Warum Trumps Beziehung zu Saudi-Arabien jetzt auf der Probe steht

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08.10.2018, USA, Washington: Donald Trump, US-Präsident, spricht, von einer Reise nach Orlando, Florida, zurückkommend, am Weiße
08.10.2018, USA, Washington: Donald Trump, US-Präsident, spricht, von einer Reise nach Orlando, Florida, zurückkommend, am Weißen Haus mit Reportern. (Foto: Manuel Balce Ceneta)
Deutsche Presse-Agentur

Als US-Präsident Donald Trump im Mai 2017 zum Auftakt seiner allerersten Auslandsreise ausgerechnet Saudi-Arabien ansteuerte, zeigte er sich bester Laune. Zwei Tage lang bereitete ihm das Königshaus in Riad einen fulminanten Empfang, wie ihn nur wenige Gäste genießen dürfen.

Von dem saudischen Journalisten und Regimekritiker Dschamal Chaschukdschi wird Trump damals noch nie gehört haben. Nun aber wirft dessen mysteriöses Verschwinden im saudischen Konsulat in Istanbul einen dunklen Schatten auf eine strategische Partnerschaft zwischen Wash-ington und Riad, die selten so innig war wie derzeit. Der Fall findet in den USA große Aufmerksamkeit, weil Chaschukdschi dort im Exil lebte und auch Artikel in der „Washington Post“ veröffentlichte.

Die USA und Saudi-Arabien, das ist seit Trump wieder eine geradezu herzliche Beziehung. Da ist nicht nur das Öl, das beide Länder verbindet. Der US-Präsident sieht im Königshaus auch einen Abnehmer von US-Waffen und verkündete in Riad Geschäfte im Wert von 110 Milliarden Dollar. Saudi-Arabien – mit einer teuren, aber vergleichsweise schwachen Armee ausgestattet – wiederum findet in Washington einen Garanten seiner Sicherheit. Die US-Armee unterstützt auch logistisch und geheimdienstlich die Angriffe, die die von Riad geführte internationale Koalition in Jemens Bürgerkrieg fliegt – ungeachtet der Tatsache, dass dabei regelmäßig Zivilisten sterben.

Gemeinsamer Feind Iran

Vor allem aber halten Washington wie Riad den schiitischen Iran für den Erzfeind schlechthin. Während Trump das Atomabkommen mit Teheran aufkündigte und Sanktionen wieder in Kraft setzte, geht das saudische Königshaus mit aller Macht gegen iranischen Einfluss vor, wo immer sich dafür die Gelegenheit bietet. Mit grünem Licht aus Washington.

So ist auch zu erklären, warum der US-Präsident vergleichsweise milde auf das Verschwinden Chaschukdschis reagierte. In seiner Kritik an westlichen Verbündeten kennt Trump oft kein Halten; auch Nato-Partner Türkei bekam seinen Zorn wegen des dort inhaftierten US-Pastors Andrew Brunson schon zu spüren. Bei Chaschukdschi hielt sich Trump hingegen zurück, obwohl türkische Ermittler nach Berichten davon ausgehen, dass der Journalist im saudischen Konsulat getötet wurde. Er sei besorgt und hoffe auf eine positive Lösung, sagte der US-Präsident. Ein paar „ziemlich böse Geschichten“ seien im Umlauf: „Ich mag das nicht.“ US-Außenminister Mike Pompeo rief die saudische Regierung zu einer gründlichen Untersuchung auf.

Dennoch stellt das Verschwinden Chaschukdschis eine schwere Belastungsprobe für das Verhältnis zwischen Washington und Riad dar. In den USA wächst die Kritik am Königshaus, selbst unter denen, die ihm wohlgesonnen waren. So lobte etwa Thomas L. Friedman, Kolumnist der „New York Times“, lange die Reformen, die Kronprinz Mohammed bin Salman als starker Mann Saudi-Arabiens vorantreibt. Jetzt zeigt sich Friedman wegen Chaschukdschis Verschwinden „schockiert“.

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