Warum im Nordirak sogar Mädchen um den „Schwabenpokal“ kicken

Lesedauer: 7 Min
Chefreporter Ulm und Alb-Donau

Seit dem Jahr 2013 bittet die „Schwäbische Zeitung“ ihre Leser in der Advents- und Weihnachtszeit um Spenden für Menschen auf der Schattenseite des Lebens. 2013 und 2014 ging es um Kinderarmut, 2015 um die Hospiz- und Palliativversorgung. Diese Serie wurde mit dem Katholischen Medienpreis ausgezeichnet. Seit 2016 heißt das Thema: „Fluchtursachen bekämpfen, menschenwürdiges Leben ermöglichen.“

Die Spenden kommen der Hilfe für Menschen im Nordirak, ehrenamtlichen Initiativen und Caritas-und Diakonieprojekten zugute.

Die nächste Aktion beginnt im November 2019: Wenn Sie schon jetzt spenden wollen, wird Ihre Spende dem Ergebnis der Aktion 2019 zugerechnet.

Eine Spendenquittung wird auf Wunsch oder ab 200 Euro automatisch erstellt. Geben Sie hierfür bitte Ihren Namen und Ihre Adresse an sowie das Stichwort „ZWB“ im Verwendungszweck.

Spendenkonto:

Caritasverband der Diözese

Rottenburg-Stuttgart e. V.

Bank für Sozialwirtschaft Stuttgart

IBAN:

DE90 6012 0500 0001 7088 00

BIC: BFSWDE33STG

Stichwort: Helfen bringt Freude

Fans, Sprechchöre, Vuvuzelas, gleich starke Mannschaften, motivierte Spieler und begehrte Pokale: Diese Finalspiele versprechen Spannung und Unterhaltung.

Sie könnten auch auf einem deutschen Fußballplatz stattfinden: gut vorbereitet, bestens organisiert, in einer langen und ehrwürdigen Tradition. Doch diese Spiele an diesem Samstagnachmittag sind anders: Im Flüchtlingscamp Mam Rashan im Norden des Irak kicken Herren- und Frauenteams zum ersten Mal um den Schwabenpokal, gestiftet von der „Schwäbischen Zeitung“.

Besonders beeindruckend ist für mich, dass hier junge Jesidinnen Fußball spielen

Chefredakteur Hendrik Groth

Chefredakteur Hendrik Groth erklärt: „Besonders beeindruckend ist für mich, dass hier junge Jesidinnen Fußball spielen. Nach unseren Recherchen sind es sogar die ersten jesidischen Frauenfußball-Teams überhaupt, die sich hier zusammen gefunden haben.“

Das Flüchtlingscamp Mam Rashan liegt im Norden des Irak.
Das Flüchtlingscamp Mam Rashan liegt im Norden des Irak. (Foto: SZ)

Der Fußballplatz in Mam Rashan stand im Jahr 2016, als die „Schwäbische Zeitung“ erstmals ihre Leser um Spenden für die Flüchtlingscamps Mam Rashan und Sheikhan bat, nicht auf dem „Wunschzettel“ der beiden Campleiter. Wohncontainer, Arbeitsplätze in Ladenzeilen und Gewächshäusern sowie ein Versammlungszentrum waren zunächst wichtiger.

Jetzt wird gekickt - sieben Tage in der Woche, 24 Stunde am Tag

Doch als sich herausstellte, dass die großzügigen Spenden der Leserinnen und Leser ein weiteres Projekt ermöglichen konnten, fragte Campleiter Shero Smo aus Mam Rashan: „Könnt Ihr Euch vorstellen, einen Fußballplatz zu bauen?“

Eines der ungewöhnlichsten Projekte wurde umgesetzt. Seit knapp zwei Jahren herrscht auf dem Fußballplatz an sieben Tagen in der Woche Betrieb – im sengend heißen Sommer abends und nachts, im Winter sogar 24 Stunden am Tag. 84 Teams zu je sieben Spielern sind registriert.

Auch an den „achten Mann“, der eine so wichtige Rolle spielt, haben die Verantwortlichen gedacht und die hügelige Topographie des Camps genutzt. Der Fußballplatz liegt in einer Senke, auf den kleinen Hügeln ringsum können sich die Fans versammeln: „Eine Naturtribüne“, freut sich Campleiter Shero Smo.

Ihre Unterstützung durchs Anfeuern, Fahnen, Banner und Schals kann sich positiv auf die Psyche der Spieler auswirken, sind sich Wissenschaftler sicher. Die Einsatzbereitschaft der Teams könne sich um bis zu acht Prozent steigern. Zählt man diese Wirkung bei allen elf Teammitgliedern zusammen, wirkt das wie ein achter Spieler auf dem Feld.

Zurück auf den Platz, zurück zu den Finalspielen, zurück zum Schwabenpokal. Etwa 1000 Zuschauer, der „achte Mann“, sind gekommen und wollen sehen, wie die Herrenmannschaften spielen. 18 Mannschaften hatten sich beworben und haben seit einigen Wochen die Spiele ausgetragen, das Team „Danial“ hat sich fürs Finale gegen das Team „Juventus“ mit dem 22-jährigen Ibrahim Barzan an der Spitze qualifiziert.

Leidenschaftliche Diskussionen auf dem Platz

„Danial“-Kapitän Amer Ahmed ist der beste Spieler auf dem Platz. Der 31-Jährige führt seine Mannschaft souverän an, am Ende steht es nach einer umstrittenen Ecke 1:0 für „Danial“. Hitzige Diskussionen folgen. Doch der Schiedsrichter bleibt bei seiner Entscheidung, so dass Groth dem siegreichen Team Pokal und Medaillen überreichen kann.

Die Stuttgarter Psychiaterin Barbara Wild, die an der Universität Dohuk Psychotherapeuten ausbildet und selbst oft in Mam Rashan unterwegs ist, sieht den Mehrwert solcher Turniere: „Sport ermöglicht den zivilisierten Umgang mit Aggressionen.“ Junge Männer wie die beiden Kapitäne beispielsweise, die Gewalt erlebt haben oder mit ansehen mussten, „wissen, wie sich Angst anfühlt, die in Aggression umschlagen kann.“

Schließlich, so Wild, „bieten Fußballer wie Messie, Ronaldo, Ribéry oder Robben Kindern und jungen Männern im Camp Vorbilder, an denen sie sich positiv orientieren können.“ Im tristen Alltag von Mam Rashan, in dem Männer wie Amer Ahmed und Ibrahim Barzan sich ab und zu als Tagelöhner verdingen, ansonsten aber vor den Wohncontainern sitzen, wirkt sich Fußball positg aus.

Während sich die jungen Männer zu ihren Fans begeben und für die Unterstützung danken, kommen die Mädchen und jungen Frauen auf den Kunstrasen. Benannt nach den spanischen Vorbildern Real Madrid und FC Barcelona, liefern sich die Teams mit den Kapitäninnen Yosera Suleman und Inas Qeran ein spannendes Match. Am Ende geht Barcelona siegreich vom Platz

Jugendmannschaften aus Schwaben können sich bewerben

Für die Zukunft plant Campleiter Shero Smo weitere Turniere nach dem Vorbild des Schwabenpokals: „Ich will die benachbarten Camps einladen, mit uns zu kicken.“ Im Camp Sheikhan entsteht derzeit, ebenfalls finanziert aus Mitteln der Weihnachtsaktion, ebenfalls ein Fußballplatz.

Und Groth ergänzt: „Unsere Idee ist es, dass Jugendmannschaften aus Schwaben im Jahr 2020 hier mit Mannschaften aus den Camps um den Schwabenpokal spielen!“ Bewerbungen und Sponsoren sind willkommen: „Ich freue mich über jedes Interesse!“

Schwabenpokal Endspiel Männer
Im Endspiel der Herren ging es leidenschaftlich zur Sache, mit einem knappen Endergebnis von 1:0. (Foto: SZ)

Seit dem Jahr 2013 bittet die „Schwäbische Zeitung“ ihre Leser in der Advents- und Weihnachtszeit um Spenden für Menschen auf der Schattenseite des Lebens. 2013 und 2014 ging es um Kinderarmut, 2015 um die Hospiz- und Palliativversorgung. Diese Serie wurde mit dem Katholischen Medienpreis ausgezeichnet. Seit 2016 heißt das Thema: „Fluchtursachen bekämpfen, menschenwürdiges Leben ermöglichen.“

Die Spenden kommen der Hilfe für Menschen im Nordirak, ehrenamtlichen Initiativen und Caritas-und Diakonieprojekten zugute.

Die nächste Aktion beginnt im November 2019: Wenn Sie schon jetzt spenden wollen, wird Ihre Spende dem Ergebnis der Aktion 2019 zugerechnet.

Eine Spendenquittung wird auf Wunsch oder ab 200 Euro automatisch erstellt. Geben Sie hierfür bitte Ihren Namen und Ihre Adresse an sowie das Stichwort „ZWB“ im Verwendungszweck.

Spendenkonto:

Caritasverband der Diözese

Rottenburg-Stuttgart e. V.

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