ausländischen Todesopfern.

Zwei der mutmaßlichen Täter waren die Söhne von Mohammed Yusuf Ibrahim, einem erfolgreichen Gewürzexporteur mit guten Verbindungen in die Politik. Einer der beiden Söhne war Eigentümer einer Kupferfabrik, der andere wurde im vergangenen Dezember im Ort Mawanella festgenommen, weil er eine Buddha-Statue beschädigt haben soll – eine Provokation gegen Buddhisten, die mit rund 70 Prozent der Bevölkerung die Mehrheit in dem südasiatischen Inselstaat stellen.

Die Brüder sprengten sich am Ostersonntag in zwei Fünfsternehotels in Sri Lankas Hauptstadt Colombo in die Luft: im Cinnamon Grand und im Shangri-La. Am Anschlag auf das Shangri-La war zudem der Prediger Mohammed Zaharan beteiligt, der nach Informationen indischer Geheimdienste der Anführer der Gruppe war.

Insgesamt sieben Anschläge

An dem Morgen schlugen sieben Attentäter fast zeitgleich in drei Luxushotels in Colombo sowie drei Kirchen in Colombo und den Orten Negombo und Batticaloa zu. In den Hotels gingen die Bomben an den Frühstücksbüfetts hoch. Ein achter Attentäter wollte eine weitere Kirche in Dehiwala, einem Vorort von Colombo, angreifen. Weil es dort einen Einbruch gegeben hatte, wurde die Kirche von Polizisten bewacht, und der Mann brach das Attentat ab. Anschließend ging er in ein weiteres Fünfsternehotel an der Strandpromenade von Colombo. Es gelang ihm allerdings nicht, seine Bombe zu zünden. Also ging er zurück in sein Zimmer in einem kleinen Hotel in Dehiwala. Dort explodierte die Bombe, vermutlich aus Versehen. Außer dem Attentäter starb ein junges Pärchen in einem Nebenzimmer.

Stunden nach den ersten sieben Explosionen zündete die Frau eines der Ibrahim-Brüder in einem luxuriösen Haus, das ihrem Schwiegervater gehört, eine weitere Bombe. Zuvor hatte die Polizei das Haus betreten. Sie tötete sich, ihre beiden Kinder, einen Angehörigen der Ibrahim-Familie und drei Polizisten.

Die meisten der Terroristen waren laut Regierung gebildet und stammten aus wohlhabenden Familien. Sie hätten im Ausland studiert, hieß es – einer vermutlich in Großbritannien und Australien. Die Behörden gehen davon aus, dass sie der einheimischen Islamistengruppe National Thowheeth Jamaath (NTJ – etwa Nationale Versammlung für den Glauben an die Einheit Gottes) angehörten. Die Gruppe Jammiyathul Millathu Ibrahim soll ebenfalls beteiligt gewesen sein. Beide Organisationen waren zuvor kaum bekannt und nicht mit Terrorismus in Verbindung gebracht worden. (dpa)

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen